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Steuerberater - Vor- und Nachteile im Überblick

Rückt der 31. Mai eines Jahres näher, sinkt das Gemüt etlicher Bürger. Der Fristablauf für die Abgabe der jährlichen Einkommenssteuererklärung ist in greifbarer Nähe und somit stehen das Suchen von Unterlagen und der Kampf mit den Formularen an. Es kann vieles behauptet werden, nicht aber, dass Deutschland bezüglich der Steuer Bürokratie vermissen lässt. Die Regelungen sind eher unübersichtlich, die Formulare ändern sich von Jahr zu Jahr und selbst hilfreiche Steuerprogramme klären nicht alle Fragen. Da kommt die Hilfe eines Steuerberaters sehr gelegen. Aber wer benötigt eigentlich einen Steuerberater und gibt es Vorteile, wenn dessen Hilfe in Anspruch genommen wird? Dieser Artikel klärt auf.

Steuerformular
Das deutsche Steuerrecht gilt als kompliziert - ist ein Steuerberater deshalb die bessere Wahl?
Die Vorteile eines Steuerberaters

Wer sich für einen Steuerberater entscheidet, darf in der Tat Vorteile erwarten. Die Hilfestellung konzentriert sich nicht allein darauf, die jährliche Steuererklärung anzufertigen, sondern bietet noch weitere Vorzüge:

  • Ersparnis - ein Steuerberater kennt das Steuergesetz. Mit seiner Hilfe ist es auf legalem Weg möglich, weitere Einsparungen ausfindig und anzuerkennende Abzüge geltend zu machen.
  • Entlastung - gerade bei umfangreichen Steuererklärungen stellt ein Steuerberater eine große Arbeitsentlastung dar.
  • Fristverlängerung - ist ein Steuerberater mit im Spiel, kann eine Fristverlängerung für die Abgabe der Steuererklärung beantragt werden. Die Erklärung muss nun erst Ende des Jahres erfolgen. Bürger, die eine Steuervorauszahlung leisten müssen, profitieren von der späten Abgabe extrem, da die Vorauszahlung für das nächste Jahr nun vollständig auf vier Zahlungen aufgeteilt wird.
  • Beratung - bei den meisten Bürgern verbergen sich im Alltag Steuereinsparungen. Ein guter Steuerberater berät ausführlich und erklärt, welche Ausgaben durchaus gegenüber dem Finanzamt geltend gemacht werden können. Gleichfalls klärt er bei einer Zusammenveranlagung auf, ob nicht der Wechsel der Steuerklassen sinnvoll ist.

Die beratende Leistung des Steuerberaters ist ein nicht zu unterschätzender Faktor. Insbesondere Eheleute sollten sich an einen Fachmann wenden, wenn sie die Steuerklassen ändern möchten. Unter Umständen wird aus der zuerst erwarteten Ersparnis nämlich ein böses Erwachen, da zwar die monatlichen Abgaben sinken, aufs Jahr gerechnet aber eine Nachzahlung fällig wird.

Die Nachteile eines Steuerberaters

Ob die Beauftragung eines Steuerberaters sinnvoll ist, hängt oft auch von den erwarteten Nachteilen ab. Das größte Argument, welches gegen die Beauftragung spricht, sind natürlich die Kosten. Steuerberater berechnen die Gebühren anhand der Gebührenverordnung. Wie hoch die Kosten tatsächlich ausfallen, hängt teils vom Aufwand, teils von der Höhe der zu versteuernden Einnahmen ab. Steuererklärungen mit einem sehr niedrigen Betrag und geringem Umfang können pauschal abgerechnet werden. Einige Steuerberater nutzen für diese Erklärungen durchaus die Beratungspauschale.

Wichtig: Die Kosten für einen Steuerberater sind im Privatbereich nicht absetzbar. Nur Selbständige können den Teil der Kosten, der auf betriebliche Steuern entfällt, beim Finanzamt geltend machen.

Wer braucht unbedingt einen Steuerberater?

Grundsätzlich ist es für nahezu jeden möglich, die Steuererklärung selbstständig zu erledigen und auf den Steuerberater zu verzichten. Singles in gewöhnlichen Arbeitsverhältnissen, Familien ohne besondere Ausgaben und auch Rentner haben hier ein leichteres Spiel. Wer sich unsicher ist, sich aber die Ausgaben des Steuerberaters nicht leisten kann, kann sich an den Lohnsteuerhilfeverein wenden. Die Niederlassungen befinden sich in nahezu jeder größeren Stadt. Der Verein berät Bürger und fertigt gegen eine geringe Gebühr die Steuererklärung an. Allerdings schließt das Angebot Selbstständige und Unternehmer aus.

