Kurzbiografie
| Name: | Luciano Pavarotti |
| geboren am: | 12.10.1935 |
| gestorben am: | 6.9.2007 |
| geboren in: | Modena/Italien |
| gestorben in: | ebenda |
| italienischer Opernsänger | |
Als "Big P." war er das Tenor-Idol unserer Zeit. Sein Foto zierte die Titelseite des amerikanischen Magazins "Time", seine Schallplattenaufnahmen erzielten Spitzenpositionen in den internationalen Charts.
Der eigentliche Weltruhm begann 1972 in einer Aufführung von Donizettis "La fille du Régiment" an der New Yorker Met, in der er das Publikum als Tonio mit brillanten hohen Ćs zur Raserei brachte. Studiert hatte er bei dem berühmten Gesangslehrer Ettore Campogalliani in Mantua. Er debütierte 1961 am Opernhaus von Reggio Emilia als Rodolfo in Puccinís "La Bohème" – eine weitere Glanzrolle des Sängers, mit der er seine Debüts an der Londoner Covent Garden Opera (1964), der Mailänder Scala (1965) und der Met (1966) gab. An der Wiener Staatsoper trat er erstmals 1963 als Duca in Verdis "Rigoletto" auf.
1965 begann er als Edgardo in Donizettis "Lucia di Lammermoor" bei Tourneen durch Nordamerika und Australien seine legendäre Partnerschaft mit der australischen Sopranistin Joan Sutherland. Vor allem im Belcanto-Repertoire (Bellini, Donizetti), aber auch in Verdís "La Traviata" sorgte er gemeinsam mit dieser Sängerin für Sensationen. Sein heller lyrischer Tenor mit müheloser Höhe entwickelte sich in den 1980er Jahren zum Spinto-Tenor und bewältigte auch die dramatischeren Partien des Enzo in Ponchiellis "La Gioconda" und des Prinz Kalaf in Puccinis "Turandot" (beide an der Opera von San Francisco). Prinz Kalafs Arie "Nessun dorma" wurde zum internationalen Markenzeichen des Tenors, er gab das Stück als Höhepunkt oder Zugabe bei allen seinen Open-Air-Auftritten, so bei den "Konzerten der drei Tenöre" anlässlich der Fußballweltmeisterschaften in den Caracalla Thermen in Rom 1990 und im Stadion von Los Angeles 1994, sowie im New Yorker Central Park und in der Berliner Deutschlandhalle 1994.
Sein Repertoire reichte von Mozarts "Idomeneo" (1982 an der Met) bis zu Verdis "Otello" (1991 konzertant in Chicago) und schloss auch populäre neapolitanische Kanzonen und Schlager ein. Der Sänger mit dem großen weißen Taschentuch war durch die Verve seines Vortrags und die sich auf sein Publikum spontan übertragende Emotionalität nicht nur bei den Opernfreunden beliebt, sondern der Begriff des Tenors schlechthin. Unübersehbar ist seine Diskographie mit allen großen Erfolgsrollen.
Leben und Werk
Luciano Pavarotti wurde am 12.10.1935 als Sohn eines Bäckers und einer Arbeiterin einer Tabakfabrik in Modena geboren und wuchs in einem engen Familienverband auf. Er studierte zunächst an der Scuola delle Magistrale in Modena Pädagogik und war dort zwei Jahre als Volksschullehrer tätig.
Mit der Ausbildung seiner Stimme folgte er dem Vorbild seines Vaters, eines begeisterten Chorsängers. Ab 1956 studierte Pavarotti zunächst bei Arrigo Pola und ab 1958 bei Ettore Campogalliani Gesang in Mantua.
Erstmals machte er von sich reden, als er 1961 den Internationalen Gesangswettbewerb von Reggio Emilia gewann. im gleichen Jahr debütierte er in der Rolle des Rodolfo in der Puccini-Oper "La Bohème" am Opernhaus von Reggio Emilia.
1962 folgte sein erster glanzvoller Auslandsauftritt in Amsterdam als Edgardo in Donizettis "Lucia di Lammermoor". Nach weiteren erfolgreichen Gastspielen in Wien, Hamburg und Zürich sprang er 1964 an der Covent Garden Opera in London kurzfristig als Rodolfo in Puccinis "La Bohème" für den erkrankten damaligen Startenor Giuseppe di Stefano ein. Es folgte direkt darauf eine Tournee durch Spanien, Polen, Ungarn und die Tschechoslowakei.
1964 gab es einen weiteren gefeierten Auftritt in London als Idamantes in Mozarts "Idomeneo". 1965 gastierte er erstmals als Partner von Joan Sutherland, der großen australischen Sopranistin, in den USA und Australien. Durch Joan Sutherland und deren Mann, dem Belcanto-Spezialisten Richard Bonynge, kam Pavarotti mit diesem älteren Repertoire (Bellini, Donizetti) in Berührung.
1968 debütierte er wieder als Rodolfo in "La Bohème" an der Metropolitan Opera in New York. Während seiner raschen Karriere zwischen 1961 und 1968 ist Pavarotti mit insgesamt 12 Partien ausgekommen, danach kamen lediglich 6 weitere hinzu.
Den Durchbruch von einer guten Sängerkarriere zum gefeierten Weltstar schaffte Pavarotti in einer Aufführung von Donizettis "La Fille du Régiment" 1972 an der Metropolitan Opera in New York. Als Tonio brachte er das Publikum mit einer "Salve" von hohen C’s "zum Rasen".
Pavarotti zählt seither zu den großen Operntenören der Welt. Für seine Rolle als Nemorino in Donizettis "Liebestrank" wurde er 1988 in Berlin mit 115 Vorhängen gefeiert.
