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Weltgesundheitstag 2017: Depression - Wege aus der Dunkelheit

Mehr als einfach nur traurig: Depressionen sind schwere, psychische Erkrankungen. Unbehandelt können sie Betroffene im Extremfall in den Suizid treiben. Doch so weit muss es nicht kommen. Die Medizin kennt heute viele Therapien, die depressiven Menschen den Lebensmut zurückgeben können. Damit jeder Betroffene in Zukunft die Hilfe erhält, die er braucht, will die WHO mit dem diesjährigen Weltgesundheitstag unter dem Motto "Depression - Let’s talk" für das Thema sensibilisieren.

Deprimierte junge Frau
Die Ursache muss nicht organisch oder endogen, also von innen kommend, sein. Auch belastende Lebensereignisse aller Art können Depressionen auslösen.
Mindestens vier Millionen Menschen leben in Deutschland mit der Diagnose Depression. Oft fängt die Erkrankung wie eine vermeintliche Lappalie an: Man fühlt sich müde, unkonzentriert und irgendwie schlecht drauf. So geht es doch jedem einmal, oder? Doch die Symptome halten an. Aus der trübseligen Stimmung wird ein Grundgefühl tiefer Herabgestimmtheit. Jeglicher Antrieb, aktiv zu werden oder nur zu reagieren, fehlt. Stattdessen machen sich Angst, Selbstzweifel und eine unerklärliche Leere breit.

Depression
Freudlos, mutlos, kraftlos: Halten solche Gefühle länger an, kann eine Depression dahinter stecken.
Kein normales Stimmungstief

Eine solche Situation ist kein normales Stimmungstief mehr - sondern ein psychisches Leiden, aus dem sich die Betroffenen nicht mehr selbst befreien können. "Depressionen sind schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankungen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, Ulrich Hegerl. Die breite Öffentlichkeit hat das wohl spätestens seit dem Suizid des Fußballtorwarts Robert Enke erkannt.

Das traurige Schicksal des Sportlers ist leider kein Einzelfall: Neun von zehn Selbsttötungen geschehen in Deutschland vor dem Hintergrund einer psychiatrischen Erkrankung. In mehr als der Hälfte dieser Fälle handelt es sich um eine Depression. Das Tragische dabei: Die meisten depressionsbedingten Suizide hätten verhindert werden können - wenn die Erkrankung richtig behandelt worden wäre.

Hand mit zwei Tabletten
Antidepressiva greifen in den Hirnstoffwechsel ein.
Pillen für die Psyche

Denn glücklicherweise kennt die Medizin inzwischen viele Möglichkeiten, depressiven Menschen den Weg zurück aus der Dunkelheit zu ebnen und ihnen neuen Lebensmut zu schenken. Die wichtigsten Grundpfeiler der Behandlung bilden dabei stets die Psychotherapie sowie die Behandlung mit Medikamenten. Während die psychotherapeutische Betreuung auf der Verhaltensebene ansetzt und unter anderem darauf abzielt, das Leben der Patienten aktiver zu gestalten und negative Denkmuster abzubauen, greift die Pharmakotherapie direkt in den Hirnstoffwechsel ein.

Die Antidepressiva sollen die Konzentration wichtiger Botenstoffe, die im Gehirn der Patienten häufig nicht mehr in den optimalen Mengen vorliegen, künstlich erhöhen. Sind Neurotransmitter wie Noradrenalin oder das Glückshormon Serotonin wieder in ausreichender Konzentration vorhanden, kehren sich die Gedanken und Gefühle der Betroffenen oftmals ins Positive.

Schlafentzug als Stimmungsaufheller

Auch Schlafentzug kann manchen Patienten das Lächeln zurückgeben - zumindest kurzfristig. Was drastisch klingt, hat sich unter dem Namen Wachtherapie unter Experten längst einen Namen gemacht. Die Forscher nehmen an, dass sich die Synapsen im Gehirn während einer Depression nicht mehr wie bei Gesunden vernetzen um neue Informationen zu verarbeiten. Erst der Schlafentzug versetzt das Gehirn der Theorie zufolge in einen Erregungszustand, in dem es seine Reaktionen hochfährt und sich die Nervenzellen angemessen neu vernetzen können.

Tatsächlich tritt bei rund 60 Prozent der des Schlafes beraubten Patienten eine schlagartige Besserung ein. "Sie hält allerdings nur bis zum nächsten Schlaf, meist bis zur folgenden Nacht, an", sagt Hegerl. "Dass die oft bereits seit Monaten bestehende Depression allein durch eine derartige Maßnahme durchbrochen werden kann, vermittelt jedoch oft Hoffnung." Außerdem können bestimmte Methoden, wie etwa das Verschieben von Schlafphasen oder gezielte Lichttherapie, den Rückfall hinauszögern oder gar verhindern.

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DAL, 07.04.2107
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