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Grippe – viel mehr als nur ein Schnupfen

Raffaela Römer

 

Es gibt drei verschiedene Typen des Grippevirus: Influenza A, B und C. Grippeviren können sich ständig verändern. Man unterscheidet kleine und große Veränderungen: Die kleinen betreffen einzelne Gene des Erregers, man bezeichnet sie als „Antigen-Drift“. Sie führen zu Veränderungen der Oberflächenstrukturen (Antigene). Die Erreger der saisonalen Grippe etwa verändern sich laufend in solchen kleinen Schritten. Sie bleiben deshalb für unser Immunsystem teilweise erkennbar, der Körper kann mit erprobten Immunreaktionen gegen sie vorgehen. 
Große Veränderungen innerhalb eines Virus beruhen indes auf dem Austausch von ganzen Genabschnitten zwischen unterschiedlichen Grippeviren, beispielsweise, wenn in einem Organismus ein Vogelgrippevirus und ein menschliches Grippevirus zusammenkommen. Man nennt diese Veränderungen „Antigen-Shift“. Es entsteht ein völlig neues Grippevirus, auf das der Körper noch keine passende Immunantwort hat. Solche Viren lösen weltweite Pandemien aus.
Influenza B- und C-Typen haben sich seit Langem an den Menschen angepasst und verändern sich nur noch geringfügig. Sie lösen eher milde Krankheitsverläufe aus.
Influenza A-Viren kommen in Schweinen, Geflügel und im Menschen vor und können sich viel stärker verändern als Typ B und C. Die großen Grippepandemien werden von Influenza A-Viren ausgelöst.
 

Die Namensgebung der Viren

Grippeviren werden heute nach einem weltweit gültigen Standard benannt: Bei der Bezeichnung A (H1N1) beispielsweise steht A für Influenza A-Virus, die Buchstaben H und N für zwei Proteine: Hämagglutinin, das das Blut verklumpen lässt, und Neuraminidase, ein Enzym, das Zuckerbausteine von der Zelloberfläche abtrennt. Sie sind wesentliche Bausteine der Grippeviren vom Typ A und B, die Neuraminidase kommt beim Typ C nicht vor. Die Ziffern 1 definieren einen bestimmten Typ der Proteine.
Beispiele für Virus-Subtypen, die in der Vergangenheit Grippepandemien ausgelöst haben, sind: 
  • A (H1N1): Verursacher der Neuen Grippe (Schweinegrippe) (2009) und der Spanischen Grippe (1918)
  • A (H5N1): Verursacher der Vogelgrippe (1997)
  • A (H2N2): Verursacher der Asiatischen Grippe (1957)
  • A (H3N2): Verursacher der Hongkong-Grippe (1968)
Vogelgrippe-Viren
Public Health Image Library/PHIL, Atlanta

Drei Grippepandemien, die in die Geschichte eingingen

Jeden Winter ist es das gleiche Spiel: Jedem zweiten läuft die Nase, bei vielen kommt Husten hinzu, Halsschmerzen sowieso. Was hier beschrieben wird, ist eine Erkältung beziehungsweise ein grippaler Infekt, ausgelöst durch Bakterien – und meistens nach zwei Wochen überstanden. Von ganz anderem Kaliber ist die echte Grippe, auch Influenza genannt. Sie ähnelt in ihren Symptomen der von harmlosen Viren verursachten Erkältung, wird aber nur durch Influenzaviren verursacht. Außerdem sind ihre Symptome deutlich schwerer als bei einer Erkältung. Die echte Grippe kann sogar zum Tod führen. Epidemien der saisonalen Grippe gibt es jedes Jahr. Sie treffen vor allem geschwächte und alte Menschen, junge Patienten überstehen die Infektion meist recht gut. Die größte Gefahr geht von den Viren aus, die ursprünglich in Geflügel und Schweinen vorkommen. Wenn sie es schaffen, auf den Menschen überzuspringen, drohen weltweite Pandemien, die in der Vergangenheit bereits Millionen von Menschenleben forderten.
 
