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Neue Hilfe für Stotternde:

Wer stottert, hat es schwer. Denn das ständige Hängenbleiben und Verhaken der Sprache löst bei anderen oft Ungeduld oder gar Spott aus. Gegen das Stottern gibt es jedoch keine schnelle Patentlösung, es hilft nur eine längere, gezielte Therapie. Um Betroffenen dies zu erleichtern, hat die Techniker Krankenkasse gemeinsam mit Medizinern nun erstmals eine Online-Therapie für Stotterer entwickelt.
NPO/TK

Stottern ist nicht heilbar, kann aber mit Hilfe einer Therapie meist gut überwunden werden
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Bruce Willis kennt ihn, Julia Roberts und auch Rowan Atkinson alias "Mr. Bean": den inneren Kampf gegen den Buchstaben, der das Sprechen blockiert. Denn sie alle stotterten. Fünf von hundert Kindern sind davon betroffen, meist bis zur Pubertät. Aber auch einer von hundert Erwachsenen stottert. Warum manche Menschen stottern und wie diese Sprechstörung entsteht, ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich aber spielen sowohl neurologische als auch genetische Einflüsse eine Rolle. Außerdem können Stress und belastende Erfahrungen dazu beitragen, Stottern auszulösen oder zu verschlimmern.

Mischung aus Verhaltenstherapie und Sprechtraining

Die Sprachstörung gilt als nicht heilbar – ganz los werden die wenigsten Stotterer ihr Problem. Aber es gibt Möglichkeiten, das Steckenbleiben und Verhaken der Sprache zu mildern und die Situationen zu verringern, in denen es auftritt. So hilft Verhaltenstherapie, den Umgang mit dem Stottern zu entkrampfen und Stress abzumildern, Gesang- und Atemtraining sollen helfen, die Sprechweise so zu verändern, dass Stottern vermieden wird.

Als besonders wirksam, selbst bei schwer stotternden Menschen, hat sich die sogenannte Kasseler Stottertherapie erwiesen. Sie basiert auf der verhaltenstherapeutischen „Fluency Shaping“-Methode.
Mit Fluency Shaping wird systematisch eine weiche, gebundene Sprechweise erlernt, die bei regelmäßigem Üben ein hohes Maß an Sprechkontrolle ermöglicht. Verschiedene Sprechaufgaben mit leichten und schweren Sprechanforderungen bereiten die Teilnehmer auf unterschiedlichste Alltagssituationen vor. Ziel ist es, in einer Kombination aus Einzel- und Gruppensitzungen, das eigene Sprechen zu kontrollieren und so im Alltag dauerhaft flüssiger zu kommunizieren.

Therapie im eigenen Wohnzimmer

Für Betroffenen gibt es erstmals die Möglichkeit, an einer solchen Therapie auch online teilzunehmen. Das Programm hat die Techniker Krankenkasse (TK) gemeinsam mit dem Institut der Kasseler Stottertherapie entwickelt.  "Die Teletherapie wendet sich an Stotternde ab 13 Jahren im gesamten Bundesgebiet - teilnehmen können sie bequem von zuhause aus", sagt Mandy Kettlitz, die das Projekt bei der TK betreut. Vor dem Start der Onlinetherapie müssen sie sich nur einmal persönlich beim Institut der Kasseler Stottertherapie vorstellen, um zu überprüfen, ob das Programm für sie geeignet ist. Die nächsten Termine sind der 30. Juli und der 20. August 2014.

Die Mühe lohnt sich: "Nach unserer Therapie können die meisten Teilnehmer flüssig sprechen", sagt Alexander Wolff von Gudenberg vom Institut der Kasseler Stottertherapie. "Betroffene, die zuvor in vielen Situationen kaum ein Wort stotterfrei über die Lippen brachten, halten Vorträge, führen erfolgreich Verkaufsgespräche oder sprechen problemlos fremde Menschen an." Er ist selbst betroffen und hat einen wahren Therapiemarathon hinter sich. Auf Basis dieser persönlichen Erfahrungen hat der Facharzt für Allgemeinmedizin, Stimm- und Sprachstörungen das Konzept entwickelt.

Informationen zur Online-Therapie gegen Stottern

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