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Das Wort des Monats März 2004

Bundespräsidentencasting

Am 23. Mai 2004 entscheidet die Bundesversammlung über den Nachfolger des achten deutschen Bundespräsidenten, Johannes Rau. CDU, CSU und FDP haben sich nach langem Ringen auf den Generaldirektor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Horst Köhler, verständigt. Inzwischen steht auch fest, dass die SPD die Politologin Gesine Schwan ins Rennen schickt.

Dabei wurde die Kandidatensuche für die Opposition zu einer echten Bewährungsprobe. Lange Zeit galt Wolfgang Schäuble als der Favorit auf das höchste Amt im Staate, schließlich hatten sich Angela Merkel und Edmund Stoiber auf den gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Insbesondere Stoiber rührte kräftig die Werbetrommel für den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, wohl auch um von seiner eigenen Person als möglichem Kandidaten abzulenken. Doch dann machte die FDP in Person von Guido Westerwelle der christdemokratischen Einigkeit ein Ende und legte ein Veto gegen Schäuble ein. In langen Sitzungen versuchten daraufhin CDU, CSU und FDP, sich auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin zu einigen. Eine illustre Schar kam da zusammen: Die CDU-Politikerin und baden-württembergische Kultusministerin Annette Schavan, der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU), der frühere Ministerpräsident Thüringens, Bernhard Vogel (CDU), der frühere Innenminister Rudolf Seiters und weitere.

Über die Qualitäten der Kandidaten und ihre Eignung für das Präsidentenamt wurde kaum noch gesprochen, bald ging es nur noch um einen Kompromisskandidaten, der einerseits die Merkelanhänger, andererseits die Stoiberfraktion und dann noch die FDP wenn schon nicht überzeugen, so doch wenigstens nicht zur Gegenwehr auf den Plan rief. Das Rernnen machte schließlich Horst Köhler, der breiten Öffentlichkeit fast ebenso unbekannt wie seine Kontrahentin Gesine Schwan.

Aber so läuft das ja oft bei einem Casting: Einige halbwegs bekannte, teilweise auch völlig unbekannte Bewerber treffen sich zu einem Schaulaufen und eine Jury bestimmt einen Gewinner. Wie man unter www.bundespraesident.de lesen kann: "Der Bundespräsident [...] ist das Verfassungsorgan, das die Bundesrepublik Deutschland nach innen und nach außen repräsentiert." Und unter einem Casting versteht man: "Auswahlverfahren zur Besetzung von Rollen beim Film oder zur Mitarbeit im Bereich Fernsehen, Foto, Mode u. Ä." Repräsentieren soll er oder sie also und nett aussehen soll's auch - im Fernsehen. Da bietet sich im Vorfeld der Wahl eben auch ein Präsidentencasting an, womit auch unsere Wahl zum Wort des Monats März erklärt wäre.

Vielen Dank den Teilnehmern an unserer Aktion “Wort des Monats“. Senden Sie uns auch im kommenden Monat wieder Ihren Vorschlag mit einer Begründung an die bekannte Email-Adresse:wortdesmonats@wissen.de. Wie üblich gibt es auch im kommenden Monat einen Wahrig: Deutsche Rechtschreibung zu gewinnen (dafür aber nicht die Begründung vergessen!) wir freuen uns auf Ihre Einsendung und wünschen viel Erfolg!

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Dietmar Hefendehl
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