Lexikon
Picạsso
Inbegriff der Moderne
Auch nach der 1914 erfolgten Auflösung des kubistischen Künstlerkreises experimentierte Picasso mit den geometrisch-abstrakten Möglichkeiten des Kubismus, der u. a. die formale Grundlage für seine kurzzeitige Annäherung an den Surrealismus bildete („Der Tanz“ 1925). Infolge einer ungewöhnlich reichen und impulsiven Empfindungs- und Erfindungskraft war sein Werk seit 1915 von einer beispiellosen stilistischen Vielfalt geprägt, die in Verbindung mit technischer Perfektion und der Einbeziehung nahezu aller künstlerischen Techniken Picasso zum Inbegriff der modernen Kunst werden ließ. So traten zunächst realistische Porträts („Olga in einem Sessel“ 1917) und klassizistische Darstellungen von Frauengestalten in praller Körperlichkeit („Sitzende“ 1921) neben die kubistischen Arbeiten. In diesen zeigte sich seit Mitte der 1920er Jahre eine gesteigerte Expressivität, die sich u. a. in grellen Farben und heftigen Deformierungen ausdrückte („Weinende Frau“ 1937; „Bildnis Dora Maar“ 1937). Letztere prägten auch das 1937 für den spanischen Pavillon auf der Pariser Weltausstellung angefertigte großformatige Gemälde „Guernica“, das die deutsche Bombardierung der baskischen Stadt im spanischen Bürgerkrieg anprangert. Eine Spanienreise (1934) bereicherte den Themenkreis um zahlreiche Stierkampfszenen. Die Radierfolge „Minotauromachie“ (1935) steht am Beginn zahlreicher grafischer Arbeiten des umfangreichen Spätwerks, zu denen die 1945–1949 entstandenen Lithographien, die seit 1961 in Mougins geschaffenen klassizistischen Grafiken und heiter-parodistischen Zeichnungen („Der Maler und sein Modell“ 1963-1964, ca. 70 Blätter) sowie eine 347 Blätter umfassende Radierfolge von 1968 gehören. Seit 1947 entstanden im südfranzösischen Vallauris fantasievolle Keramiken und Skulpturen. Als Maler wandte sich Picasso in einem zunehmend grafischen, kurvigen Linienstil häufig bukolischen Themen zu. Seit 1954 setzte er sich in Variationenfolgen mit der Kunst der Alten Meister (El Greco, Rembrandt, D. Velázquez, E. Delacroix) auseinander („Las Meninas“ 1957).
- Einleitung
- Die Welt in Blau und Rosa
- Die vierte Dimension
- Inbegriff der Moderne
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