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LEXIKON

Yorck von Wartenburg

Ludwig Graf, preußischer Feldmarschall, * 26. 9. 1759 Potsdam,  4. 10. 1830 Klein-Oels bei Breslau; Großvater von Paul Graf Yorck von Wartenburg; führte 1812 das preußische Hilfskorps im russischen Feldzug Napoleons. Ohne Ermächtigung des preußischen Königs schloss er am 30. 12. 1812 die Konvention von Tauroggen mit dem russischen General I. I. von Diebitsch. In der Ständeversammlung am 5. 2. 1813 in Königsberg rief er Ostpreußen zur Erhebung gegen Napoleon auf und gab damit das Zeichen zu den Befreiungskriegen.
Yorck von Wartenburg, Ludwig Graf
Ludwig Graf Yorck von Wartenburg
Yorck wechselt die Fronten
Yorck wechselt die Fronten
Die Neutralitätserklärung General Ludwig Yorcks von Wartenburg am 30. 12. 1812 für die ihm unterstehenden preußischen Truppen bedeutet das Ausscheiden Preußens aus der erzwungenen Allianz mit dem napoleonischen Frankreich. Yorck handelte ohne jede Rücksprache mit seinem König Friedrich Wilhelm III., demgegenüber er sich in einem Brief wegen dieser "Ungeheuerlichkeit" rechtfertigt. Er versucht, seinen Herrscher für einen Krieg gegen Frankreich zu gewinnen::

Ew. Königl. Majestät Monarchie ... ist es jetzt vorbehalten, der Erlöser und Beschützer ihres und aller deutschen Völker zu werden ... Der Zeitpunkt muss aber schnell benutzt werden. Jetzt oder nie ist der Moment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wiederzuerlangen, ohne zu große und zu blutige Opfer bringen zu müssen. In dem Ausspruch Ew. Majestät liegt das Schicksal der Welt ... Der Furchtsame will ein Beispiel, und Österreich wird dem Weg folgen, den Ew. Majestät bahnen.

Ew. Königl. Majestät kennen mich als einen ruhigen, kalten, sich in die Politik nicht einmischenden Mann. Solange alles im gewöhnlichen Gange ging, musste jeder treue Diener den Zeitumständen folgen; das war seine Pflicht. Die Zeitumstände aber haben ein ganz anderes Verhältnis herbeigeführt, und es ist ebenfalls Pflicht, diese nie wieder zurückkehrenden Verhältnisse zu benutzen. Ich spreche hier die Sprache eines alten treuen Dieners; und diese Sprache ist die fast allgemeine der Nation. Der Ausspruch Ew. Majestät wird alles neu beleben und enthusiasmieren; wir werden uns wie alte echte Preußen schlagen, und der Thron Ew. Majestät wird für die Zukunft felsenfest und unerschütterlich dastehen.
Ich erwarte nun sehnsuchtsvoll den Ausspruch Ew. Majestät, ob ich gegen den wirklichen Feind vorrücke, oder ob es die politischen Verhältnisse erheischen, dass Ew. Majestät mich verurteilen. Beides werde ich mit treuer Hingebung erwarten, und ich schwöre meiner Ew. Majestät, dass ich auf dem Sandhaufen [Füsilierungsort] ebenso ruhig wie auf dem Schlachtfelde, auf dem ich grau geworden bin, die Kugel erwarten werde."
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