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Organisierte Kriminalität: Die Mafia ist mitten unter uns

Die italienische Mafia agiert nicht nur in Italien - sondern auch bei uns. Verbrecherische Vereinigungen wie die berüchtigte 'Ndrangheta aus Kalabrien breiten sich bereits seit Jahrzehnten immer mehr in Deutschland aus. Mitten in der Bundesrepublik handeln sie im Verborgenen mit Drogen, waschen Geld und haben ihre Finger auch im Geschäft mit Lebensmitteln im Spiel.

Mann mit 500-Euro-Geldscheinbündel
Deutschland ist für die italienische Mafia bislang vor allem ein Geldwäsche-Paradies.

Die Mafia treibt in der naiven Vorstellung des deutschen Bundesbürgers ihr Unwesen weit weg in Italien - oder vielleicht auch in Amerika. Dort spielen schließlich Filme wie "Der Pate", die uns die Welt des organisierten Verbrechens in schönster Hollywoodmanier präsentieren. Doch in Wahrheit ist die Mafia mitten unter uns.

Das hat erst kürzlich wieder eine Großrazzia in Deutschland und Italien gezeigt, bei der italienische Carabinieri gemeinsam mit deutschen Sicherheitskräften Anfang Januar insgesamt mehr als 160 mutmaßliche Kriminelle festnahmen. Die Aktion richtete sich gegen den sogenannten Farao-Clan der 'Ndrangheta - die derzeit mächtigste Mafiaorganisation Europas.

Von Italien bis ins Ausland

Die Wurzeln dieser stark durch Blutsverwandtschaft geprägten Vereinigung liegen in der süditalienischen Region Kalabrien und reichen bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück. In ihren Anfangszeiten verdienten sich die Mafiosi vornehmlich mit Entführungen und Erpressungen ihr Geld.

Doch ab den 1960er Jahren weiteten sie ihren Einfluss nach Norditalien und schließlich auch ins Ausland aus. Zu Entführungen und Erpressungen gesellten sich allmählich weitere "Geschäftsmodelle" hinzu: Drogenhandel, Prostitution, Geldwäsche, Verschiebung von Giftmüll und Verwicklungen mit der Politik - dabei schreckten die Mitglieder der 'Ndrangheta auch vor Morden nicht zurück.

Aus Rückzugsort wird Machtzentrum

Deutschland war lange Zeit nur ein Rückzugsort für Mafiosi, die sich Festnahmen oder Familienfehden in der Heimat entziehen wollten. Doch nach und nach begannen 'Ndrangheta-Gruppierungen wie der Farao-Clan, auch ihre dubiosen Geschäfte hierzulande abzuwickeln. Zunächst in Sachen Drogen: Bereits in den 80er Jahren schmuggelten Mitglieder Heroin und Kokain in die Bundesrepublik.

Später wurde auch die Geldwäsche mehr und mehr zu uns verlagert: Man investierte in Immobilien, Eisdielen und italienische Restaurants, um Gewinne aus illegalen Machenschaften zu verschleiern. Aktuell rechnen Ermittler laut Informationen des Recherchezentrums "Correctiv" etwa fünfzehn Eisdielen und Restaurants in Deutschland allein dem Farao-Clan zu - wie viele Lokale die Mafiosi hierzulande wirklich besitzen, liegt im Dunkeln.

Pizza
Restaurants spielen für die Geschäfte der deutschen Mafia-Filialen eine wichtige Rolle.

Dubioses Geschäft mit Lebensmitteln

Die Lebensmittelbranche dient den Kriminellen jedoch nicht nur zur Tarnung von Kokainschmuggel und Co. Sie kontrollieren in Deutschland auch den Handel von Produkten aus ihrer kalabrischen Heimat und zwingen anderen italienischen Restaurants Wein, Zitrusfrüchte, Olivenöl und Zutaten für Pizza auf, wie die aktuellen Ermittlungen gezeigt haben.

Um eigene Produkte an den Mann zu bringen, bedient sich der Farao-Clan einer perfiden Methode: Er liefert Lebensmittel aus der süditalienischen Region an Gastronomen - ohne, dass diese die Produkte bestellt hätten. Anschließend statten die Mafia-Mitglieder den betroffenen Restaurants einen unschönen Besuch ab und erpressen die Bezahlung der Waren.

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DAL, 19.01.2018
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