Lexikon
Afghạnistan
Bürgerkrieg, Talibanregime und Neuordnung
Die Mudjaheddin stürzten 1992 das moskautreue Najibullah-Regime. Kriegerische Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppierungen verhinderten eine politische Stabilisierung. Unübersichtliche Machtkonstellationen und Zweckbündnisse gegnerischer Kräfte ließen das Land im Chaos versinken. Kabul wurde völlig zerstört.
1996 eroberten die fundamentalistischen Taliban, die 1994 in das Bürgerkriegsgeschehen eingegriffen hatten, Kabul und proklamierten einen islamischen Gottesstaat. Der Taliban-Führer Mohammed Omar ließ sich zum Beherrscher der Gläubigen ausrufen. Bis 1998 kontrollierten die Taliban fast das ganze Land, das außenpolitisch isoliert blieb. Die fortdauernde Duldung des islamischen Extremisten Usama Bin Ladin im Herrschaftsbereich der Taliban führte zum Konflikt mit den USA. Dieser eskalierte nach den Terroranschlägen vom Elften September 2001, als sich Afghanistan weigerte, Bin Ladin auszuliefern. Das Taliban-Regime wurde durch eine Militäroffensive unter Führung der USA gestürzt. Die internationale Sicherheitsunterstützungstruppe ISAF unter Beteiligung von Bundeswehrsoldaten sollte innenpolitische Stabilität garantieren. 2004 wurde eine neue Verfassung verabschiedet. Im gleichen Jahr wählte die Bevölkerung Hamid Karzai zum Präsidenten. 2005 konnten auch Parlamentswahlen stattfinden. Die Sicherheitslage instabil, da die Taliban insbesondere im Südosten des Landes an neuer Stärke gewannen.
Seit 2006 nahmen Terroranschläge und militärische Auseinandersetzungen deutlich zu. Zur Verstärkung der ISAF entsandte Deutschland 2007 Tornado-Aufklärungsflugzeuge nach Afghanistan. Um das Erstarken der Taliban zu verhindern, wurden mehrere Militäroffensiven durchgeführt. 2008 beschloss eine internationale Afghanistankonferenz in Paris weitere Aufbauhilfen für das Land. Die Präsidentschaftswahlen im August 2009 waren von zahlreichen Unregelmäßigkeiten begleitet. Nach vorläufigen Ergebnissen konnte Amtsinhaber Karzai rd. 55 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Aufgrund von Betrugsvorwürfen erklärte die Wahlbeschwerdekommission nach langwieriger Prüfung Hunderttausende von Stimmen für ungültig. Schließlich wurde für Karzai ein Stimmenanteil von 49,67 Prozent ermittelt. Die Wahlkommission setzte für den 7. November 2009 einen Stichentscheid zwischen Karzai und dem stärksten Herausforderer, dem früheren Außenminister Abdullah Abdullah, an. Dieser erklärte seinen Verzicht auf die Stichwahl, da er deren ordnungsgemäße Durchführung als nicht gesichert ansah. Daraufhin wurde Karzai zum Wahlsieger erklärt. Im Dezember 2009 beschloss die amerikanische Regierung eine massive Aufstockung ihrer Truppen. Nach dem Rücktritt von General S. A. McChrystal übernahm im Juli 2010 General D. H. Petraeus das Kommando über die amerikanischen Verbände und die ISAF-Truppen in Afghanistan. Die am 18. 9. 2010 durchgeführten Parlamentswahlen wurden von zahlreichen blutigen Anschlägen überschattet.
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