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Nelson Mandela als junger Mann in traditioneller Kleidung
Sipa Press, Paris
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Nelson Mandela saß 18 Jahre im Gefängnis Robben Island inSüdafrika
Bigstockphoto.com
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Nelson Mandela, Führer des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), und seine Frau Winnie winken ihren Anhängern nach dem Verlassen des Viktor Verstor Gefängnisses zu
Corbis-Bettmann, New York
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Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela und sein Vizepräsident Frederik Willem de Klerk nach der Amtseinführung 1994
Corbis-Bettmann, New York
Der Sohn eines Häuptlings

Nelson Mandela als junger Mann in traditioneller Kleidung
Nelson Rolihlahla Mandela wurde am 18. Juli 1918 als Sohn eines Tembuhäuptlings in Qunu in der Transkei geboren. Nach seiner Schulzeit war er Jurastudent an der Universität für Farbige von Fort Hare. Da er an einer studentischen Protestaktion - und dann auch noch in führender Position - teilgenommen hatte, wurde er bereits 1940 wieder vom Studium ausgeschlossen. Mandela ging nach Johannesburg, wo er in einer jüdischen Kanzlei als Anwaltsgehilfe arbeitete. Parallel dazu absolvierte er ein Fernstudium an der Universität von Südafrika in Pretoria, an der er 1942 einen Abschluss als Anwalt machte.
1944 schloss sich Mandela dem African National Congress (ANC) an, dessen Ziel es war, eine demokratische Gesellschaft zu errichten, in der alle Rassen gleichberechtigt zusammenleben können. Er war Mitbegründer der Jugendliga des ANC, die er 1951/52 anführte; zu diesem Zeitpunkt organisierte der ANC Massenproteste gegen die 1948 eingeleitete Apartheid. Durch gewaltfreien zivilen Ungehorsam wurden dabei die Rassengesetze bewusst übertreten. Wegen dieser Aktionen wurde Mandela, mittlerweile ANC-Vizepräsident, zu einer Bewährungsstrafe von neun Monaten verurteilt und anschließend unter einen "Bannbefehl" gestellt, was Hausarrest und das Verbot jeglicher politischer Tätigkeit bedeutete.
Untergrund und Haft
Mandela ging in den Untergrund und war maßgeblich an der Ausarbeitung der "Freiheits–Charta" des ANC beteiligt, die 1955 veröffentlicht wurde. Im Dezember 1956 wurde er - neben vielen anderen Oppositionspolitikern - des Hochverrats angeklagt; ein Vorwurf, von dem er aber freigesprochen wurde. Mandela organisierte weiterhin Widerstandskampagnen und gründete 1961 die Militärorganisation "Umkonto we Sizwe" ("Speer der Nation"), die auf Sabotageaktionen ausgerichtet war und zu deren Befehlshaber er aufstieg. 1961 wurde der ANC verboten. Daraufhin begab sich Mandela illegal ins Ausland, um in Großbritannien und in verschiedenen afrikanischen Ländern finanzielle und militärische Unterstützung für den ANC zu organisieren.

Nelson Mandela saß 18 Jahre im Gefängnis Robben Island inSüdafrika
Als er 1962 nach Südafrika zurückkehrte, wurde er verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Oktober 1963 erfolgte im "Rivonia-Prozess" (benannt nach einer Farm in Rivonia in der Nähe Johannesburgs, wo am 11. Juli 1963 acht im Untergrund lebende ANC-Führer verhaftet worden waren) eine Anklage wegen Hochverrats, Sabotage und Verschwörung. Der Prozess endete im Juni 1964 mit der Verurteilung Mandelas zu lebenslanger Haft. Im Februar 1985 bot ihm die Regierung die Freilassung unter der Bedingung an, künftig auf Gewalt zu verzichten. Mandela lehnte ab und forderte stattdessen, den ANC zu legalisieren und die Apartheid abzuschaffen. Der politische und wirtschaftliche Druck auf Südafrika nahm in den Folgejahren immer mehr zu.
Der schwierige Weg zur Demokratie

