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Mont Blanc – Ewiger Streit um den höchsten Gipfel Europas

Der Berg

Foto: Dr. Alexander Stahr

Woran denken Sie beim Mont Blanc? An den höchsten Berg Frankreichs, der Alpen oder gar Europas? Mit 4807 Metern ist der Savoyer Granitriese unbestritten der höchste Berg der Alpen. Aber Europas? Viele Zeitgenossen bezweifeln diesen Status des “Weißen Berges“. Sie behaupten, der 5642 Meter hohe Elbrus, der “König des Kaukasus“, sei Europas höchster Punkt.

Ein ewiger Streit wo hört Europa auf? Geologisch gesehen ist das Problem aber ganz einfach: Weder Mont Blanc noch Elbrus sind die höchsten Berg Europas. Denn es gibt nur einen großen Kontinent “Eurasien“, der sozusagen auf der Eurasischen Lithosphärenplatte “sitzt“. Europa ist folglich kein Kontinent im eigentlichen Sinn, sondern eine politisch-kulturelle Einheit, ein künstliches Produkt. Den höchsten Berg Eurasiens müsste man vielleicht irgendwo unter den Sechstausendern im chinesischen Nanschan-Gebirge suchen. Womöglich könnte sogar der Mount Everest der höchste Berg Europas bzw. Eurasiens sein, wenn er noch auf der entsprechenden Platte liegt.

Sicher allerdings ist, dass der Mont Blanc seine Entstehung den ewig fortwährenden Bewegungen der Lithosphärenplatten zu verdanken hat. Er ist ein junger Berg aus altem Gestein und wurde gleich zweimal geboren. Vor rund 300 Millionen Jahren kollidierten zwei Riesenkontinente, Laurentia und Gondwana sowie mehrere kleine Platten zum Superkontinent Pangäa, wodurch die gewaltige Kette des variskischen Gebirges entstand. Im Zuge der Plattenkollisionen entwickelten sich Subduktionszonen, entlang derer Magma aufstieg.

Magma, das in der Erdkruste stecken blieb, konnte langsam abkühlen und zu grobkristallinem Granit werden. Aus einem solchen Granit besteht der Mont Blanc. Manche Kristalle des variskischen Mont Blanc-Gesteins sind bis zu sechs Zentimeter groß! Das Wort “variskisch“ geht übrigens auf die Varisker zurück, einem suevischen Volksstamm, der um Curia Variscorum siedelte - dort wo heute die Stadt Hof in Bayern liegt.

Das variskische Gebirge war schon vor 250 Millionen Jahren wieder nahezu abgetragen. Pangäa zerbrach und es entstand die Tethys, das Meer, das zum Geburtsschauplatz der Alpen werden sollte. Der Granit des Mont Blanc und seine ältere Überdeckung senkten sich ab und wurden mit Meeressedimenten bedeckt. Nachdem die Tethys im Zug der alpidischen Gebirgsbildung verschwunden war und die Alpen samt den variskischen Gesteinen im Tertiär aufzusteigen begonnen hatten, sorgte die Erosion dafür, dass der Granit schließlich von all seinen “Gesteinsmänteln“ befreit wurde. Heute ragt er als einer von ganz tief unten weit oben als Mont Blanc in den Himmel. Den letzten Schliff gaben ihm die eiszeitlichen Gletscher.

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