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What, was oder wat? Was bringt der frühkindliche Englischunterricht?

Englisch ist die Sprache des Handels, der Medien, schlichtweg der modernen Zeit. Ein großer Druck, der bis auf die Kleinsten wirkt: Inzwischen steht Englisch bereits in der Grundschule auf dem Stundenplan, der berühmt berüchtigte Zungenbrecher „the“ wird stundenlang einstudiert. Aber macht es überhaupt Sinn, den Kindern eine neue Sprache beizubringen, wenn viele weder in der eigenen Schrift- noch Aussprache sattelfest sind?

Wandtafel mit mehrsprachiger Beschriftung
Was ist das optimale Alter für das Erlernen einer Fremdsprache?

Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr  - das war lange Zeit der Glaube, wenn es um das Erlernen von Fremdsprachen geht. Noch heute geht man oft davon aus, dass das Gehirn neue Strukturen und Fähigkeiten umso besser lernt, je jünger ein Kind ist. Für viele Fertigkeiten haben Studien dies ja auch bestätigt.

Aus diesem Grunde stellten die Länder den Kernlehrplan um und von nun an hieß es schon in der Grundschule, teilweise sogar in der Vorschule: Monday 8:15 h, first class, English lesson. Eine Schweizer Linguistin der Universität Zürich hat nun jedoch in ihrer Langzeitstudie untersucht, ob sich wirklich Vorteile durch frühen Englischunterricht ergeben, oder ob er sogar Negativfolgen nach sich zieht.

Früh- und Späteinsteiger getestet

Das perfekte Alter für das Erlernen einer Fremdsprache zu ermitteln, war das Ziel der Studienleiterin Simone Pfenninger der Universität Zürich. Gilt je früher, desto besser? Oder ist es wichtiger, gefestigt in deutschem Sprach- und Schriftbild zu sein, um eine gute Lese- und Schreibkompetenz in der Fremdsprache zu entwickeln? Denn mit zunehmender Verwurzelung der Erstsprache könnte man auch einen zunehmenden Einfluss der Schriftsprache auf das Erlernen von Englisch erwarten“, erklärt Pfenninger.

Für die Studie wurden 200 zufällig ausgewählte Gymniastinnen und Gymniasten im Kanton Zürich zu Beginn der Schullaufzeit und zum Ende der Oberstufe im Lesen und Schreiben getestet. Eine Gruppe begann mit dem Fremdsprachenunterricht bereits während der Primarschule im Alter von acht Jahren, die andere erst im Alter von dreizehn Jahren in der Sekundarstufe.

Der späte Vogel fängt den Wurm?

Die Ergebnisse sind überraschend, aber eindeutig: Entgegen den Erwartungen hatten die Schüler, die schon im frühen Alter mit der Fremdsprache begannen, keinen langfristigen Vorteil. Sogar kurzfristige negative Folgen für die Erstsprache waren zu beobachten.

Noch erstaunlicher: Schon nach sechs Monaten hatten die Späteinsteiger die Früheinsteiger in vielen Bereichen eingeholt und teilweise übertroffen. Darunter fallen: Grammatikalische Korrektheit und Komplexität, Sprachfluss, Grammatikalitätsbeurteilung, sowie inhaltliche und strukturelle Aspekte des schriftlichen Ausdrucks. Lediglich in Wortschatzarbeit ließen sich die Frühlernenden nicht die Butter vom Brot nehmen. Kurz vor dem Abitur waren aber auch diese Unterschiede ausgemerzt: „Zum Zeitpunkt der zweiten Datenerhebung, kurz vor der Maturität, waren keine Unterschiede mehr bezüglich des frühen bzw. späten Einstiegs in den Fremdsprachenunterricht erkennbar“, so Pfenninger.

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