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Die verheerendsten Vulkan-Ausbrüche

 

Zeitbombe Vulkan

Durch moderne Vulkanüberwachung konnten in einigen Fällen die schlimmsten Folgen abgewendet werden.

→ Vulkanausbrüche hatten in den letzten Jahrzehnten mehr oder weniger verheerende Auswirkungen. Durch langfristige Beobachtung, Frühwarnung und Evakuierungsmaßnahmen konnten in einigen Fällen die schlimmsten Folgen abgewendet werden. So etwa beim Ausbruch des Mount St. Helens in den USA oder des Pinatubo auf den Philippinen. Unzureichende Vorsorgemaßnahmen hingegen kosteten 1985 beim Ausbruch des Nevado del Ruiz in Kolumbien 26 000 Menschenleben.

Pompeji 79 n. Chr.:

Die Katastrophe von Pompeji

Der katastrophale Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. führte zur Zerstörung der römischen Stadt Pompeji.

Pompeji liegt auf einer langgezogenen Anhöhe, einem erstarrten → Lavastrom des Vesuvs. Diese Lage hatte über lange Zeit einen günstigen Siedlungsraum oberhalb der sumpfigen Ebene geboten. Und so wurde Pompeji zu einer blühenden römischen Stadt mit fast 10 000 Einwohnern. Doch 79 n. Chr. ging sie unter. Der Vesuv bedeckte die Stadt und ihre Menschen mit einem Regen aus Bims und glühender → Asche. Einigen von ihnen kann man heute noch begegnen.

Der römische Politiker und Schriftsteller Plinius der Jüngere beschrieb die Geschehnisse in einem Brief an den römischen Historiker Cornelius Tacitus. Durch den Ausbruch des Vesuvs wurde die Stadt in eine dunkle Wolke gehüllt. Ein Regen aus 1-2 cm großen Bimsstücken fiel auf die Stadt nieder, und aus ihnen löste sich ein immer stärker werdender Nebel aus erstickenden Schwefelgasen. Menschen fielen zu Boden und wurden rasch von einer Schicht aus Bims und Asche bedeckt. Die meisten Menschen hatten zwar den Bimssteinniederschlag überlebt, wurden aber mehrere Stunden später von → pyroklastischen Strömen überwältigt. Ihre Leichen hinterließen Löcher in den vulkanischen Ablagerungen, die bei den Ausgrabungen mit Gips ausgegossen wurden. So wurden zusammengekrümmte Menschen wie versteinert sichtbar, die dem Besucher der Ausgrabungen heute ein dramatisches Bild vom katastrophalen Geschehen vor fast 2000 Jahren liefern.

Krakatau 1883:

Vulkan-Katastrophe Krakatau

Die Eruption des Krakatau war noch gewaltiger als die des abgebildeten Mount St. Helens.

Die → Eruption des Krakatau in der Sundastraße zwischen Sumatra und Java am 26. und 27. August 1883 hatte weitreichende Auswirkungen. Explosionen beim Höhepunkt der Eruption konnte man noch auf Rodriguez Island 4811 km entfernt hören. Im südaustralischen Elsey Creek, 3224 km entfernt, waren die Explosionen nach Zeitzeugenberichten noch laut genug, um Schlafende aufzuwecken. Auf der ganzen Welt konnten die Explosionen, bzw. deren Niedrig-Frequenz Luftdruckwellen, mit Hilfe von Barometern nachgewiesen werden. Die Eruptionssäulen - zum Teil waren drei Schlote an verschiedenen Orten der Insel aktiv - erreichten Höhen von 80 km. Dabei fielen in 40 km Entfernung noch kürbisgroße → Bomben und → vulkanische Aschen landeten noch auf den 1850 km entfernten Cocos Inseln. Noch wesentlich katastrophaler als der Ausbruch an sich waren die Folgen der durch die Explosionen ausgelösten Flutwellen, der so genannten → Tsunamis, die 36 000 Todesopfer forderten. Heute hat sich ein neuer Vulkankegel aufgebaut: Anak Krakatau, der Sohn des Krakatau. Er wird aufmerksam beobachtet.

Mt. Pélée 1902:

Ablagerungen eines pyroklastischen Stromes

1902 tötete am Mt. Pélée eine Glutwolke dieser Art etwa 29.000 Menschen.