Es gibt jedoch Personengruppen, die nach Möglichkeit nicht auf einen Steuerberater verzichten sollten:

  • Selbstständige mit hohen Einnahmen - hohe Einnahmen und Umsätze bedeuten nicht nur einen erhöhten Aufwand bei der Anfertigung der Steuererklärung, es können auch schnell Fehler geschehen. Zudem ist der Aufwand so hoch, dass die Anfertigung der Steuererklärung extrem viel Zeit in Anspruch nimmt.
  • Unternehmer mit Angestellten - wer nicht nur ein Unternehmen hat, sondern Angestellte beschäftigt, kommt an einem Steuerberater häufig nicht vorbei. Er übernimmt nun nicht nur die Steuererklärung, sondern erstellt gleichfalls Lohnabrechnungen und sorgt dafür, dass die Sozialabgaben rechtzeitig angemeldet und abgeführt werden.
  • Unternehmer mit doppelter Buchführung/Bilanzpflicht - sobald ein Selbstständiger eine gewisse Umsatzsumme übersteigt, genügt eine reine Einnahme-Überschuss-Rechnung nicht mehr aus. Nun kommt die doppelte Buchführung ins Spiel. Viele Betriebe unterliegen zudem der Bilanzierungspflicht, eine Aufgabe, die nur von einem Steuerberater übernommen werden kann.
  • Bürger im Angestelltenverhältnis mit selbstständiger Nebentätigkeit - eine kleine Selbstständigkeit kann neben der Beschäftigung als Angestellter problemlos eigenständig in der Steuererklärung angegeben werden. Sobald die Einnahmen aus der Selbstständigkeit jedoch höher werden und die Grenze der Kleinunternehmerregelung sprengen, sollte zumindest kurzzeitig ein Steuerberater genutzt werden. Dieser erklärt nun nicht nur, worauf es bei der Steuererklärung ankommt, sondern berät auch hinsichtlich der nun abzuführenden Umsatzsteuer.
  • Familien, deren Einnahmen aus einem Angestelltenverhältnis und einer Selbstständigkeit stammen - die Einnahmen von Eheleuten werden in der Regel zusammenveranlagt. Stammen die Einkünfte jedoch aus einem Angestelltenverhältnis und einer Selbstständigkeit, ist es sinnvoll, sich beraten zu lassen. Eventuell ist es steuerrechtlich sinnvoller, die Selbstständigkeit mit einer eigenständigen Steuererklärung abzurechnen.

In vielen Fällen geht die tatsächliche Arbeit des Steuerberaters weit über die Anfertigung einer Steuererklärung hinaus. Die beratende Leistung sollte niemals unterschätzt werden. Wer den Aufwand, einen guten Berater zu suchen, scheut oder eigenständig die Erklärung anfertigen möchte, kann hingegen auf spezielle Steuerprogramme zurückgreifen. Selbst der Staat stellt mit der Elster-Software ein Computerprogramm zur Verfügung. Es kann wahlweise installiert und offline genutzt werden; alternativ bietet es sich an, sich für das Elster-Portal zu registrieren und die Steuererklärung direkt online zu machen. Da die Abgabe der Steuererklärung ohnehin elektronisch erfolgen muss, ist diese Lösung für viele Privatpersonen extrem praktisch.

Steuersoftware von anderen Anbietern arbeitet mit den Schnittstellen der Finanzämter. Damit die Steuererklärung - über Elster oder externe Programme - jedoch elektronisch eingereicht werden kann, ist ein Zugangsschlüssel erforderlich, der zuvor bei der Finanzbehörde beantragt werden muss.

Geldscheine
: Durch eine geschickte Steuererklärung lässt sich mitunter Geld sparen.
Fazit - zumindest einmal sollte ein Steuerberater genutzt werden

Sicherlich ist es nicht für jeden Bürger sinnvoll, einen Steuerberater zu beauftragen. Sind die Einnahmen überschaubar oder liegen kaum absetzbare Ausgaben vor, lohnt sich die Beauftragung tatsächlich nicht. Allerdings empfiehlt es sich, zumindest einmal eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Diese kann durchaus nur daraus bestehen, sich die Steuerformulare, Hürden und Tricks erklären zu lassen. Mit diesem Wissen bewaffnet, ist die Steuererklärung im Folgejahr ein Kinderspiel.

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