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Apollo 8: Ein Weihnachtsflug zum Mond

Es ist ein Meilenstein der Raumfahrt: Am 21. Dezember 1968 – vor 50 Jahren – haben Menschen zum ersten Mal den Erdorbit verlassen. Die Astronauten der Apollo-8-Mission begaben sich auf den waghalsigen ersten Flug zum Mond. An Weihnachten des Jahres 1968 konnten sie dann erstmals die Rückseite des Erdtrabanten bestaunen – und einen der beeindruckendsten Anblicke des Weltraumzeitalters: den Aufgang der blauen Erde über der kargen Mondlandschaft.

Es war ein ehrgeiziger Plan. Im Jahr 1962 kündigte der damalige US-Präsident John F. Kennedy in einer Rede eine Mondlandung noch vor Ende des Jahrzehnts an: "Wir haben uns entschlossen, in diesem Jahrzehnt auf den Mond zu kommen, nicht weil es leicht wäre, sondern gerade weil es schwer ist, weil diese Aufgabe uns helfen wird, unsere besten Energien und Fähigkeiten einzusetzen und zu erproben…"

Apollo-8-Crew
Die drei Apollo-8-Astronauten (von l. n. r.): James A. Lovell Jr., William A. Anders und Frank Borman. Die Aufnahme entstand einen knappen Monat vor dem Start.
Pleiten, Pech und Pannen

Um diesen Plan umzusetzen, mobilisiert die NASA enorme Mengen an Geld, Personal und Material. Denn es gilt nicht nur, Kennedys Zeitplan Zeitplan einzuhalten, man will auch der Sowjetunion zuvorkommen. Diese haben im Raumfahrt-Wettstreit mit dem USA bisher immer die Nase vorn – unter anderem mit dem ersten Satelliten Sputnik und dem ersten Menschen im All. Wenigstens bei der ersten Mondlandung wollen nun die USA die ersten sein.

Das aber ist nicht leicht: Die riesige Saturn V, die als einzige Trägerrakete leistungsfähig genug ist, um ein Raumschiff samt Besatzung aus dem Schwerefeld der Erde hinauszubringen, zeigt noch im Sommer 1968 Macken. Und auch die Mondlandefähre, die die Astronauten zur Mondoberfläche und zurückbringen soll, wird einfach nicht fertig.

Zum Mond statt in den Erdorbit

In dieser Situation entschließt sich die NASA zu einem waghalsigen Schritt: Statt die für Dezember 1968 geplante Apollo-8-Mission nur als Test im Erdorbit durchzuführen, soll dieser Flug nun direkt zum Mond gehen. Das Apollo-Raumschiff soll zum Mond fliegen, in dessen Orbit einschwenken und ihn mehrfach umrunden, bevor es dann wieder zurück zur Erde geht. Die drei Apollo-Astronauten Frank Borman, James Lovell und William Anders werden zudem an Bord der bislang noch nie bei einer bemannten Mission getesteten Saturn-V-Rakete starten – ein großes Risiko.

Start der Apollo-8-Mission
Am Abend des 15. Dezembers 1968 hebt die Trägerrakete der Apollo-8-Mission ab.
Doch es geht gut: Am 21. Dezember um 7:51 Uhr Ortszeit zünden die Triebwerke der 110 Meter großen Saturn-V-Rakete. Ihre enorme Kraft trägt das Apollo-Raumschiff samt Besatzung zunächst in den Erdorbit. Dort zündet dann die dritte Brennstufe noch einmal und bringt das Schiff aus der Erdumlaufbahn auf ihren Kurs Richtung Mond. Während sich die Apollo 8  immer schneller von der Erde entfernt, schrumpft diese zu einer blauschimmernden Kugel im Fenster der Kommandokapsel zusammen. Die Astronauten sind die ersten Menschen, die ihren Heimatplaneten als Kugel im All schweben sehen.

Rückseite des Mondes
Die drei Apollo-8-Astronauten waren die ersten Menschen, die persönlich die Rückseite des Mondes in Augenschein nehmen konnten.
Auf der Rückseite des Mondes

Am frühen Morgen des 24. Dezember 1968 haben die drei Astronauten ihr Ziel erreicht: den Mond. Doch nun steht ein heikles Manöver an: Sie müssen den Flug der Apollo abbremsen und in die Mondumlaufbahn einschwenken. Diese wichtige Zündung der Triebwerke muss auf der erdabgewandten Seite des Mondes geschehen  - und damit ohne Funkkontakt zur Erde. Doch alles geht gut: Die Triebwerke bremsen die Apollo 8 herunter und das Raumschiff ist nun langsam genug, um in eine Mond-Umlaufbahn gelenkt zu werden.

Nachdem dies geschafft ist, bietet sich den drei Apollo-Astronauten ein historischer Anblick: Sie sind die ersten Menschen, die die Rückseite des Mondes erblicken – und die ersten, die der Mondoberfläche bis auf rund 100 Kilometer nahekommen. Die Mondlandschaft allerdings erweist sich als wenig attraktiv: grau, eintönig und nur von unzähligen Kratern unterbrochen erstreckt sich diese karge, luftlose Wüste bis zum Mondhorizont.

Earthrise über der Mondoberfläche
Der von der Apollo 8 aufgenommene "Earthrise" ist bis heute eines der berühmtesten Fotos der Raumfahrtgeschichte.

Erdaufgang und Weihnachtsbotschaft

Noch während Borman, Lovell und Anders die Mondoberfläche fotografieren und kartieren, bietet sich ihnen ein Anblick, der bis heute einzigartig ist: Als Anders aus dem Fenster blickt, sieht er die blauleuchtende Erde über der grauen Mondlandschaft aufgehen. „Oh mein Gott, seht auch diesen Anblick an!“ ruf er aus. „Was denn“ fragt Borman, der damit beschäftigt ist, die Apollokapsel um ihre Achse zu drehen. „Die Erde geht auf!“ antwortet Anders. Der von der Apollo 8 aufgenommene „Earthrise“ ist bis heute eines der berühmtesten und beeindruckendsten Fotos der Raumfahrtgeschichte.

Und noch ein Highlight gibt es auf diesem historischen Pionierflug: Am Abend des 24. Dezember schicken die Astronauten die erste Weihnachtsbotschaft aus dem All. Sie verlesen Teile der Schöpfungsgeschichte aus der Bibel und diese Botschaft wird live zur Erde übertragen. Eine Milliarde Menschen weltweit sehen und hören diese Weihnachtsbotschaft aus der Umlaufbahn eines fremden Himmelskörpers.

Während die Erdbewohner dem ersten Weihnachtstag des Jahres 1968 entgegenschlummern, bereiten sich die Astronauten an Bord der Apollo 8 auf ihren Rückflug vor. Durch erneutes Zünden ihrer Triebwerke beschleunigen sie die Apollokapsel wieder ein wenig und bringen sie aus der Mondumlaufbahn wieder zurück in Richtung Erde. Nach gut zwei Tagen Flug überstehen sie sogar den riskanten Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Um 05:51 Uhr Ortszeit am 27. Dezember hat die Erde die Apollo-Astronauten wieder. Ihre Kapsel wassert im Pazifik und wird sicher geborgen. Der erste Ausflug der Menschheit zu einem anderen Himmelskörper ist erfolgreich vollbracht.

Apollo-8-Kapsel an Deck der USS Yorktown
Nach der Wasserung wird die Kapsel vom Flugzeugträger USS „Yorktown“ aus dem Pazifik gefischt.

NPO, 21.12.2018
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