Lexikon
Wilhelm I.
Im Mittelfenster stand ein Feldaltar, vor dem der König, von allen Fürsten im Halbkreis umgeben, sich aufstellte und Prediger Rogge aus Potsdam die verkürzte Liturgie verlesen und ein einfaches Gebet sprechen sollte. Da das Kommando 〉Helm ab zum Gebet〈 für die Mannschaften vergessen worden war, musste ich es selber laut geben, worauf der aus Militärmusikern der hiesigen Regimenter gebildete Liturgiesängerchor nebst der Militärmusik den Choral 〉Sei Lob und Ehr'〈 in diesen gewaltigen Räumen mächtig ertönen ließ. Das 〉einfach Gebet〈 bestand aber in einer Strafrede auf Ludwig XIV. sowie in einer ziemlich taktlosen, langen, historisch-religiösen Abhandlung über die Bedeutung des 18. Januar für Preußen. Der Schluss, welcher auf die deutsche Frage und deren Lösung durch das heutige Ereignis anspielte, sprach des warmen, sachgemäßen Inhalts wegen wieder an.
Ich ließ meine Blicke während dieses Teil der Feier über die Versammlung und an die Decke schweifen, wo Ludwigs XIV. Selbstverherrlichungen, ... namentlich die Spaltung Deutschlands zum Gegenstand habend, und fragte mich mehr als einmal, ob es denn wirklich wahr sei, dass wir uns in Versailles befänden, um hier die Wiederherstellung des deutschen Kaisertums zu erleben - so traumartig wollte mir das Ganze erscheinen ...
Nachdem Seine Majestät eine kurze Ansprache an die deutschen Souveräne laut und in der wohl bekannten Weise verlesen hatte, trat Graf Bismarck, der ganz grimmig verstimmt aussah, vor und verlas in tonloser, ja geschäftlicher Art und ohne jegliche Spur von Wärme oder feierlicher Stimmung die Ansprache 〉An das deutsche Volk〈.Bei den Worten 〉Mehrer des Reiches〈 bemerkte ich eine zuckende Bewegung in der ganzen Versammlung, die sonst lautlos blieb."
"Dieser Krieg bedeutet die deutsche Revolution, ein größeres politisches Ereignis als die französische des vergangenen Jahrhunderts ...
Nicht ein einziger der Grundsätze der Handhabung unserer auswärtigen Angelegenheiten, welche noch vor einem halben Jahr von allen Politikern als selbstverständliche Richtlinien anerkannt wurden, steht noch heute in Geltung.
Es gibt keine überkommene Auffassung der Diplomatie, welche nicht fortgeschwemmt wäre. Wir stehen vor einer neuen Welt, neue Einflüsse sind am Werk; ... das Gleichgewicht der Macht ist völlig zerstört; und das Land, welches am meisten darunter leidet und welches die Wirkungen dieses großen Wechsels am meisten zu spüren bekommt, ist England."
Gewaltige Flut riss Krater in Grönlands Eisschild
Durch die globale Erwärmung taut der grönländische Eisschild. Das Schmelzwasser fließt dabei üblicherweise ins Meer. Mitunter kann es allerdings auch zerstörerische Kraft entfalten, wie nun eine Studie enthüllt. Satellitendaten zeigen, dass im Jahr 2014 ein unter der Eisschicht gelegener Schmelzwassersee mit solcher Wucht nach...
Sanfter Strom
Mit nichtinvasiven Hirnstimulationen lassen sich Patienten nach einem Schlaganfall Erfolg versprechend behandeln. Auch bei Depressionen kann das Verfahren zum Einsatz kommen. von CHRISTIAN JUNG Ein Schlaganfall verursacht viel Durcheinander im Gehirn. Ausgelöst durch einen schlagartig auftretenden Mangel an Sauerstoff, kommt es...