Wahrig Herkunftswörterbuch
Essig
Säure wird in den meisten Redewendungen als nicht unbedingt vorteilhaft empfunden, weder beim sauren Gesicht, das man macht, noch beim säuerlichen Grinsen, und auch nicht beim Sauersein, beim Biss in den sauren Apfel oder wenn es gleich Saures gibt. Essig (und umso mehr seine Essenz) wiederum hat eine besondere Säure, die – wie man etwa beim Entkalken von Wasserkochern immer wieder staunend feststellt – durchaus reinigende Kraft hat. Diese ist jedoch nicht gemeint, wenn man damit ist es Essig sagt und „nun ist diese Hoffnung vorbei“ meint. In dieser Wendung geht es um den Wein, der zu lange gärt und dadurch zu ungenießbarem Essig wird. Auch der Wendung zu Essig werden „missglücken“ liegt das Umkippen des Weins zugrunde, das aus einer höchst erbaulichen Sache, auf deren Genuss man sich freut, etwas zutiefst Unangenehmes und Enttäuschendes macht. Und um auf das anfangs erwähnte saure Gesicht zurückzukommen: mancherorts – etwa im Rheinland oder in Sachsen – wird einem gesagt, dass man ein Gesicht wie Essig bzw. wie ein Essigtopf mache, wenn man allzu verdrießlich dreinschaut.
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