Total votes: 77
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken
wissen.de Artikel

Arbeitsplätze der Zukunft – Schöne neue Welt?

Bild 1 von 4
Der Fortschritt der Technik macht's möglich: Viele Büroarbeiten können inzwischen auch von Zuhause erledigt werden.
Der Fortschritt der Technik macht's möglich: Viele Büroarbeiten können inzwischen auch von Zuhause erledigt werden.
dpa
Bild 2 von 4
Zukunftstrend: Arbeiten am PC Zuhause
Zukunftstrend: Arbeiten am PC Zuhause
dpa
Bild 3 von 4
“Work-Life-Coordinators” helfen Berufstätigen beim Erledigen anfallender Hausarbeiten.
“Work-Life-Coordinators” helfen Berufstätigen beim Erledigen anfallender Hausarbeiten.
dpa
Bild 4 von 4
Kinder mit ins Büro nehmen: Beim Modell “Eltern-Kind-Arbeitsplätze” ist das möglich.
Kinder mit ins Büro nehmen: Beim Modell “Eltern-Kind-Arbeitsplätze” ist das möglich.
dpa

Die Arbeitswelt im Umbruch

Der Fortschritt der Technik macht's möglich: Viele Büroarbeiten können inzwischen auch von Zuhause erledigt werden.

Der Fortschritt der Technik macht's möglich: Viele Büroarbeiten können inzwischen auch von Zuhause erledigt werden.

Die Arbeitswelt ist ein wesentlicher Bestandteil der sozialen Identität eines Menschen, wie der Sozialwissenschaftler Sir Ralf Dahrendorf herausstellt. Die traditionelle Vorstellung von Erwerbsarbeit und Beruf bezeichnet er als “Geländer, an dem entlang das Leben der Menschen geordnet wurde“. Die Auffassung davon, wie dieses “Geländer“ jedoch aussieht, hat sich in den vergangenen 30 Jahren stark gewandelt.

Die Gründe für diesen Umwandlungsprozess liegen im unaufhaltsamen Fortschritt der Technik und den sozialen Umwälzungen der Arbeitsgesellschaft. Es gibt nur noch wenige computerfreie Arbeitsplätze und die neuen Kommunikationsformen nehmen Einfluss auf die Arbeitsprozesse und definieren alte Strukturen neu. So löst sich die klassische, konsequente Trennung der Bereiche “Arbeit“ und “Freizeit“ langsam auf. Blickt man auf den aktuellen Trend am Arbeitsmarkt, scheint sich diese These zu bewahrheiten. Ein Beispiel: Die Erledigung von zahlreichen Aufgaben per Internet und e-mail führt zu einer Dezentralisierung der Arbeitswelt. Das Fachwort hierfür ist “Telearbeit“.

Droht dem klassischen Büro das Aus?

Zukunftstrend: Arbeiten am PC Zuhause

Zukunftstrend: Arbeiten am PC Zuhause

Die neuen Kommunikationsformen ermöglichen folgendes: Eine Online-Konferenz findet im heimischen Wohnzimmer statt und die Kollegen arbeiten am anderen Ende der Welt. Die Arbeitswelt erobert das private Umfeld. Von Zuhause kann jeder mit Geschäftspartnern, dem Chef und Kunden kommunizieren. Wozu noch zu festen Arbeitszeiten ins Büro gehen?

Die Vorteile des mobilen Arbeitens liegen auf der Hand. Unternehmen können Raum- und sonstige Bürokosten sparen, indem sie ihre Angestellten für ein paar Tage oder Wochen mit “Hausaufgaben“ nach Hause schicken. Zudem ist Telearbeit familienfreundlich: Mutti oder Vati können während der “Haus-Arbeit“ zwischendurch das Mittagessen kochen, Einkaufen gehen und den Kindern bei den Hausaufgaben über die Schulter schauen. Die Nachteile liegen eher im Sozialen, denn per e-mail fehlt der face-to-face- Kontakt zum Gegenüber. Viele “Heimwerker“ vermissen das Gespräch mit Kollegen oder die gemeinsame Mittagspause.

Familienfreundliche Arbeitsplätze

“Work-Life-Coordinators” helfen Berufstätigen beim Erledigen anfallender Hausarbeiten.

“Work-Life-Coordinators” helfen Berufstätigen beim Erledigen anfallender Hausarbeiten.

"Telearbeit" kann den Angestellten eine flexiblere Arbeitsform schaffen. Dennoch ist es schwer Beruf, Haushalt und Kindererziehung gleichzeitig zu managen. Aus diesem Grund stellen die meisten größeren Unternehmen in den Vereinigten Staaten seit einigen Jahren “Work-Life-Coordinators“ ein: Damit der oder die Angestellte in Ruhe am Schreibtisch die Telearbeit erledigen kann und nicht von Familienproblemen geplagt wird, erledigt der Koordinator die Kinder- oder Altenbetreuung, erledigt die Einkäufe und sonstige Hausarbeiten und springt in die durch Telearbeit entstehende “soziale Lücke“ z.B. als Seelsorger ein. Für die Unternehmen zahlt sich dieser Hilfsdienst in der Regel aus, denn die Angestellten schätzen das familienfreundliche Engagement und Verständnis ihrer Firma und gehen ihre Aufgaben motivierter an.

Kinder mit ins Büro nehmen: Beim Modell “Eltern-Kind-Arbeitsplätze” ist das möglich.

Kinder mit ins Büro nehmen: Beim Modell “Eltern-Kind-Arbeitsplätze” ist das möglich.