Nelson Mandela, Führer des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC), und seine Frau Winnie winken ihren Anhängern nach dem Verlassen des Viktor Verstor Gefängnisses zu
Corbis-Bettmann, New York
Am 11. Februar 1990 wurde Mandela aus der Haft entlassen. Im Folgemonat wählte ihn der mittlerweile wieder zugelassene ANC zum Vizepräsidenten, im Juli 1991 zu seinem Präsidenten. Die wichtigsten Apartheidsgesetze wurden abgeschafft, der Ausnahmezustand Mitte 1991 aufgehoben. Für politische Gefangene gab es eine Amnestie; den Emigranten, die zurückkehren wollten, wurde von der Regierung Straffreiheit zugesichert. Dafür erklärte der ANC, dass er den bewaffneten Kampf aussetze. Allerdings hielt man sich auf beiden Seiten nur bedingt an diese Absprachen. Besonders schwer lastete auf dem Land der Konflikt zwischen dem von den Xhosa dominierten ANC und der Inkatha, der politischen Organisation der Zulus. Von der Provinz Natal ausgehend, kam es zu blutigen Kämpfen zwischen den Anhängern beider Gruppierungen. Mandela und der Zuluführer Buthelezi vereinbarten schließlich einen Friedensplan, was die blutigen Auseinandersetzungen jedoch nicht beendete. Als bekannt wurde, dass die weiße Regierung die Inkatha finanziell und militärisch unterstützt hatte, platzten im Mai 1991 die Gespräche zwischen ANC und Regierung. Im September gelang jedoch die Einigung auf ein Friedensabkommen, an dem alle relevanten Parteien beteiligten. Im neugegründeten "Konvent für ein demokratisches Südafrika" wurde über eine neue Verfassung zu beraten; der Leiter der ANC-Delegation war Nelson Mandela. Diese Konferenz bestimmte den 27. April 1994 als Termin für demokratische Wahlen in Südafrika. Ein Übergangsexekutivrat und eine Übergangsverfassung sollten unterdessen die Lage stabilisieren, doch Gewalttätigkeiten zwischen rivalisierenden Organisationen der Schwarzen (besonders zwischen Inkatha und ANC) sowie zwischen weißen und schwarzen Extremisten stellten den Erfolg der Verhandlungen immer wieder infrage. Am 31. März 1994 verhängte der südafrikanische Präsident de Klerk den Ausnahmezustand. Erst am 19. April 1994 erklärte die Inkatha sich bereit, an den Wahlen teilzunehmen.
Vom Friedensnobelpreis zum Staatspräsidenten

Der südafrikanische Präsident Nelson Mandela und sein Vizepräsident Frederik Willem de Klerk nach der Amtseinführung 1994
Corbis-Bettmann, New York
Dass es in Südafrika zum Wandel von einem menschenverachtenden Apartheidsregime hin zu einem demokratischen Rechtsstaat kommen konnte, ist neben Mandela vor allem dem Weißen Frederik de Klerk zu verdanken, der seit seinem Amtsantritt 1989 als Staatspräsident auf eine nationale Aussöhnung hinarbeitete. Beide Politiker erhielten deshalb 1993 den Friedensnobelpreis. - Bei den Parlamentswahlen im April 1994 erreichte der ANC mit über 62 Prozent der Stimmen einen überwältigenden Sieg, womit Nelson Mandela am 9. Mai 1994 zum Staatspräsidenten Südafrikas gewählt wurde. Er stellte eine "Regierung der nationalen Einheit" vor, die auch Frederik de Klerk als Zweiten Vizepräsidenten einband. Im Juni 1996 trat die Nationale Partei unter de Klerk allerdings aus der Regierung aus, da sie die Notwendigkeit für eine "echte" Opposition sah. Im Februar 1997 trat die neue Verfassung in Kraft, die rechtsstaatliche Prinzipien verankerte und dem Staatspräsidenten eine dominierende Stellung, vergleichbar mit der des französischen oder des amerikanischen Präsidenten, einräumte. Als Präsident Südafrikas behielt Mandela die Westorientierung seines Landes bei, setzte aber auch deutliche Akzente, was vor allem die Rolle seines Landes auf dem afrikanischen Kontinent betraf. Schrittweise trat Südafrika aus seiner außenpolitischen Isolierung heraus und konnte sich allmählich als regionale Führungsmacht im südlichen Afrika etablieren. Gleichzeitig bemühte sich Südafrika, in afrikanischen Krisenregionen zu vermitteln. 1996 gab Mandela bekannt, dass er 1999 nicht mehr für eine Wiederwahl kandidieren werde, und zog sich langsam aus der aktiven Politik zurück. Allerdings ließ er sich nach dem Ende seiner Präsidentschaft vom königlichen Klan der Tembu zu ihrem obersten Häuptling im Bezirk von Umtat im Ostkap ernennen. Damit schloss sich für Mandela ein Kreis, da er im Alter dorthin zurückkehrte, wo er aufgewachsen war. An seinem achtzigsten Geburtstag heiratete er zum dritten Mal. Von seinen ersten beiden Ehefrauen hat Nelson Mandela sechs Kinder.
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