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LEXIKON

türkische Kunst

In Ost-Turkestan gab es die Malerei manichäischer Türken aus dem 8.9. Jahrhundert in Chotcho (Turfan-Kunst) und buddhistischer Türken in Bezeklik (9.12. Jahrhundert). Schwerpunkt der Maltradition blieb das osttürkische Königreich der Uighuren. Nach der islamischen Eroberung West-Turkistans im 9. Jahrhundert beeinflusste die Steppenkunst türkischer Prätorianerbevölkerung die islamische Kunst der Kalifenresidenz Samarra. Der resultierende Schrägschnittstil des Baudekors verbreitete sich als „Reichsstil“ der Abbasiden in Irak, Ägypten, Turkistan. Im 11.12. Jahrhundert entfaltete sich unter türkischen Herrschern in Afghanistan (Ghasna) und Iran (Ray) die seldschukische Kunst (islamische Kunst) mit reichem Kunstgewerbe. Neue Bautypen waren die religiöse Hochschule (Medrese) und das Mausoleum (Türbe, Grabturm). In Bagdad entwickelte sich nach 1200 eine Schule der Buchkunst und Miniaturmalerei. Nach 1171 erlangte die seldschukische Baukunst im Reich von Rum (Kleinasien) eine Blüte. Die Hauptstadt Konya verfügte über einen Palast, Moscheen, Medresen, Klöster (Tekke) mit reicher Bauausstattung in reliefiertem Stein, Stuck, Holz und verschiedenen Fayencedekors. Bedeutende Karawanserei-Anlagen entstanden entlang der Überlandstraßen. Einzigartige Zeugnisse großformatiger Knüpfteppiche sind erhalten (Istanbul, Museum für türkische und islamische Altertümer). Seit Aufstieg des Osmanenreichs zur Großmacht bildete sich ein eigener Stil innerhalb der islamischen Kunst heraus. Die Baukunst vollendet den Typ der Kuppelmoschee, deren frühere Beispiele in Bursa und Edirne liegen. Höhepunkte der Moscheearchitektur schuf Sinan in Istanbul und Edirne. Bedeutende Leistungen brachte die osmanische Kunst auf dem Gebiet der Keramik, besonders der Baukeramik (bemalte Fliesen) hervor. Die Hauptmanufakturen befanden sich in Iznik. Das wichtigste Zentrum der gleichfalls hervorragenden Seiden- und Samtweberei war Bursa, während die Teppichkunst ihre besten Fertigungsstätten in Istanbul, Uschak und Bergama besaß. Schriftkunst und Malerei orientierten sich vorwiegend an der persischen Kunst. Ausländische Architekten waren seit Anfang des 20. Jahrhunderts am Aufbau der Großstädte beteiligt. In der neuen Hauptstadt Ankara entstanden Schul- und Regierungsgebäude im Stil der Moderne und nach den Vorbildern des Neuen Bauens. Federführend waren österreichische Architekten, später der Deutsche Bruno Taut, der eine Synthese aus Moderne und Tradition schuf. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgte die türkische Architektur besonders in ländlichen Gegenden den traditionellen Bauweisen, während sich die Städte zunehmend an internationalen Strömungen orientierten. Seit den Reformen Kemal Atatürks richtete sich die türkische Kunst im Wesentlichen nach den Strömungen in Westeuropa. Bedeutendste Vertreter der jüngeren türkischen Künstlergeneration sind die im Exil lebenden Hanefi Yeter (Maler), Abidin Dino (Grafiker; vor allem Buchillustrationen zu Werken von Nazim Hikmet) und Mehmet Aksoy (Bildhauer), die, auf der orientalischen Bildtradition und modernen Einflüssen aufbauend, eine stark sozial engagierte Kunst pflegen. Daneben gibt es zeitgenössische Strömungen auch im Bereich der Medienkunst.
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