Lexikon
Sünde
die Übertretung eines Sittengesetzes oder der Verstoß gegen das Gebot einer Gottheit; in vorchristlicher Zeit als Rechtsbegriff gebraucht, wurde Sünde im Laufe der Zeit zu einem der zentralen religiösen Begriffe.
In den Universalreligionen wird als Sünde eine existenzielle Unheilssituation verschiedener Art (ichhafte, ichsüchtige Existenz) angesehen, die nicht durch menschliche Handlungen kultischer oder ethischer Art aufgehoben werden kann, sondern nur durch göttliches Eingreifen in die menschliche Existenz. Im Buddhismus erfolgt die Aufhebung der Unheilssituation durch Erleuchtung, im Hinduismus durch Erkenntnis oder durch gnädige Erlösung seitens der Heilandgottheiten Vishnu oder Shiva.
Im Sprachgebrauch der Bibel ist Sünde die bewusst und frei vollzogene Abkehr von Gott im Ungehorsam gegen sein Wort und seinen Willen (Tatsünde); gleichzeitig die seinen Geboten widersprechende Vergötzung des Geschöpflichen. Da Gott das Heil des Menschen ist, führt die Sünde zum Verlust des Heils und damit zur Gottesferne. (Erbsünde).
Nach der katholischen Lehre werden durch die Taufe alle Sünden getilgt, nicht aber die böse Neigung (Konkupiszenz). Durch erneute Tatsünde erstirbt das in der Taufe geschenkte göttliche Leben, soweit es sich um schwere Sünden (Todsünden) handelt, jedoch nicht durch sog. lässliche Sünden.
Das evangelische Verständnis von Sünde geht von dem schon im Sündenfall sichtbar werdenden Widerspruch des Menschen gegen Gott aus und unterscheidet nicht zwischen lässlichen und Todsünden. Jegliche Art von Sünde lässt den Menschen ganz vor Gott verfallen. Das Erscheinungsbild der Sünde ist Unglaube und Selbstsucht im Verhältnis zu den Mitmenschen. Nur der Glaube an Gottes in Christus offenbarte Liebe bewirkt Vergebung und Leben.
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