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Gut und bitter: der Hopfen

Er wird das „grüne Gold“ genannt und ist für das Bier neben der Gerste der entscheidende Inhaltstoff: der Hopfen. Trotz Trockenheit, Hitze und Hagel scheint die Hopfenernte 2006 viel versprechend zu werden. Und das dürfte nicht nur die Besucher des Oktoberfests freuen. Denn der Rohstoff Hopfen wird von Deutschland aus in über 100 Länder exportiert. Anbaugebiet Nummer eins für den Hopfen ist die Hallertau. Auf rund 15.000 Hektar Ackerfläche wird jährlich rund ein Viertel des weltweiten Hopfenbedarfs erzeugt.  

Bier

Hopfen

Die Pflanze

Hopfen (Humulus lupulus Linné) gehört zur Familie der Hanfgewächse (Cannabinaceae). Wie Marihuana, so ist auch der Hopfen eine zweihäusige Pflanze mit weiblichen und männlichen Blüten. Letztere werden noch vor Sommerbeginn entfernt. Denn nur die weiblichen Pflanzen bilden das Lupulin, den Hopfenzapfen, aus, der nahezu ausschließlich für die Bierherstellung verwendet wird. Ein kleiner Rest wird von der Pharmazie verarbeitet und vermarktet. Rund 40 verschiedene Zuchthopfensorten werden in Deutschland kultiviert. Pro Wurzelstock werden beim Kulturhopfen bis zu drei Triebe an Aufleitdrähten entlang geführt. Im Gegensatz dazu rankt sich der Wildhopfen an Sträuchern und jungen Bäumen nach oben. Alle oberirdischen Teile des Hopfens werden jährlich beschnitten bzw. sterben ab. Bis zu 50 Jahren können Wurzelstöcke austreiben. Aufgrund der nachlassenden Ergiebigkeit werden sie allerdings meist nach spätestens 20 Jahren ersetzt. Eine Hopfenanlage (Hopfengarten) bringt erst im dritten Jahr nach dem Setzen der Stammstöcke (Fechser) Ertrag.

Das Wachstum

Der Kulturhopfen fühlt sich am wohlsten in wasserdurchlässigen, nährstoffreichen Böden und bei guter Sonneneinstrahlung. Der Wildhopfen dagegen bevorzugt feuchte Flussauen. Unter günstigen Bedingungen wächst der Hopfen täglich bis zu 35 Zentimeter. Während der Wachstumsphase werden regelmäßig überflüssige Knospen und Triebe entfernt („Ausputzen“). Meist zum Sommerbeginn hat das Lianengewächs seine Gerüsthöhe erreicht und beginnt zu blühen. Die Blütezeit beträgt drei bis vier Wochen und reicht über die Zeit zur Ausdoldung bis hin zur Reife und schließlich zur Ernte. Die Hopfenzapfen sind dann von hellgrüner bis gelbgrüner Farbe und duften leicht bitter. 

Die Inhaltstoffe

Die aromatische weibliche Hopfenblüte, die Dolde, ist der Träger der brauwertvollen Stoffe. Durch diese entsteht nicht nur der typische Geschmack, sondern auch der schöne Schaum. Außerdem wird die Haltbarkeit der Biere durch sie erhöht. Zu den wichtigsten Inhaltsstoffe zählen ätherische Öle und die Bittersäuren Humulon und Lupulon. Ihre Kräfte entfalten die Bitterstoffe vor allem im Magen-Darm-Trakt. Sie haben eine verdauungsfördernde, leicht antiseptische Wirkung und helfen daher auch gegen nervöse Magenbeschwerden. Nicht zuletzt deswegen gilt Hopfen als altbekanntes Beruhigungsmittel und wird in vielen Tees zusammen mit Baldrian, Johanniskraut und Melisse verwendet.

Der Bierzusatz

Den Hopfen für das Bier entdeckt haben angeblich die alten Ägypter. In Vorderasien wird auch die ursprüngliche Heimat des wilden Hopfens vermutet. Nach Deutschland gelangte die Hopfenpflanze vermutlich während der Völkerwanderung. Die erste urkundliche Erwähnung des Hopfens stammt aus der Nähe von Geisenfeld (Hallertau). Kriegsgefangene Sorben sollen 736 n. Chr. die ersten Pflanzungen im heute größten Hopfenanbaugebiet der Welt angelegt haben. Bald entwickelte sich der Gerstensaft zu einem der ersten deutschen Exportartikel. Schon im 12. Jahrhundert wurde Bier aus norddeutschen Brauereien über die Hanse in die Nachbarländer ausgeführt. Seit 1516 gibt es das deutsche Reinheitsgebot. Diese erste lebensmittelrechtliche Verordnung der Geschichte legte fest, dass zum Bierbrauen nur Gerste, Hopfen und Wasser verwendet werden dürfen.

Deutschland größter Biermarkt Europas

Den ersten Boom erlebte das Brauereiwesen im ausgehenden 19. Jahrhundert. 1880 soll es in Deutschland rund 19.110 Brauereien gegeben haben. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes gab es im Jahr 2002 genau 1.279 Brauereien. Laut einer aktuellen Studie der Marktforscher von Ernst & Young ist Deutschland mit einer Bierproduktion von 106 Millionen Hektolitern im Jahr 2004 nach wie vor der größte Biermarkt Europas. Das Volumen entspricht 26 Prozent der europäischen Gesamtproduktion von 392 Millionen Hektolitern. Mit etwa 60 Millionen Hektolitern liegt Großbritannien auf dem zweiten Platz. Platz drei belegt Spanien mit einer Bierproduktion von etwa 30 Millionen Hektolitern. Europa ist der größte Biermarkt der Welt: Auf Platz zwei folgt abgeschlagen China mit einer jährlichen Bierproduktion von 250 Millionen Hektolitern, gefolgt von den USA mit 230 Millionen Hektolitern auf Platz drei.

von Michael Fischer, wissen.de
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