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Kindersoftware-Test für Eltern

Papa hat es gut gemeint, doch die neue CD-ROM mit den vermeintlich spaßigen Lernspielen vereinsamt schon nach drei Tagen in einer Ecke des Kinderzimmers. Viele Eltern sind nach einem solchen Fehlkauf verärgert. Das muss nicht sein: Wer in Sachen Kindersoftware den Geschmack der Kleinen ernst nimmt, erspart sich manche Enttäuschung. Denn am PC sind Kinder die härtesten Tester.

© Computer in den Kindergarten!, Vivendi Universal, Stefan Michaelis

Was Sie beim Kauf beachten sollten

Bei Kindersoftware, auf deren Verpackung mit beliebten Figuren wie zum Beispiel Biene Maja, Benjamin Blümchen oder Mickey Maus geworben wird und zum Zugreifen animiert, ist Vorsicht geboten und ein prüfender Blick angesagt. Denn oft verstecken sich hinter einer teuren Staffage billig produzierte, phantasielose Spielchen.

Aufwändig gestaltete Hinweise wie „kindgerecht“ oder „pädagogisch wertvoll“ sind keine offiziell gültigen Qualitätssiegel, sondern dienen lediglich zur Absatzförderung des Produkts. Auch bei Programmen, die zum vermeintlichen Schnäppchenpreis in Drogerieketten oder Discountern angeboten werden, ist Skepsis geboten. Billig-Anbieter stecken Etats am liebsten in aufwändige Warenpräsentationen. Der Inhalt ist meistens dann tatsächlich „billig“.

Ob preiswert oder nicht, jede CD-ROM ist zu teuer, um nach dem ersten Einsatz einfach in der Ecke zu landen. Kindersoftware einfach im Laden zu testen, ist nur selten möglich. Renommierte Hersteller bieten jedoch meist kostenlose Demo-Versionen ihrer Produkte an - auf CD-ROM oder als Download im Internet. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sollte sich die Programm-Demos mit den Kindern gemeinsam anschauen. Beim letzten Schritt, dem Software-Kauf, ist die folgende „Checkliste“ von Stefan Michaelis hilfreich. Der Autor und Spieletester gibt seit Anfang des Jahres gemeinsam mit der Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM) den „Clever der Woche“ heraus, ein Gütesiegel für herausragende Lern- und PC-Spiele.

  • Lesen macht Spaß?
    „Mit erfahrenen Pädagogen entwickelt“ - beliebter Verpackungstext. Hier sollte man genau prüfen und bei den Herstellern nachfragen, ob tatsächlich erfahrene Pädagogen an der Entwicklung beteiligt waren. Tipp: Alle Anleitungen ausprobieren.

  • Befremdliche Wörter
    English for Runaways: Wenn von „Ikonen“ (Icons) und „Aktivitäten“ (Activities) die Rede ist, hat entweder der Übersetzer gepennt oder das Übersetzungsprogramm die Grippe. Beides ist ungesund. Tipp: Einleitung und Hilfen komplett durchhören!

  • Stimmen
    Sympathische Stimmen sind das A und O. Am besten Kinder sprechen die Texte. Schlecht, doch oft gehört: Erwachsene verstellen ihre Stimmen, um kindlich zu klingen. Tipp: Jeden anklicken, der im Programm redet. Das Kind allein urteilen lassen!

  • Beinharter Leistungstest
    Farben erkennen, vierte Aufgabe von fünf. Auf Rot statt auf Grün geklickt: „Hähähä“, sagt das grinsende Blumengesicht, „das war falsch! Beginne von vorn!“ Und zwar bei Aufgabe 1, nicht bei 4. Tipp: Das Programm gleich zum Teufel jagen!

  • Malprogramm
    Mit Maus-Kritzeleien am Bildschirm machen viele Kinder ihre ersten Computer-Erfahrungen. Lassen sich die Vorlagen schwarzweiß ausdrucken? Buntstifte sind immer noch beliebter als Computer-Mäuse. Tipp: Dem Test-Kind gezielt Mal-Anregungen geben, um heraus zu finden, ob es mit der Pinsel- und Farbensteuerung klar kommt!

  • Voll abgestürzt
    Drei Rechtsklicks, wilde Klopf-Kaskaden von asdf bis jklö, als krönender Abschluss eine schwungvolle Links-Rechts-Kombination auf der Leertaste - ist die Software abgestürzt? Tipp: Kinder sind knallharte Tester - machen lassen!

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