Die erste Grippewelle trat wahrscheinlich Anfang 1173 in Europa auf. In den folgenden Jahrhunderten kam es immer wieder zu regional beschränkten Epidemien, die tausende Menschen das Leben kosteten. Die Mehrzahl der Erkrankten erholte sich jedoch meist wieder von der Infektion. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum die Grippe damals nicht annähernd so furchteinflößend war wie zum Beispiel die Pest, die zur gleichen Zeit auftrat. 
Welch gewaltigen Schrecken die Grippe verbreiten kann, zeigte sich aber dann im 19. Jahrhundert: Drei heftige Pandemien, die auf der ganzen Welt wüteten, kosteten Millionen von Menschen das Leben: die Spanische Grippe von 1918, die Asiatische Grippe 1957 und die Hongkong-Grippe 1968. Anders als zum Beispiel Pest oder Tuberkulose dauerten diese Pandemien immer nur ein bis zwei Jahre an, dafür fielen sie umso heftiger aus. Die Grippe trägt den Beinamen Influenza, italienisch für „Einfluss“, seit dem Mittelalter. Die Menschen wählten diesen Namen, weil sie glaubten, dass die Stellung der Planeten einen Einfluss auf die Gesundheit habe.
 

Die Spanische Grippe

Die Spanische Grippe war die schlimmste der drei großen Grippepandemien: In drei Wellen lief sie um die Welt und tötete dabei etwa 50 Millionen Menschen. Zum Vergleich: Der Erste Weltkrieg, dessen Ende mit dem Ausbruch der Spanischen Grippe zeitlich zusammenfiel, kostete etwa 17 Millionen Menschen das Leben. Keine andere Pandemie forderte jemals mehr Opfer. Anders als bei vorausgegangenen Grippewellen machte der Erreger diesmal auch vor jungen Männern und Frauen nicht halt. Schätzungen gehen davon aus, dass die Hälfte der Todesopfer zwischen 20 und 40 Jahre alt war. Viele starben innerhalb weniger Tage an Lungenversagen. Der Erste Weltkrieg trug zur Verschärfung der Situation bei, denn viele Menschen waren geschwächt, Soldaten erreichten mit ihren Kriegsschiffen die halbe Welt und verbreiteten den Erreger, ohne es zu wissen.
 
Wo die Spanische Grippe ihren Ursprung hat, ist bis heute nicht klar. Ihren Namen verdankt sie jedenfalls nicht ihrem Ursprungsland, sondern der Tatsache, dass die spanische Presse groß über den Ausbruch der Infektion berichtete. In anderen Ländern herrschte, bedingt durch den Krieg, an dem Spanien nicht teilgenommen hatte, strenge Zensur. Die Symptome der Spanischen Grippe waren viel schlimmer als die irgendeiner anderen Grippe. Warum dies so war, wusste man lange nicht. Erst durch die Rekonstruktion des Virus durch amerikanische Wissenschaftler fand man heraus, dass es sich um ein Influenzavirus vom Typ A (H1N1) handelt, verwandt mit jenem, das auch für die jüngsten Schweinegrippefälle verantwortlich gemacht wird. 
 

Asien als ideale Brutstätte für Vogelgrippeviren

Die zweite große Grippepandemie brach 1957 in China aus und wurde Asiatische Grippe genannt. Verantwortlich war das Influenzavirus A (H2N2), das aus der Kombination eines menschlichen Grippevirus mit einem Vogelgrippevirus hervorging. In Asien leben unglaubliche 14 Milliarden Geflügeltiere, meist eng zusammengepfercht – eine ideale Brutstätte für neue Vogelviren. Man schätzt, dass sich ein Drittel der Weltbevölkerung infizierte. Die Zahl der Todesopfer betrug jedoch nur zwei Millionen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Wissenschaftler bereits, dass die Grippe durch Viren verursacht wird. Ebenso war bereits das Antibiotikum entdeckt worden, welches eingesetzt werden konnte, um Sekundärerkrankungen wie bakterielle Lungenentzündungen zu heilen. In den 1940er Jahren wurde der erste Massenimpfstoff gegen Grippe hergestellt.
 
1968 schließlich suchte die so genannte Hongkong-Grippe die Menschen heim. Auch sie verlief nicht annähernd so aggressiv wie die Spanische Grippe und kostete schätzungsweise eine Million Menschen das Leben. Das Influenzavirus A (H3N2) verursachte diese Pandemie. Es ist verwandt mit dem Erreger der Asiatischen Grippe, weshalb ein Teil der Menschen noch Antikörper besaß. Die Hongkong-Grippe verlief wahrscheinlich auch deshalb milder.
 

