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Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1996

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Die Rechtschreibreform! Sie ist wohl die zäheste Reform überhaupt. 1996 scheint sie beschlossene Sache. Aber es dauert nicht lang, da wird die Reform reformiert, dann wieder die Reform der Reform und die Reform der Reform der Reform. Und irgendwann, so glauben das Schüler, Lehrer, Schriftsteller, Journalisten und Professoren, schreibt jeder, wie er möchte, weil niemand mehr weiß, wie es denn nun wirklich richtig ist. Delfin mit „f“ und Stängel mit „ä“ ist ja noch ok, aber Radfahren – zusammen oder getrennt? Im Oktober setzen über 300 Autoren, darunter Günter Grass und Ilse Aichinger, sowie Journalisten und Germanisten die „Frankfurter Erklärung“ auf. Darin fordern sie die Politik auf, die Reform zurückzunehmen. Die Autoren der Frankfurter Allgemeine schreiben fleißig nach der alten Rechtschreibung weiter.
Dummerweise ist die Reform Ländersache. So kommt es, dass die Gerichte in jedem Bundesland anders entscheiden. Erst 1998 befindet das Bundesverfassungsgericht, die Reform sei rechtmäßig. Aber damit ist das Thema längst nicht vom Tisch. Ein paar Jahre später wird ein "Rat für Rechtschreibung“ gegründet, und die Politiker grübeln noch im folgenden Jahrzehnt über Buchstaben und Kommata.

 

Was sonst geschieht: Die deutschen Sportler sammeln Lorbeeren: Die Deutschen gewinnen im Londoner Wembley Stadion die Fußball-Europameisterschaft gegen Tschechien. Bjarne Riis vom Team Deutsche Telekom gewinnt die Tour de France. Nach seinem Dopingbekenntnis 2007 wird er allerdings von der Siegerliste gestrichen.
 

Außerdem: Anatom Gunther von Hagens löst mit seiner Wanderausstellung „Körperwelten“ eine Welle der Empörung aus, sind es doch Leichen, die er präpariert und zur Schau stellt: chinesische Hinrichtungsopfer zum Beispiel.

 

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