Die Insel Martinique, auf welcher der Mt. Pelée liegt, ist Teil der Kleinen Antillen, die sich in einem Bogen von den Jungferninseln bis fast zur Küste Südamerikas ziehen und allesamt rein vulkanischen Ursprungs sind. Zwei Jahrhunderte lang hatte außer ein wenig → Ascheregen keine ernsthafte Eruption stattgefunden. Obwohl es im Mai 1902 genügend Anzeichen für eine Eruption gab, wurde die Stadt nicht evakuiert. Am Morgen des 8. Mai, um 7.52 Uhr erreichte eine tödliche Glutwolke, ein pyroklastischer Strom, die Stadt und löschte das Leben fast der gesamten Einwohnerschaft von 29 000 Menschen aus. Nur zwei überlebten das Unglück. Die Menschen starben an Verbrennungen und erstickten an den Gasen. Diese Eruption hatte eine gute Seite. Sie gilt als die Geburtsstunde der → Vulkanologie als eigenständige Wissenschaft. Die Haupteruption und die nachfolgend aufgetretenen Eruptionen wurden gründlich untersucht. Die US-amerikanische Regierung schickte nicht nur Hilfsgüter, sondern auch Wissenschaftler sofort auf den Weg.

Mount St. Helens 1980:

Ruhe vor dem Sturm

Der Mount St. Helens vor dem Ausbruch im Jahr 1980.

Der Mount St. Helens liegt im Staat Washington und gehört zu den großen → Vulkanen des Kaskadengebirges, das sich als Teil des “Pazifischen Feuergürtels“ von Kanada bis nach Kalifornien zieht. Bereits im Jahr 1978 hatten Geologen des US Geological Survey (USGS) einen bevorstehenden Ausbruch vorausgesagt. Ende März 1980 wurden unzählige Erdbeben registriert und eine Eruption schleuderte eine Aschenwolke 2100 m hoch in den Himmel.

Eruptionssäule des Mount St. Helens 1980

Eine Aschenwolke schoss bis zu 27 km hoch in den Himmel. Die freigesetzte Energie entsprach etwa 25 Millionen Tonnen TNT, oder der 1300-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe.

Im Gletschereis des Vulkans zeigten sich erste Risse. Infolge der ständigen Vibrationen des Berges, vulkanischer Tremor genannt, rauschten immer wieder → Lawinen zu Tal. Die Erschütterungen ließen eine Bewegung von → Magma unter dem Mount St. Helens erkennen. Nach 123 Jahren kündigte sich offensichtlich ein neuer großer Ausbruch an. Im April beobachtete man im oberen Bereich der Nordostflanke des 2950 m hohen Berges eine merkwürdige Aufwölbung. Obwohl sich die Aufwölbung bereits 100 m nach oben ausgedehnt hatte, nahm sie jeden Tag um weitere eineinhalb Meter zu. Vorsichtshalber wurde am 30. April 1980 die Schließung der Zone des beliebten Gifford Pinchot National Forest um den Berg herum verfügt. Am 18. Mai 1980 erwachte der Vulkan endgültig aus seinem Schlaf. Durch ein heftiges Beben der Stärke 5,1 auf der → Richterskala wurde offenbar ein gigantischer → Bergsturz ausgelöst. Der ganze Berg brach an seiner Nordostflanke weg. Schutt- und Eismassen stürzten die Vulkanflanke hinab. Dadurch wurde der Schlot freigelegt, sodass Gase und Wasserdampf in einer seitlich erfolgenden Explosion schlagartig entweichen konnten. Eine Aschenwolke schoss bis zu 27 km hoch in den Himmel. Die freigesetzte Energie der → plinianischen Eruption entsprach etwa 25 Millionen Tonnen TNT oder der 1300-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Atombombe.

Der Mount St. Helens nach dem Ausbruch 1980

Ein pyroklastischer Strom mit Temperaturen von 200-500° C war den Berg hinabgerast und hatte den Wald auf einer Breite von 20 km zerstört.

Ein pyroklastischer Strom mit Temperaturen von 200-500 °C raste mit ungeheurer Geschwindigkeit den Berg hinab. Im dichtbewaldeten Gebiet wurden dadurch auf 20 km Breite alle Bäume entwurzelt oder umgeknickt. Schmelzwasser aus Schnee und Gletschereis setzte zusammen mit Grundwasseraustritten, heftigen Gewitterregen und Wassermassen aus dem 8 km entfernten Spirit-Lake einen Schlammstrom in Bewegung, der sich in das Tal des Toutle River ergoss.

