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Sternenhimmel im Juni 2015

Der Juni bringt uns die Sommersonnenwende und damit den längsten Tag des Jahres. In der kurzen Nacht aber lohnt sich auch ein Blick an den Himmel. Denn dort haben Venus und Jupiter ein Rendezvous und das Sommersternbild Schwan schwingt sich in diesen Wochen zu neuer Höhe auf. Ab Ende Juni können wir zudem das faszinierende Phänomen der leuchtenden Nachtwolken besonders gut beobachten.
NPO

Sommersonnenwende über Stonehenge

Pipop Boosararkumwandi, thinkstock.com

21. Juni: die Sommersonnenwende

Am 21. Juni erleben wir die Sommersonnenwende – ein schon für unsere Vorfahren wichtiges Himmelsereignis. Sie bestimmten diesen Tag mit Hilfe von Steinzeit-Observatorien wie Stonehenge. Auch die berühmte Himmelsscheibe von Nebra aus der Bronzezeit könnte zur Markierung der Sonnenwenden gedient haben. Und auch später richteten viele Kulturen ihre Bauwerke und Anlagen nach der Richtung des Sonnenaufgangs zur Sommersonnenwende aus – darunter ist auch der Garten des indischen Taj Mahal.

Was aber macht die Sommersonnenwende so besonders? Am 21. Juni steht die Sonne bei uns mittags so hoch am Himmel wie zu keiner anderen Zeit im Jahr. Und sie scheint auch länger als an jedem anderen Tag. Rechnet man die Phasen der Dämmerung mit hinzu, ist es bei uns nur noch knapp drei Stunden richtig stockdunkle Nacht. In weiten Teilen Skandinaviens geht die Sonne an diesem Tag überhaupt nicht unter – es scheint die Mitternachtssonne.

Ab der Sommersonnenwende geht es dann allerdings wieder bergab mit der Tageslänge: Bis zum 21. Juni werden die Tage allmählich immer länger, nun jedoch kehrt sich diese Entwicklung um – jetzt werden die Tage unerbittlich wieder kürzer. Trotzdem beginnt an diesem Tag nach astronomischer Rechnung bei uns der Sommer.

Das Sommersternbild Schwan und seine Nachbarn.

Stellarium

Sternbilder: Der Schwan steigt auf

Unter den Sternen nehmen die Sommersternbilder nun immer mehr Raum am Himmel ein. Im Osten steigt nun Cygnus, der Schwan, immer höher, gefolgt von schräg unter ihm fliegenden Sternbild Adler. Ihre hellsten Sterne Deneb und Atair bilden mit dem Hauptstern des Sternbilds Leier, der Wega, das Sommerdreieck.

Der Schwan wird wegen seiner gut erkennbaren Kreuzform manchmal auch Kreuz des Nordens genannt. Er scheint ziemlich genau auf dem hellen Band der Milchstraße entlang zu fliegen.  Von einem dunklen Ort aus lässt sich unter den Schwingen des Schwans ein dunkleres Band in der Milchstraße beobachten. Dieses "Cygnus Rift" wird durch ein Staubfilament in unserer kosmischen Nachbarschaft verursacht, das das Licht der dahinterstehenden Sterne verdeckt. Den Kopf des Schwans bildet ein interessantes Doppelsystem: Albireo besteht aus einem bernsteinfarbenen und einem blaugrünen Stern, die mit einem kleinen Teleskop zu erkennen sind.

Planeten: Rendezvous von Venus und Jupiter

Im Juni sind die beiden größten Planeten, Jupiter und Saturn, besonders gut zu sehen. Der Saturn leuchtet fast die ganze Nacht im Süden, während der Gasriese Jupiter in der ersten Nachthälfte im Westen strahlt. Dort kommt der zweithellste Planet am Himmel der Venus, dem "Abendstern" immer näher.

Am 19. und 20. Juni gibt es abends am Westhorizont ein besonderes Stelldichein zu sehen: Venus, Jupiter und die schmale Mondsichel bilden dann ein Dreieck. Einige Tage später, am 30. Juni, haben die beiden Planeten ihre engste Zusammenkunft: Sie stehen nun so eng, dass ihr Licht fast zu einem Punkt zu verschmelzen scheint. Dabei erscheinen beide Planeten fast gleich groß, denn der Jupiter ist zwar erheblich größer als die Venus, ist aber auch sehr viel weiter von uns entfernt.

Am 20. Juni bilden Mond, Venus und Jupiter ein schönes Dreieck am Westhorizont.

Stellarium

Leuchtende Nachtwolken

Ab der zweiten Junihälfte und noch bis in den Juli hinein, lässt sich bei uns ein besonderes Himmelsphänomen gut beobachten: die leuchtenden Nachtwolken. Diese silbrig schimmernden Wolken heben sich deutlich vom sonst dunklen Nachthimmel ab. Sie stehen in der Regel eher niedrig über dem Horizont und sind besonders oft unterhalb des Sterns Kapella im Fuhrmann zu sehen.

Die Färbung der leuchtenden Nachtwolken hängt vom Sonnenstand ab und reicht von gelb bis silbrig-perlmuttartig.

Die leuchtenden Nachtwolken entstehen, weil das Licht der schon unter dem Horizont stehenden Sonne durch Eiswolken hoch in der Atmosphäre reflektiert wird. Weil die roten und gelben Anteile des Licht dabei fast völlig geschluckt werden, erscheinen die Wolken in bläulichem oder silbernem Licht.

 

NPO, 01.06.2015

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