Lexikon
Papsttum
Neuzeit
Die Renaissance bedeutete für das Papsttum eine Zeit höchsten weltlichen Glanzes. Von Nikolaus V. bis Paul III. war die Residenz der Päpste das erste geistige und künstlerische Zentrum Italiens und Europas. Julius II. erreichte durch die Konsolidierung des Kirchenstaats einen großen politischen Erfolg. Dabei traten allerdings seit Sixtus IV. die geistlichen Aufgaben ganz hinter weltliche Interessen zurück. Das Konzil von Trient (1545–1563) stärkte die Stellung des Papstes und schuf die Grundlagen für die innere Erneuerung der Kirche. Seit dem 17. Jahrhundert wurde die weltliche Machtstellung des Papsttums immer schwächer; die Französische Revolution schien seinen Niedergang zu besiegeln. 1809 löste Napoleon I. den Kirchenstaat auf, der 1815 auf dem Wiener Kongress wiederhergestellt, 1870 aber endgültig aufgehoben wurde. Auf dem 1. Vatikanischen Konzil (1869/1870) reagierte das Papsttum auf das Schwinden seiner Macht mit einem Ausbau des päpstlichen Zentralismus, der seinen Ausdruck in der Verkündung des Dogmas von der päpstlichen Unfehlbarkeit fand. 1929 entstand durch die Lateranverträge mit dem faschistischen Italien der Vatikanstaat. Der Fundamentalismus und Autokratismus des Papsttums in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gipfelte mit Pius XII. in der Unterlassung eines offenen Protestes gegen den nationalsozialistischen Judenmord. Johannes XXIII. leitete ab 1958 eine grundlegende Reform der katholischen Kirche ein, die sich auch mit politischen und sozialen Fragen der Gegenwart konstruktiv auseinandersetzen sollte. Das 2. Vatikanische Konzil (1962–1965) eröffnete den ökumenischen Dialog, der von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. trotz ihres kirchenpolitischen Konservatismus weitergeführt wurde bzw. wird.
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