Die Angst vor der Katastrophe

Das Thema Grippe ist so aktuell wie lange nicht mehr. Schuld sind die Ausbrüche von Vogelgrippe und Neuer Grippe (Schweinegrippe) in den vergangenen Jahren. Ihr Auftreten verursachte in der Weltbevölkerung geradezu Panik, denn schnell wurden Parallelen zur verheerenden Spanischen Grippe von 1918 gezogen, die etwa 50 Millionen Menschenleben gefordert hatte. Heute glaubt man zu wissen, dass der Erreger der Spanischen Grippe ebenfalls von einem Vogelgrippevirus abstammte. In Windeseile wurden neue Impfstoffe entwickelt, im Jahr 1999, also kurz nach Auftreten der Vogelgrippe, forderte die Weltgesundheitsbehörde alle Staaten auf, Pandemiepläne zu entwickeln, die im Ernstfall eine weltweite Ausbreitung der Grippe verhindern und viele Menschen vor dem Tod retten sollen. Auch die jedes Jahr auftretende saisonale Grippe darf nicht unterschätzt werden.
 

Die Vogelgrippe: Eine Tierseuche bedroht den Menschen

Hongkong im Mai 1997: Ein dreijähriger Junge bekommt plötzlich hohes Fieber, seine Atemwege sind entzündet. Seine Eltern bringen ihn in ein Krankenhaus. Die Ärzte vermuten eine Grippe, doch keiner der vorhandenen Tests kann ein Virus nachweisen. Wenige Tage später stirbt der kleine Junge. Die Wissenschaftler sind ratlos. Erst im August steht fest: Der Junge trug das Vogelgrippevirus H5N1 in sich – dasselbe Virus, das in der Vergangenheit bereits für das massenhafte Sterben von Geflügel gesorgt hatte. Doch bislang war es noch nie auf den Menschen übergesprungen. Im gleichen Jahr erkrankten in Hongkong 18 weitere Menschen. Sechs von ihnen starben, die meisten an multiplem Organversagen, ähnlich wie bei der Spanischen Grippe 1918. Alle Erkrankten hatten Kontakt zu Geflügel gehabt. Eine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch konnte nicht registriert werden. Ein glücklicher Umstand. Denn eine solche Übertragungsmöglichkeit hätte wahrscheinlich eine weltweite Pandemie zur Folge gehabt. Die Regierung Hongkongs ergriff dennoch rasch die Initiative und ließ mehr als eine Million Hähnchen keulen. 
Die massenhafte Geflügelhaltung in Asien ist optimaler Nährboden für die Ausbreitung eines Vogelvirus. 14 Milliarden Geflügeltiere leben dort unter schlechtesten Bedingungen, oft zusammen mit Schweinen, von denen es auf dem Kontinent insgesamt rund eine halbe Million gibt. 
 

Die Welle schwappt nach Europa

Das Virus ließ sich nicht stoppen. 2003 befiel es Geflügelbestände in Südkorea und Vietnam, Japan und Thailand. Das Vogelgrippevirus war inzwischen mutiert und dadurch noch gefährlicher geworden. In Thailand und Vietnam steckten sich wieder Menschen an. 100 Millionen Geflügeltiere wurden in Asien getötet – entweder durch Keulung oder durch das Virus selbst. Auch Wildvögel waren nach einiger Zeit betroffen, darunter Zugvögel, die das Virus über die Grenzen Asiens hinweg verbreiteten. Im Oktober 2005 schließlich wurden die ersten an H5N1 gestorbenen Wildvögel in Europa gefunden. Wie die Weltgesundheitsorganisation berichtet, sind bis Mai 2011 553 Menschen an H5N1 erkrankt, 323 starben. Die Fälle traten in Asien und Afrika sowie der Türkei auf.
 
Derzeit schätzen Experten das Risiko für den Menschen, an H5N1 zu erkranken, als sehr gering ein. Die Vogelgrippe ist vielmehr eine reine Tierseuche. Das Besondere: Im Einzelfall und bei sehr engem Kontakt zu den Tieren, kann sie die Artgrenze überschreiten und Menschen anstecken. Der schlimmste Fall, der eintreten könnte, wäre, dass sich H5N1 mit einem menschlichen Grippevirus mischt und diese neue Mutante von Mensch zu Mensch übertragbar ist. Das ist mit dem Subtypen H5N1 zwar noch nie passiert, die Asiatische Grippe ist jedoch einem solchen Szenario entsprungen. 
 