Die Fußballweltmeisterschaft 1990 in Italien stellt den Beginn von zahlreichen Massenveranstaltungen Pavarottis dar. Zusammen mit Placido Domingo und José Carreras gab er in den Caracalla Thermen in Rom ein Konzert vor über 50000 Zuhörern. Die von ihm gesungene Arie aus Puccinis "Turandot" wurde zur Hymne der Fußballweltmeisterschaft 1990. Der Livemitschnitt des Konzerts der drei Tenöre wurde über 10 Millionen Mal verkauft.
Seine Opernauftritte wurden immer seltener, krankheitsbedingte Absagen kamen immer wieder vor, so dass schon Spekulationen über das Ende des Starsängers angestellt wurden.
Pavarotti sorgte aber mit einem herausragenden Konzert in der Berliner Deutschlandhalle dafür, dass diese Stimmen verstummten. Für weitere Superlative sorgte er, als er 1994 Konzerte unter dem Pariser Eiffelturm und im New Yorker Central Park vor über 500000 Zuschauern gab.
1995 folgte sein Konzert zum 30-jährigen Bühnenjubiläum im Londoner Hyde Park, wo er in strömendem Regen vor über 100000 Zuschauern, darunter auch Prinz Charles und Prinzessin Diana sang.
In anderen Massenveranstaltungen trat der klassische Operntenor mit Popstars – Pavarotti and Friends - aus aller Welt auf. Er sang mit Pop-Größen wie Sting oder Zuccerro (1993), Jon Bon Jovi, Cèline Dion, den Spice Girls, Natalie Cole, Eros Ramazotti und Stevie Wonder (1998). Er hat Rock-Pop-Klassik-Platten eingespielt und in seiner Heimatstadt Modena 1995 ein Benefiz-Konzert für Bosnien gegeben, bei dem er Duette mit Le Bon und Meatloaf sang.
Mit dieser Entwicklung ging die totale Vermarktung Pavarottis einher, die bis zu einer Parfumserie mit seinem Namen reicht. Pavarotti hat rund 60 Platten eingespielt, von denen bislang etwa 50 Millionen verkauft worden sind. Nach mehr als 40 Bühnenjahren bereiste er 2005/2006 mit seiner Abschiedstournee "A Night To Remember" den Globus. Auf dem Programm standen alle großen Arien sowie weitere Stücke aus dem reichhaltigen Repertoire des Tenors. Unterbrochen wurde seine Tournee durch eine Krebsoperation Anfang Juli 2006. In der Nacht zum 6. September erlag "Tenorissimo" seinem Krebsleiden in seiner Heimatstadt Modena.
Stimme und Repertoire
Luciano Pavarotti hatte einen hellen lyrischer Tenor mit müheloser Höhe. In den 1980er Jahren entwickelte er sich zum Spinto-Tenor und bewältigte auch die dramatischeren Partien wie die des Enzo in Ponchiellis "La Gioconda" oder des Prinz Kalaf in Puccinis "Turandot" (beide an der Opera von San Francisco). Prinz Kalafs Arie "Nessun dorma" wurde zum internationalen Markenzeichen des Tenors. Seine Stimme zeichnete sich durch ihren sehr festen, klaren und tenoralen Klang aus, der Vortrag durch Genauigkeit der Diktion. Allerdings hat sie in der Höhe die Tendenz zur Verengung, da Pavarotti – heute mehr als früher – eine hohe Atemspannung benötigt, um die höheren Lagen zu erreichen. Dadurch ist ein "Singen auf dem Atem" nicht mehr möglich.
Pavarotti sang nur Opern in italienischer Sprache und hatte dadurch ein eingeschränktes Repertoire von nur 18 Opernpartien, wodurch das französische Repertoire vollständig fehlte. Pavarottis Opernpartien gehörten aber, nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf Tonträgern, zu den brillantesten Interpretationen der Operngeschichte.
Die Drei Tenöre
1990, anlässlich der Fußballweltmeisterschaft in Italien gaben José Carreras, Luciano Pavarotti und Placido Domingo in den Caracalla-Thermen in Rom ein gemeinsames Konzert – Die Drei Tenöre waren geboren. Der Livemitschnitt dieses Konzertes wurde mehr als 10 Millionen Mal verkauft. 1994 zur Fußballweltmeisterschaft in den USA traten "Die Drei Tenöre" als krönendes Finale in Los Angeles vor über 50000 Zuschauern auf. Die Nachfrage beim Publikum nach Auftritten der drei Startenöre war derartig groß, dass die Welttourne 1996 jeden bis dahin in der E-Musik gekannten Rahmen sprengte: unter anderem waren es in Tokyo 56000 Zuschauer, 50000 in London, 56000 in New York und 67000 in München. Trotz Spitzenpreisen bis zu $ 750.- pro Eintrittskarte waren die Live-Konzerte jedes Mal innerhalb weniger Stunden ausverkauft. Wegen des großen Erfolges wurde während der Tourne die ursprügliche Auftrittszahl verdoppelt. Vor dem Fernsehen haben insgesamt eine halbe Milliarde Menschen diese Auftritte erlebt. Jeder der drei Sänger soll pro Autritt $ 500000 erhalten haben. Domingo, Pavarotti und Carreras ließen sich den Namen "Die Drei Tenöre" schützen und eine eigens von ihnen in Irland gegründete Gesellschaft mit dem gleichen Namen vergibt die Vermarktungsrechte an dem Markenzeichen. In der so genannten E-Musik hatte damit die Kommerzialisierung einen neuen Höhepunkt erreicht. Dies führte gerade in letzter Zeit zu erheblichem Diskussionsstoff und kritischen Stimmen.
Bibliografie
Rudolf Kloiber u.a.: Handbuch der Oper, München 2006



