wissen.de
Total votes: 119
wissen.de Artikel

Der gesetzliche Mindestlohn

Vor- und Nachteile

Der gesetzliche Mindestlohn soll für angemessene Arbeitsbedingungen für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sorgen und Lohndumping verhindern. Sich eine differenzierte Meinung darüber zu bilden, ist ohne Hintergrundwissen nicht möglich. Daher gibt der folgende Text eine kurze Übersicht darüber wieder, was der Mindestlohn ist und welche Vor- und Nachteile er hat.
 
Viele Länder in der europäischen Union haben bereits einen gesetzlichen Mindestlohn. In den Ländern, für die es keine gesetzlich festgelegt Lohnuntergrenze gibt, ist jedoch ein hoher Prozentsatz der Arbeitnehmer durch Gewerkschaften organisiert, was eine staatliche Regelung unnötig macht. In Deutschland wird das Mindestlohngesetz am 1. Januar 2015 in Kraft treten. Es beinhaltet die Festlegung der Lohnuntergrenze auf 8,50 Euro pro Stunde und beschreibt, wie sie kontrolliert und durchgesetzt wird. 2017 soll erstmals eine Anpassung des Mindestlohns erfolgen und danach alle zwei Jahre.
 
Es gibt einige Ausnahmen beim Mindestlohn. Die erste gilt für Unter-18-Jährige und soll dafür sorgen, dass es attraktiver ist, eine Ausbildung anzufangen, als einen Job als ungelernte Kraft anzunehmen. Allerdings stellen auch Auszubildende eine Ausnahme der Lohnuntergrenze nach. Des Weiteren kann Langzeitarbeitslosen in den ersten sechs Monaten der Beschäftigung ein niedrigerer Lohn gezahlt werden. Ihnen soll so ein leichterer Wiedereinstieg in die Arbeitswelt ermöglicht werden. Ob diese Maßnahme den gewünschten Erfolg bringt, wird bis zum 1. Juni 2016 geprüft und je nach Ergebnis wird entschieden, ob die Ausnahme auch nach diesem Datum bestehen bleibt. Grundsätzlich haben auch Praktikanten Anspruch auf den Mindestlohn. Hier sollen jedoch folgende Ausnahmen gelten. Bei Pflichtpraktika, wie zum Beispiel Schulpraktika, kann die Bezahlung unterhalb der gesetzlichen Lohnuntergrenze liegen. Auch freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern, müssen nicht in Höhe des Mindestlohns vergütet werden. Der Mindestlohn gilt auch für Saisonarbeiter, allerdings sind kurzfristige Verträge von 70 oder weniger Tagen sozialabgabefrei. Ehrenamtlich tätige Personen, genauso wie Selbstständige und Freiberufler, haben dagegen keinen Anspruch auf den Mindestlohn.
 
Der gesetzliche Mindestlohn

Auch für Hilfskräfte und Saisonarbeiter gilt der gesetzliche Mindestlohn.

 
Für einige Branchen, wie zum Beispiel dem Friseurhandwerk, gibt es bis zum ersten 1.1.2017 noch Übergangsregelungen. Dies gilt allerdings nur, wenn sich Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter auf einen brancheneinheitlichen Tarifvertrag einigen. Auch für Zeitungszusteller gelten solche Regelungen. Sie bekommen ab dem 1.1.2015 75 Prozent, ab dem 1.1.2016 85 Prozent des Mindestlohns und ab dem 1.1.2017 gilt auch für sie der Mindestlohn ohne Einschränkungen.
 
Um die Kontrolle der Einhaltung des Mindestlohns zu gewährleisten, sollen 1600 neue Stellen bei den Zollbehörden besetzt werden. Ihnen unterliegt bisher auch schon die Kontrolle der tariflichen Mindestlöhne. Auch wenn bisher nur wenige der neuen Stellen besetzt wurden, soll bis 2019 genügend Personal für eine effektive Überprüfung der Lohnuntergrenze zur Verfügung stehen. Auch die Kommunikation und der Datenaustausch mit den Finanzämtern soll in den kommenden Jahren verbessert werden.
 
Vorteile
In vielen Branchen, zum Beispiel im Bauhauptgewerbe, im Dachdecker-, im Maler- und Lackierer-, im Elektrohandwerk, in der Gebäudereinigung und in der Abfallwirtschaft, wurde bisher schon ein tariflicher Mindestlohn gezahlt. Dadurch waren diese Arbeitnehmer bereits abgesichert. Da solche Tarifbindungen jedoch abnehmen, profitiert nur ein immer kleinerer Teil der Arbeitnehmer davon. Durch den Mindestlohn werden auch die Menschen abgesichert, die nicht durch Tarifvereinbarungen vor einem Niedriglohn gesichert sind.
 
Der gesetzliche Mindestlohn soll dafür sorgen, dass jeder von seiner Arbeit leben kann und nicht auf weitere Unterstützungsmaßnahmen, wie das aufstockende Hartz-IV angewiesen ist. Dadurch könnten die Staatsausgaben und der nötige Bürokratieaufwand gesenkt werden und es gibt gleichzeitig mehr Einnahmen durch die Lohnsteuer. Außerdem können sich Arbeitnehmer, die so mehr Geld verdienen, auch besser für das Rentenalter absichern. Auch Frauen können vom Mindestlohn profitieren, da sie besonders häufig im Niedriglohnsektor arbeiten Der Begriff wird auf der Seite des DIW genauer erläutert. Insgesamt kann mehr Gerechtigkeit erreicht werden, weil es eine einheitliche und klare Richtlinie gibt, wodurch Arbeitnehmer eine Sicherheit erreichen, was ihre Arbeitskraft mindestens wert ist. 
 
Der gesetzliche Mindestlohn

Der Mindestlohn soll auch zu einer höheren Rente beitragen.

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
Total votes: 119