Schweinegrippe – aber kein Schwein ist krank

Im Frühjahr 2009 erkrankten in Mexiko ungewöhnlich viele Menschen an schwerer Lungenentzündung. Man registrierte 2155 Fälle. 100 von ihnen starben. Die Behörden waren alarmiert. Auffallend war zusätzlich, dass die Mehrzahl der Patienten zur jungen Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen gehörte – ähnlich wie bei der Spanischen Grippe von 1918. Die Ursache der Erkrankungen konnten die mexikanischen Ärzte nicht ausmachen. Dies gelang jedoch Kollegen aus den USA. Sie entdeckten in den Proben zweier Erkrankter ein bisher nicht bekanntes Influenzavirus vom Typ A (H1N1). Heute weiß man, dass dieses Virus eine Mischung aus einem saisonalen menschlichen Grippevirus und einem Schweinegrippevirus ist. Das Schweinegrippevirus selbst enthält wiederum ein Gen, das ursprünglich aus einem Vogelinfluenzavirus stammt. Schweine gelten als besondere Überträgertiere, weil sie sich sowohl mit Vogel-, Mensch- und Schweineinfluenzaviren anstecken können und diese verschiedenen Viren sich in ihrem Organismus dann vermischen können.
 
Da sich das H1N1-Virus von Mensch zu Mensch überträgt, wurde die Bezeichnung „Schweinegrippe“, die zunächst in aller Munde war, später gegen den Namen „Neue Grippe“ ausgetauscht. Tatsache ist nämlich, dass das Virus in dieser Form noch nie in einem Schwein identifiziert wurde, sondern nur beim Menschen. Viele Verbraucher hatten mit dem alten Namen die Vorstellung verbunden, dass der Verzehr von Schweinefleisch gefährlich sein könnte (was aber nicht der Fall ist). Auch die Bezeichnung „Mexiko-Grippe“ wird verwendet, in Anlehnung an das Land, in dem die Grippe ausbrach.
 
Noch im April und Mai wurden neue Krankheitsfälle, zunächst aus den USA und Kanada gemeldet, später aus insgesamt 21 Ländern, darunter auch Deutschland. Umgehend stufte die Weltgesundheitsbehörde die Situation in die höchste Pandemiewarnstufe ein. Bis Januar 2010 gab es weltweit knapp 15 000 Todesfälle, verursacht durch die Neue Grippe. 
 

Gefahr gebannt?!

Weltweit reagierten die Gesundheitsbehörden schnell auf die sich ausbreitende Pandemie, so auch in Deutschland. Die Medien verbreiteten Hinweise zum hygienischen Verhalten. Dazu gehört zum Beispiel häufiges Händewaschen und Desinfizieren. In Windeseile wurde ein neuer Impfstoff speziell gegen die Neue Grippe entwickelt, der den Namen „Pandemrix“ erhielt. Er wurde seit Ende Oktober 2009 geimpft, vor allem an Risikogruppen wie chronisch Kranke. Die Behörden rechneten mit einem Ansturm auf die Impfung, doch dieser blieb aus. Ein Grund dafür waren unter anderem Berichte über starke Nebenwirkungen wie Kreislaufzusammenbrüche, die sogar zum Tod führen können. Schon in der nächsten Impfsaison wurde Pandemrix ersetzt: Die Pharmaindustrie hatte nun genug Zeit, den gegen H1N1 wirksamen Impfbestandteil in den jährlich neu gemischten saisonalen Grippeimpfstoff einzuarbeiten.
 
Insgesamt kam Deutschland im Verlauf der Grippewelle 2009 glimpflich davon. In den Hausarztpraxen stellten sich ungefähr so viele Grippe-Patienten vor wie während einer mittelschweren saisonalen Grippewelle üblich. Beginn und Höhepunkt der Ausbreitung der pandemischen Grippe 2009 fanden jedoch zu einem deutlich früheren Zeitpunkt im Jahr statt. Schwere und tödliche Erkrankungen waren zwar seltener als bei den meisten saisonalen Influenzawellen, betrafen dafür aber in besonderem Maße deutlich jüngere Altersgruppen.
 
Dem Robert Koch-Institut wurden zwischen Mai 2009 und April 2010 insgesamt 258 Todesfälle im Zusammenhang mit H1N1 übermittelt. Im August 2010 hob die WHO die Pandemiewarnung für die Neue Grippe wieder auf, da es keine vermehrten Ausbrüche mehr gab. 
 