Der Krater nach der Eruption

Die gesamte Gipfelregion des Berges wurde weggesprengt. Die Höhe des Berges reduzierte sich auf rund 2500 m.

In über 400 km Entfernung vom Mount St. Helens wurde es am Tage finster. Die gesamte Gipfelregion des Berges wurde weggesprengt, wodurch sich nach Nordosten ein 2 km breites Amphitheater öffnete. Die Höhe des Berges reduzierte sich auf rund 2500 m. 62 Menschen fanden bei dem Ausbruch den Tod. Dass es nicht mehr waren, ist den weiträumigen Absperrungen in der Region zu verdanken, die auch den Katastrophentourismus fernhielten. Nach 14 Jahren eröffnete am Rand des noch dampfenden Kraters ein Besucherzentrum mit Ausstellungen zu den Ereignissen. Auf einem Rundweg kann der Besucher miterleben, wie 600 km2 “Mondlandschaft“ zu neuem Leben erwachen. Denn schon wenige Wochen nach dem Inferno entdeckte man in dieser Wüste blühendes Feuerkraut. Für Wissenschaft, Tourismus und Medien war der Ausbruch des Mount St. Helens ein Glücksfall, für die Natur ein Zwischenfall.

Nevado del Ruiz 1985:

Die Stadt Armero nach dem Ausbruch des Nevado del Ruiz

Zweieinhalb Stunden nach der Eruption überrollte ein Schlammstrom die Stadt Armero - 20.000 Menschen kamen ums Leben.

Der in der Zentralkordillere Kolumbiens gelegene Nevado del Ruiz ruhte über 100 Jahre. Nur wenige Menschen in der Region erinnerten sich an Erzählungen von einer Eruption des 5390 m hohen Vulkans im Jahr 1845. Damals ergoss sich ein Strom aus Schlamm und heißer Vulkanasche, ein so genannter → Lahar, zu Tal. 1984 begann der Berg wieder zu rauchen. Geologen des Nationalinstituts für Geologie und Bergbauforschung warnten vor einem neuen Ausbruch.

Die Wissenschaftler machten die Behörden darauf aufmerksam, dass die Stadt Armero auf den Ablagerungen eines Schlammstromes errichtet worden war, der das Gebiet im Jahr 1845 heimgesucht hatte, und dass die kleinen Eruptionen des Ruiz die Vorboten einer neuen Bedrohung sein können. Doch erst im Sommer 1985 wurde den zuständigen Behörden klar, dass eine große Eruption unmittelbar bevorstand. Man gab rasch eine Karte der gefährdeten Gebiete in Auftrag. Die Karte wurde am 12. November 1985 vorgelegt. Es war deutlich, dass die Stadt Armero in der Gefahrenzone lag. Eine späte Erkenntnis, denn am 13. November trat die Katastrophe ein: Der Ausbruch begann mit einer über 15 km hohen Eruptionswolke. Nach zwei heftigen Ausbrüchen im Abstand von 90 Minuten schmolz ein Teil der Eiskappe des Berges, die zuvor eine Fläche von 20 km2 mit rund 200 m Mächtigkeit bedeckte. Das Schmelzwasser mischte sich mit der Asche des Vulkans und schoss als Lahar mit etwa 150 km/h pro Stunde die Hänge hinab. Dann vereinigten sich die Massen des Lahars mit den Fluten der hochwasserführenden Flüsse und überrollten die 45 km östlich des Vulkans gelegene Stadt Armero im Tal des Rio Magdalena. Die Stadt wurde völlig zerstört und 20 000 Menschen kamen ums Leben. Auch 14 weitere Ortschaften waren betroffen, in denen 6000 Menschen starben. Nach der Katastrophe gab es große Versorgungsprobleme. Hilfslieferungen blieben aus oder kamen verspätet. Der Sachschaden belief sich auf mehr als 150 Millionen Euro. Die zerstörte Stadt Armero wurde zur Gedenkstätte erklärt. Anders als beim Ausbruch des Mount St. Helens fünf Jahre zuvor, bei dem 62 Menschen den Tod fanden, war das weltweite Interesse am katastrophalen Geschehen in Kolumbien relativ gering.

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