Lexikon

Kommunịsmus

[
lateinisch communis, „gemeinsam“
]

Kommunismus und marxistische Theorie

Eine neue intellektuelle und politisch-soziale Dynamik entwickelte kommunistische Ideen im modernen Industriekapitalismus des 19. Jahrhunderts. Es entstanden neue Massenbewegungen in Gestalt von Gewerkschaften, Genossenschaften und politischen Parteien, die eine Vielzahl von Konzepten und Strategien hervorbrachten, um die privatwirtschaftliche Organisation des Kapitalismus mit seinen Ausbeutungs- Entfremdungs- und Verelendungsprozessen abzuschaffen oder zu humanisieren.
Die weit reichenden theoretischen und politischen Grundlagen legten K. Marx und F. Engels mit der Gründung des „Bundes der Kommunisten“(1847), der Formulierung des „Kommunistischen Manifestes“ (1848) und der Entwicklung des marxistischen Lehrgebäudes. Nach der marxistischen Lehre ist die Geschichte seit dem Altertum eine Abfolge von Klassenkämpfen zwischen den arbeitenden bzw. besitzlosen Klassen einerseits und den über die materiellen Produktionsmittel (Grund und Boden, Maschinen und Industrieanlagen) verfügenden Ausbeuterklassen andererseits. Die letzte große Zuspitzung der Klassenkämpfe ist nach dieser Auffassung der Kampf der besitzlosen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoisie.
Im Kapitalismus breite sich – so die Auffassung von Marx – immer deutlicher eine Tendenz zur zunehmenden Konzentration von Kapital in den Händen weniger aus und dieser Prozess gehe einher mit der fortschreitenden Verelendung der in großen Fabriken zusammengepressten Arbeitermassen. Diese, aus ihren traditionellen Lebensverhältnissen herausgerissenen und gewaltsam in Lohnarbeitsverhältnisse gezwungenen Massen, würden die politische Macht ergreifen, eine Diktatur des Proletariats errichten, die privaten Kapitalisten enteignen und die Produktionsmittel in den Händen des Staates konzentrieren. Der Staat würde nach der Aufhebung der Klassengegensätze allmählich absterben und die Koordination des gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozesses sowie die Verwaltung der dazu notwendigen Produktionsmittel würde in die Hände der freien Assoziation der Produzenten übergehen. Anfangs, in der „sozialistischen“ Phase, werde es noch eine Entlohnung nach Arbeitsleistung geben, erst in der endgültigen „kommunistischen“ Gesellschaft werde das Prinzip „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“ gelten. Auch Marxismus.
  1. Einleitung
  2. Utopischer Gesellschaftsentwurf
  3. Kommunismus und marxistische Theorie
  4. Etablierung des Kommunismus als Herrschaftsform
  5. Die Entwicklung der kommunistischen Herrschaftssysteme nach dem 2. Weltkrieg
  6. Ende des Sowjetkommunismus
  7. Ausblick
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