Saisonale Grippe: Jedes Jahr ein bisschen anders

Angesichts der schlagzeilenträchtigen Berichterstattung in den Medien über die Vogelgrippe und die Neue Grippe gerät die jährliche Wintergrippe fast in den Hintergrund. Dabei sterben in Deutschland jedes Jahr rund 10 000 Menschen an ihr – weit mehr als an der Neuen Grippe. Das Tückische an der saisonalen Grippe ist, dass sie sich jedes Jahr leicht verändert. Dies bedeutet, dass jedes Jahr ein neuer Impfstoff hergestellt werden muss. Dafür werden die drei häufigsten Erreger erfasst und dann eine passende Mixtur erstellt. Seit 2010 enthält diese Mixtur auch einen Bestandteil gegen die Neue Grippe. Da die Veränderungen des saisonalen Grippe-Virus nur leicht sind, sind viele Menschen geschützt. Sie tragen bereits Antikörper in sich, weil sie in der Vergangenheit schon einmal einen ähnlichen Virus in sich trugen, gegen den sich ihr Immunsystem wappnen konnte. Daher verläuft die saisonale Grippe in der Regel milder als die durch ein völlig neues Virus hervorgerufenen Grippeformen. Anders als bei der Neuen Grippe sind bei der saisonalen Grippe besonders ältere Menschen ab 60 Jahren gefährdet. 
 

Krankheitsverlauf: Mehr als nur eine Erkältung

Die echte Grippe oder Influenza verursacht ähnliche Symptome wie ein grippaler Effekt (Erkältung). Allerdings fallen sie meist wesentlich heftiger aus. Zu den Symptomen gehören trockener Reizhusten und Schnupfen, Muskel-, Glieder- und Kopfschmerzen sowie plötzlich auftretendes hohes Fieber (über 38,5oC). Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Halsschmerzen können hinzu kommen. Häufig schwächt die Grippe den Körper so sehr, dass Sekundärinfektionen leichtes Spiel haben. Dazu gehören vor allem Lungenentzündungen. Schwere Krankheitsverläufe werden vorwiegend bei älteren Menschen beobachtet oder bei Menschen, die durch andere Erkrankungen geschwächt sind. Zur Risikogruppe gehören auch Schwangere, Kinder unter zwei Jahren sowie Übergewichtige und Krebspatienten. Es kann zum Versagen mehrerer Organe kommen und schließlich zum Tod.
 
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Auftreten der ersten Krankheitssymptome, beträgt normalerweise ein bis sieben Tage. Die Übertragung erfolgt über Tröpfchen, also vor allem beim Husten und Niesen. Aber auch durch Kontaktübertragung, also beim Händeschütteln, werden die Viren weitergegeben. Abhängig von der Luftfeuchtigkeit und der Raumtemperatur können die Viren mehrere Stunden in einem Raum überleben. 
 

Impfung ist der beste Schutz

Zur Bekämpfung der Grippe eignen sich keine Antibiotika, da diese nur gegen Bakterien vorgehen. Kommt es im Verlauf der Grippe jedoch zu Folgeerkrankungen wie bakteriellen Lungenentzündungen, finden Antibiotika sehr wohl Verwendung.
 
Patienten, die keiner Risikogruppe angehören und die nur einen leichten Krankheitsverlauf aufweisen, werden in der Regel mit Medikamenten behandelt, die die Symptome lindern sollen. Dazu gehören fiebersenkende Mittel, Halsschmerztabletten sowie Hustensaft.
 
Zur gezielten Bekämpfung der Grippeviren stehen aktuell zwei Medikamente zur Verfügung: „Tamiflu“ und „Relenza“. Beide sind so genannte Neuraminidase-Hemmer und blockieren die Neuraminidase der Grippeviren. Neuraminidasen sind Proteine auf den Hüllen der Viren. Sie veranlassen die von infizierten Zellen neu gebildeten Viren zum Befall weiterer Zellen. Die Neuraminidase-Hemmer sollen innerhalb der ersten 48 Stunden nach Beginn der Krankheit eingenommen werden. Sie können die Grippe zwar nicht heilen, reduzieren aber die Schwere und Dauer der Erkrankung und helfen so, tödliche Verläufe zu vermeiden. „Tamiflu“ kann von Risikopatienten auch vorsorglich eingenommen werden, um einen Ausbruch der Grippe zu verhindern.
 
Gegen Grippe kann man sich impfen lassen. Da die Viren sich jedes Jahr leicht verändern, wird jährlich ein neuer Impfstoff entwickelt, der den neuen Erregern angepasst wird. Empfohlen wird die Grippe-Impfung Menschen über 60 Jahren, Schwangeren, HIV-Infizierten, chronisch Kranken, Personen, die mit vielen Menschen in Kontakt treten und Personen, die Kontakt zu Geflügel haben. Gegen grippale Infekte schützt diese Impfung allerdings nicht.
 

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