Lexikon
Papsttum
Mittelalter
Unter Gregors Nachfolgern gewannen die oströmischen Kaiser beherrschenden Einfluss auf Papsttum und Kirche. Nach längerer Abhängigkeit von Byzanz verbündete sich das Papsttum im 8. Jahrhundert mit den Franken. Die durch Bonifatius reorganisierte fränkische Kirche fand zum engen Anschluss an Rom zurück, der Kirchenstaat wurde durch die Schenkung Pippins des Jüngeren und seiner Nachfolger definitiv begründet. Die Kaiserkrönung Karls des Großen durch Papst Leo III. leitete eine Phase großer politischer Macht der Päpste ein. Nach Untergang des karolingischen Reichs geriet die Besetzung des päpstlichen Amtes in die Hände rivalisierender römisch-italienischer Adelsparteien. Eine Wende bedeutete das Eingreifen Ottos I., den Papst Johannes XII. 962 zum Kaiser krönte. In den folgenden Jahrzehnten hatten die deutschen Kaiser die Oberhoheit über das Papsttum: Otto II., Otto III., Heinrich II. bis zu Heinrich III. Erst die Verbindung des zur Kirchenreform entschlossenen deutschen Kaisertums mit der von Cluny ausgehenden innerkirchlichen Reformbewegung setzte eine grundlegende Erneuerung durch. Das Mitspracherecht des Kaisers wurde zurückgedrängt, die Papstwahl ausschließlich den Kardinälen übertragen, die Organisation der Kurie ausgebaut. Gregor VII. beanspruchte den Vorrang des Papsttums vor jeder weltlichen Gewalt. Der Investiturstreit beendete das Miteinander von Papst und Kaiser an der Spitze der Christenheit. Zur inneren Verfestigung der abendländischen Kirche trug auch die endgültige Verselbständigung der Ostkirche (1054) bei. Die vom Papst geführte Kirche des Westens verstand sich nun als die „katholische“ Kirche schlechthin; an die Stelle der alten ökumenischen Konzile traten die Synoden der abendländischen Bischöfe unter dem ausschließlichen Vorsitz des Papstes.
Die Höhe seiner weltlichen Macht erreichte das Papsttum unter Innozenz III. Papst Bonifatius VIII. vertrat noch einmal den päpstlichen Weltherrschaftsanspruch, konnte aber den Niedergang nicht aufhalten. Politisch wurden die Päpste von den französischen Königen entmachtet, sie mussten Rom verlassen und residierten 1309–1376 in Avignon („Babylonische Gefangenschaft der Kirche“). Das Große Abendländische Schisma (1378–1417), während dessen zeitweise drei rivalisierende Päpste einander gegenüberstanden, erschütterte die päpstliche Autorität vollständig. Die Reaktion hierauf war das Vordringen des Konziliarismus. Seine Anhänger vertraten die Oberhoheit des Konzils über den Papst. Das vom deutschen Kaiser Sigismund einberufene Reformkonzil von Konstanz (1414–1418) schien den Sieg des Konzilsgedankens zu bedeuten. Trotzdem gelang es dem vom Konzil gewählten Martin V. und seinem Nachfolger Eugen IV., die Primatsidee erneut durchzusetzen und damit eine historische Entwicklung einzuleiten, die im Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit (1870) ihren Abschluss fand.
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