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Nazaré: Ein Wellenparadies an der Westküste Portugals

Ein verschlafenes Fischerdörfchen knapp 110 Kilometer nördlich von Lissabon zieht im Winter mit seinen mächtigen Wellen Tausende von Besuchern an. Da sind Adrenalinjunkies natürlich nicht weit: Jährlich findet in Nazaré die Big Wave Challenge statt, bei der von Wassersportlern sogar Weltrekorde im Surfen der höchsten Welle aufgestellt werden. Doch wo haben die Riesenwellen ihren Ursprung?
JFR, 13.01.2022

Badeort Nazaré an der portugiesischen Atlantikküste.

GettyImages, xro

Beim Wellenreiten denken viele sofort an Hawaii oder die australischen Strände. Doch auch an der Atlantikküste Europas brechen zu bestimmten Zeiten im Jahr mächtige Wellen. Im portugiesischen Küstenort Nazaré beginnt die Monsterwellensaison im November und endet im Februar. Am 18. Januar 2018 bezwang die Surferin Maya Gabeira dabei eine Welle mit einer Höhe von 20,72 Metern und sicherte sich damit einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde für größte von einer Frau gesurften Welle.

Die Wellenmacher liegen tief am Meeresgrund

Der Ursprung der für die europäische Atlantikküste ungewöhnlich hohen Wellen ist auf den Nazaré-Canyon zurückzuführen: Vor der Küste liegt eine Unterwasserschlucht mit einer Tiefe von bis zu 5.000 Metern und einer Länge von 230 Kilometern, die fast senkrecht zur portugiesischen Küste verläuft. Dabei ist der Unterwasser-Canyon weit draußen im Meer mit etwa 7,5 Kilometern am breitesten und verengt sich zur Küste hin immer weiter auf wenige 100 Meter. Dadurch ist der Nazaré-Canyon wie ein Trichter geformt, dessen Öffnung in der Tiefsee beginnt und dessen Ende einen Kilometer vor der Küste liegt.

Vor allem im Winter wird das Wasser von Wind und Gezeiten vom offenen Meer in Richtung Küste gedrückt. Der Unterwasser-Canyon bricht die Wellenfront der heranbrandenden Wassermassen auf. Durch die seitlich enger werdenden Seitenwände der Unterwasserschlucht staut sich das Wasser weiter und es entstehen Wellen, die bis zu 30 Metern Höhe erreichen.

Allerdings ist der Nazaré-Canyon aufgrund seiner Unzugänglichkeit bisher kaum erforscht – das Tauchen in ihm kann lebensgefährlich sein. Denn die in der Unterwasserschlucht herabstürzenden Wassermassen können Geschwindigkeiten bis 100 Stundenkilometern erreichen. Man sagt nicht umsonst, der Weltraum sei besser erforscht als unsere Ozeane.

Das nördlich des Ortskerns gelegene Forte de São Miguel Arcanjo bietet eine exzellente Aussicht auf die heranrollenden Riesenwellen.

GettyImages, Neorodan

In Nazaré werden Weltrekorde gebrochen

Doch die Wellen allein machten aus Nazaré noch keine Touristenattraktion. Nazarés Berühmtheit als Surf-Hotspot begann 2009, als ein engagierter Bürgermeister die professionellen Surfer in das Fischerdörfchen lockte und prompt ein Weltrekord aufgestellt wurde: Garret McNamara ritt am 1. November 2011 eine 23,77 Meter hohe Welle und machte Nazaré mit seinem Eintrag für die höchste von einem Mann gesurfte Welle ins Guinnessbuch der Rekorde international bekannt. Dieser Rekord wurde erst sechs Jahre später, am 8. November 2017, von Rodrigo Koxa mit einer 24,38 Meter hohen Welle gebrochen.

Maya Gabeira ritt im Februar 2020 eine 22,40 Meter hohe Welle und brach damit ihren eigenen Weltrekord für die höchste von einer Frau gesurfte Welle aus dem Jahr 2018. Rekorde werden übrigens nur offiziell anerkannt, wenn die Jury der World Surf League (WSL) Aufnahmen besitzt, anhand derer die Wellenhöhe bestimmt werden kann.

Riesenwellen mit Surfern und Jetski-Begleitung

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Ein Paradies mit Schattenseiten

Doch so viel Ruhm und Rekorde der Wellentourismus Nazaré auch eingebracht haben mag. Es gibt immer eine Kehrseite der Medaille: "Witwenmacher" werden die Wellen an der portugiesischen Küste von den Einheimischen Nazarés genannt. Mit "Biest" haben die Wassersportler für die Gefahr ihre eigene Bezeichnung gefunden. Nachdem der Surfer Alex Botelho 2020 bei einem Surfunfall in den Wellen vor Nazaré beinahe sein Leben verlor, wurde der Ruf nach besseren Sicherheitsstandards lauter.

Die Surfer werden seither von mindestens zwei Jetski-Fahrern begleitet, die jederzeit bereit sind, auf den hinter den Jetskis befestigten "Sleds" verunglückte Surfer aus dem Wasser zu ziehen. Sie haben dabei Unterstützung von den sogenannten Spottern, die von einem erhöhten Standpunkt aus über Walkie-Talkies mit den Jetski-Fahrern kommunizieren und den Standort der Surfer durchgeben können.

Vor allem der Surfer Sebastian Steudtner, der selbst zweimal den XXL Big Wave Award gewonnen hat, setzt sich als Mitbegründer und Präsident der Nazaré Surf Rescue Association (NSRA) für eine Verbesserung der Sicherheitsstandards ein. Kameramann Alexander Triebel begleitet die Surfer von Nazaré auf einem Jetski bei ihrem Wellenritt mit der Kamera und erzählt in einem Interview: "Er (Sebastian Steudtner) ist auch der einzige Surfer, der bei seinen Sessions einen Militärarzt mit Defibrillator und anderem Erste-Hilfe-Equipment am Strand bereitstehen hat."

Steudtner arbeitet eng mit dem heutigen Bürgermeister von Nazaré zusammen, um die Sicherheit der Profisportler zu gewährleisten und einen weiteren Rekord Nazarés zu halten: Im Gegensatz zu anderen Surfspots ist hier noch kein Wellenreiter ums Leben gekommen.

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