wissen.de
Total votes: 7
wissen.de Artikel

Sternenhimmel im Mai 2019

Leuchtende Nachtwolken, blaue Stunde und Sternschnuppen vom Halleyschen Kometen

Der Mai lässt die Nacht schrumpfen: Bei uns wird die blaue Stunde der Dämmerung immer länger und im hohen Norden beginnt die Zeit der Mitternachtssonne. Dennoch gibt es auch am Nachthimmel einiges zu sehen: Anfang des Monats regnet es Sternschnuppen vom Kometen Halley und in der Dämmerung können wir das Phänomen der leuchtenden Nachtwolken bestaunen.

So langsam naht der Sommer – nicht nur in Bezug auf die Temperaturen. Denn auch die Dauer der Nacht nimmt immer weiter ab. Anfang Mai dauert die Dunkelheit in Deutschland nur noch etwa sechs bis sieben Stunden, Ende Mai sind es auf der Höhe von Berlin nur noch vier Stunden. Gleichzeitig wird die Dämmerung immer länger: Es dauert nun abends schon mehr als zwei Stunden bis es richtig finster wird.

Blaue Stunde und weiße Nächte

Dadurch können wir nun die "blaue Stunde" besonders gut auskosten – die Phase, in der die Sonne nur vier bis acht Grad unter dem Horizont steht und dadurch noch schwaches Restlicht den Himmel erhellt.  Dieses Licht lässt den Himmel tiefblau erscheinen, weil seine roten und gelben Anteile auf dem schrägen Weg durch die Erdatmosphäre von der Ozonsicht absorbiert werden. Fotografen nutzen diese Zeit besonders gern für Aufnahmen, weil der blau schimmernde Himmel jetzt das  

Kunstlicht von Gebäuden oder Straßen besonders gut hervorhebt.

Jetzt im Mai beginnen auch die Weißen Nächte – die Zeit, in der es in vielen Gegenden Nordeuropas selbst mitten in der Nacht nicht mehr völlig dunkel wird. Berühmt sind diese Nächte mit silbrig schimmerndem Restlicht aus Sankt Petersburg. Aber auch in Norddeutschland wird es ab Ende Mai nicht mehr vollständig dunkel. Noch weiter im Norden hat sogar schon die Zeit der Mitternachtssonne begonnen: In Lappland und dem äußersten Norden Skandinaviens geht die Sonne schon jetzt nicht mehr unter.

Münchner Frauenkirche zur Blauen Stunde.
Die Münchner Frauenkirche zur Blauen Stunde.

Sternschnuppen vom Halley'schen Kometen

Jedes Jahr Anfang Mai durchfliegt die Erde die Staubreste des vermutlich bekanntesten Kometen überhaupt – des Halley'schen Kometen. Dieser eisige Brocken kehrt alle 76 Jahre in das innere Sonnensystem zurück und leuchtet dann sogar mit bloßem Auge sichtbar am Himmel. Zuletzt war er im Jahr 1986 in Erdnähe. Doch auch wenn der Komet momentan wieder sehr weit von uns entfernt seine Bahn zieht – die Relikte seiner letzten Passage sind geblieben und bescheren uns Anfang Mai den Sternschnuppenregen der Eta-Aquariden.

Der Höhepunkt des Meteorschauers liegt in diesem Jahr am 6. Mai – in dieser Nacht können 60 bis 80 Sternschnuppen pro Stunden fallen. Aber auch in den vier Tagen davor und danach lohnt ein Blick in den Himmel. Denn auch dann können wir mit ein wenig Glück noch rund 30 Sternschnuppen beobachten. Vorteilhaft in diesem Jahr: Weil am 5. Mai Neumond ist, sind diese Nächte besonders dunkel und weitgehend mondlos.

Besonders gut zu sehen sind die Meteore am frühen Morgen kurz vor Sonnenaufgang. Denn die Sternschnuppen haben ihren scheinbaren Ursprung im Sternbild des Wassermanns und das steigt erst gegen 02:00 Uhr nachts über den Horizont.

Halleyscher Komet vor Milchstraße
Die Reste, die der Halleysche Komet auf seiner Bahn hinterlässt, sind für zwei Meteorströme verantwortlich, nämlich für die Orioniden, die im Oktober eines jeden Jahres zahlreich auftreten, und die Eta-Aquariiden im Mai.

Leuchtende Nachtwolken am Abendhimmel

Jetzt im Mai beginnt die beste Zeit, um ein besonderes Phänomen des Nachthimmels zu bestaunen – die leuchtenden Nachtwolken. Sie erscheinen ein bis zwei Stunden nach Sonnenuntergang und auch nur in einem engen Bereich zwischen dem 50. und 65. Breitengrad: silbrig schimmernde Wolken, die sich hell vom sonst dunklen Nachhimmel abheben. In geisterhaft bläulichem Licht erscheinen Wellen, Ringe oder Bänder und dünne Silberschleier legen sich vor den Sternenhimmel.

Die leuchtenden Nachtwolken lassen sich über Deutschland in den Monaten Mai bis Juli besonders häufig beobachten. Sie erscheinen in dieser Zeit durchschnittlich in jeder fünften Nacht.  Ihren Ursprung hat das Phänomen in Eiskristallen, die 80 bis 85 Kilometer hoch in der Atmosphäre schweben. Sie werden kurz nach Sonnenuntergang von der schon unter dem Horizont stehenden Sonne angestrahlt. Weil die roten und gelben Anteile des Sonnenlichts auf dem Weg durch die Atmosphäre fast völlig absorbiert werden, schimmern die Nachtwolken meist in bläulichem oder silbernem Licht.

Interessant auch: In den letzten Jahren haben die leuchtenden Nachtwolken an Häufigkeit zugenommen. Forscher gehen davon aus, dass dies zumindest zum Teil eine Folge unserer Treibhausgas-Emissionen sein könnte. Denn das vermehrt freigesetzte Treibhausgas Methan wird in großer Höhe durch das Sonnenlicht zersetzt und dabei entstehen Wassermoleküle. Das Kohlendioxid dagegen führt in der Mesosphäre dazu, dass mehr Hitze an den Weltraum abgegeben wird und damit die obere Atmosphäre abkühlt – es bilden sich mehr Eiskristalle.

Leuchtende Nachtwolken über Stockholm.
Leuchtende Nachtwolken

Planeten: Jupiter ist König

Nachdem in den vergangenen Monaten oft ein ganzer Planetenreigen am Morgen- oder Abendhimmel zu bewundern war, sieht es im Mai eher dünn aus: Die Venus ist nur noch ganz kurz in der Morgendämmerung am Horizont zu erahnen, der Mars leuchtet nur schwach rötlich am Abendhimmel. Etwas besser zu sehen ist der Ringplanet Saturn, der in der zweiten Nachthälfte im Süden leuchtet.

Der König des Nachthimmels ist im Mai jedoch unangefochten der Jupiter. Der Gasriese und größte Planet des Sonnensystems leuchtet Anfang Mai ab Mitternacht strahlend hell am Himmel und überstrahlt dabei alle Sterne. Ende Mai ist er schon gegen 22.00 Uhr abends im Sternbild Schlangenträger zu sehen. Mit einem kleinen Teleskop kann man am 29. Mai die Monde Io und Ganymed vor dem Jupiter vorüberziehen sehen. Der Mond Io wirft dabei einen ebenfalls gut sichtbaren Schatten auf seinen Planeten.

NPO, 03.05.2019
Total votes: 7