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Christoph Kolumbus: Ein Entdecker mit Geheimnissen

Er gilt als der Entdecker der Neuen Welt und als Wegbereiter der spanischen Eroberung Mittel- und Südamerikas. Der Mythos Christoph Kolumbus lebt - auch heute, gut 500 Jahre nach seinem Tod. Der Tag von Kolumbus' Landung in der Neuen Welt, der 12. Oktober, wird in Lateinamerika und Spanien als Kolumbustag gefeiert. Doch einiges an der Landung und der Person des Entdeckers ist bis heute rätselhaft.
NPO

Portrait von Christoph Kolumbus aus dem Jahr 1519
historisch

3. August 1492, Palos de la Frontera, Spanien: Drei Schiffe liegen im Hafen vor Anker und warten auf das Auslaufen. Sie haben Großes vor: Über den Atlantik sollen sie fahren, um den begehrten Seeweg nach Indien und China zu finden, wo angeblich Unmengen an Gewürzen, Gold und Edelsteinen auf die Seefahrer warten.

Für den 41-jährigen Christoph Kolumbus geht mit der bevorstehenden Expedition ein Traum in Erfüllung. Schon seit Jahren ist er der Ansicht, dass man die Schatzkammern Asiens erreichen kann, indem man von Spanien aus nach Westen, statt nach Süden und Osten segelt. Zu dieser Einschätzung ist er durch die Reiseberichte anderer Seefahrern und alten Überlieferungen gelangt. Und nun hat er auch das spanische Königspaar Ferdinand und Isabella davon überzeugt, dass sich eine solche Expedition lohnen könnte.

Land in Sicht

Als es am 3. August endlich losgeht, ist Kolumbus zuversichtlich. Doch die Seefahrt entpuppt sich als mühsam. Trotzdem, nach zwei Monaten und neun Tagen auf hoher See können Kolumbus und die Besatzung endlich aufatmen: „Land in Sicht“ schallt es am 12. Oktober 1492 aus dem Ausguck im Mast. „Um zwei Uhr morgens kam das Land in Sicht, von dem wir etwa acht Seemeilen entfernt waren. Wir holten alle Segel ein und fuhren nur mit einem Großsegel, ohne Nebensegel. Dann lagen wir bei und warteten bis zum Anbruch des Tages, der ein Freitag war, an welchem wir zu einer Insel gelangten, die in der Indianersprache Guanahani hieß.“, beschreibt Kolumbus in seinem Bordbuch den historischen Moment.

Kolumbus ist überzeugt davon, dass er in Indien oder zumindest doch auf einer der der Küste vorgelagerten Inseln angekommen ist. Die bisher zurückgelegte Reisestrecke stimmt in etwa mit seinen früheren Berechnungen überein. Wozu soll das Land daher gehören, wenn nicht zu Asien?

Doch entdeckt hat Kolumbus die sagenumwobenen Schatzkammern im Fernen Osten nie, obwohl er bis an sein Lebensende fest davon überzeugt war. Dafür aber fand er eine bis dahin für Europäer unbekannte, faszinierende Welt jenseits des Atlantiks.

Früher Nachbau der Santa Maria
Library of Congress / Public Domain

Landeplatz unbekannt?

Wo Kolumbus allerdings genau seinen Fuß zum ersten Mal auf den Boden der Neuen Welt setzte, ist weniger klar als man meinen könnte. Kolumbus taufte die Insel, auf der er landete San Salvador – Heiliger Retter. Ein San Salvador gibt es in der Karibik auch heute noch, ob es sich dabei allerdings um das von Kolumbus entdeckte Eiland handelt, ist ungewiss. Denn die Seeleute des ausgehenden 15. Jahrhunderts konnten noch keine verlässlichen Positionsbestimmungen vornehmen.

Wissenschaftler der National Geographic Society, die 1986 die Fahrt des Kolumbus rekonstruierten, kamen auch prompt zu dem Schluss, dass die weiter südlich gelegene kleine Insel Samana Cay der eigentliche erste Landeplatz des Entdeckers und seiner Mannschaft gewesen sein muss. Inzwischen sprechen computergestützte Strömungsmodelle jedoch eher dagegen. Eine endgültige Gewissheit aber gibt es bis heute nicht.

Entdeckung mit fatalen Folgen

Christoph Kolumbus gilt heute als einer der großen Entdecker und als Wegbereiter für den Aufstieg Spaniens zur Weltmacht. Doch für die Ureinwohner der Neuen Welt war die Landung des Kolumbus kein wirklich guter Tag. Denn für sie war dies der Anfang vom Ende. Mit der Ankunft der Spanier begann für sie ein Überlebenskampf, der allein in den ersten 100 Jahren der spanischen Herrschaft vermutlich fast 70 Millionen Menschen das Leben kostete.

Und auch Kolumbus selbst war keineswegs nur vom hehren Wunsch nach Entdeckungen beseelt. Ihn – und seine Auftraggeber, das spanischen Königspaar Ferdinand V. und Isabella I., lockte die Aussicht auf lukrative Schätze. Die Spanier trieb daher auf ihren Expeditionen in unbekannte Gebiete weniger der Entdeckerdrang oder die Suche nach neuen „Schäfchen für die Herde Gottes“, sondern eher die Gier nach Macht und Reichtum – und entsprechend rücksichtslos gingen sie vor.

Der Mensch Kolumbus - rätselhaft bis heute

Auch um den Menschen Kolumbus ranken sich bis heute einige Geheimnisse. So behauptet Kolumbus selbst über sich: „Siendo yo nacido en Genoba“ (frei übersetzt: ich wurde in Genoba geboren). Doch ob er damit wirklich die italienische Stadt Genua meinte oder die damals existierende Republik Genua, zu der auch Korsika gehörte, ist strittig.

Und auch um die letzte Ruhestätte des Entdeckers streiten sich bis heute zwei Städte: die spanische Metropole Sevilla und die größte Stadt der Dominikanischen Republik, Santo Domingo. Begonnen hat das Verwirrspiel um die gut 500 Jahre alten Gebeine bereits kurz nach Kolumbus Tod am 20. Mai 1506 in der spanischen Stadt Valladolid. Dort wurde er zwar zunächst beigesetzt, wenige Jahre später jedoch überführte man den Leichnam in ein Kloster nach Sevilla. Aber damit nicht genug: Gut drei Jahrzehnte später ließ Kolumbus Sohn Diego die sterblichen Überreste des Vaters nach Santo Domingo überführen. Doch 1898 sollen die Gebeine zurück nach Sevilla gebracht worden sein, wo sie in der Kathedrale bis heute begraben sind - so weit zumindest die Theorie. Bis heute ist strittig, ob die Überreste des Kolumbus' nun an beiden Orten liegen oder nur an einem der beiden.

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