Diese familienfreundliche Innovation aus den USA wird in Deutschland mittlerweile nachgeahmt. Ein Beispiel: Die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) bietet spezielle “Eltern-Kind-Arbeitsplätze“ an. In diesen Büros befindet sich neben dem Computertisch eine Spielecke. Zum einen bietet die BfA mit ihrem Modell ihren Angestellten mehr Service, zum anderen gibt es weniger familienbedingte Krankmeldungen.

Wo liegen die Probleme globaler Telearbeit?

Die neuen Formen der internationalen Zusammenarbeit beinhalten einige Probleme. Eine e-mail-Arbeitsbeziehung zwischen Europäern und Amerikanern ist relativ unproblematisch, da die jeweiligen kulturellen Gepflogenheiten des Partners bekannt sind. Je größer die kulturellen Unterschiede sind, desto schneller kann es zu Missverständnissen bei der Kommunikation kommen. Tobias S., ein 26 jähriger Diplom Informatiker einer jungen Münsteraner Business-to-Business-Firma, deren Geschäftspartner u.a. in Korea sitzen, beschreibt die Situation wie folgt: “Wenn wir mit Kollegen aus Korea kommunizieren, die hier in Münster studiert haben, ist das kein Problem. Bei den Jungs und Mädchen, die noch nie in Europa waren, haben wir sogar eine Art Regelwerk, wie wir mit denen umgehen sollen“.

Wie stehts um Geschlechtergleichheit?

Durch die zunehmende Verknüpfung von Kindererziehung und Job erübrigt sich die alte, geschlechterspezifische Rollenverteilung vom Mann, der die “Brötchen verdient“ und der Hausfrau, die daheim die Kinder erzieht. Beschäftigungschancen von Frauen und Männern müssen und werden sich immer mehr angleichen. Das verspricht der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda und betont: “Frauen stehen hinsichtlich ihrer schulischen oder beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen in nichts nach. Man- und Woman-Power heißt die Zukunft unserer Arbeit“.

Sind nur noch Spezialisten gefragt?

Einerseits ist immer mehr up-to-date-Wissen gefragt, da in Anbetracht des rasanten Fortschritts der Technik meist nur noch Top-Spezialisten komplexe Probleme lösen können. Andererseits werden heute und in der Zukunft “Allrounder“ verlangt, die auf mehreren Arbeitsfeldern tätig sein können. Zudem sind soziale Kompetenzen, wie Teamfähigkeit, Problembewusstsein, Einfühlungsvermögen und Deeskalationsstrategien gefragt.

Lohnt der Blick über den Zaun?

Die Sozialkompetenz steht ebenso im Mittelpunkt wie die Fachkompetenz. Für den Facharbeiter der Zukunft ist es nützlich, wenn er sich auf den Arbeitsfeldern seiner Kollegen auskennt. “Kreativ & umfassend“: Diese beiden Stichwörter tauchen bereits jetzt in den meisten Stellenanzeigen auf. Wer beispielsweise heute Betriebswirtschaftslehre studiert, kommt nicht ohne Grundlagenkurse in Informatik aus. Publizisten und Kulturwissenschaftlern wird dringend geraten, sich mit Buchhaltung zu beschäftigen und am Institut für Politikwissenschaft werden neben den Theorien der Internationalen Beziehungen auch die Grundlagen des HTML gelehrt. Die Zukunft liegt in komplexen, vernetzten Berufsfeldern.

Welches sind die Traumberufe der Zukunft?

Jobs wie z.B. Lokomotivführer, Astronaut oder Krankenschwester gehören nicht mehr zu den Traumberufen, meint zumindest die New Economy. In der Tat träumen viele Jugendliche lieber davon, als IT-Techniker das Web zu erobern oder als Gen-Techniker den menschlichen DNA-Code zu entschlüsseln, statt in den Weltraum vorzustoßen oder Kranke zu pflegen.

Neil Armstrong ist nur noch ein Vorbild von gestern. Die neuen Idole der “Generation @“ heißen Shawn Fenning, der als Teenager am eigenen PC “Napster“ ins Leben rief, oder das Marketing-Genie Steve Jobs von Apple. Die Berufsfelder der Zukunft liegen an der Schnittstelle von Technologie und Economy-Branche. Fast jeder Angestellter benötigt für seine Arbeit PC-Unterstützung und Wirtschaftskenntnisse sind in fast jedem Arbeitsgebiet erwünscht.

Die Zahl derer, die den Sprung vom Rechenschieber zur Tabellenkalkulation nicht geschafft haben, ist bedenklich groß. Welche Chancen haben ungelernte Arbeiter, die kaum Chancen hatten oder haben, eine breit gefächerte Fachausbildung zu absolvieren? Die Arbeits- und Sozialpolitik muss hier einschreiten, damit die Schere zwischen Elite und “Basis“ nicht noch stärker auseinander klafft.

Buch-Tipps

Online bestellen:

Anja Brockhagen und Rolf Kowitz: Telearbeit

Gabriele Winker: Telearbeit und Lebensqualität Zur Integration von Beruf und Familie

Total votes: 77
  • Send to friend
  • Diese Seite drucken

Post new comment


0 Kommentare

Filtered HTML

  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zulässige HTML-Tags: <a> <em> <strong> <cite> <blockquote> <code> <ul> <ol> <li> <dl> <dt> <dd>
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.

Plain text

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • HTML - Zeilenumbrüche und Absätze werden automatisch erzeugt.
CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.