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Das Wort des Monats November 2004

Parallelgesellschaft

Eigentlich dachte ich, dass das mit den Parallelgesellschaften vorbei ist, nachdem sich diverse Prominente im australischen Dschungel ausgeheult hatten und wieder in die Zivilisation zurückgekehrt waren. Einerseits schien das illustre Grüppchen aus Ex-Fußballern, Ex-Pornostars und Ex-Moderatoren einen guten Durchschnitt unserer verharzten, von Arbeitslosigkeit gepeinigten Gesellschaft darzustellen, andererseits blieben mir die Menschen fremd. Warum aßen Sie Känguruhoden, wo ich noch nicht einmal wusste, in welchem Bereich meines Supermarktes ich nach solchen Leckereien suchen sollte. Beim Fleisch? In den Kühlregalen? Doch dann eskalierte die Gewalt bei unseren niederländischen Nachbarn und auch bei uns warnten die Politiker vor dem Entstehen einer Parallelgesellschaft, obwohl man oft den Eindruck nicht los wird, dass es gerade die Politiker sind, die es sich in ihrer Parallelgesellschaft ganz gemütlich eingerichtet haben.

Das Wort des Monats November schickte uns Frau Dorothee Wich, die ihren Vorschlag wie folgt begründete:
“Was man bisher nur als „Paralleluniversum“ im Science Fiction kennt, wird plötzlich als „Parallelgesellschaft“ zur bedrohlichen Realität der multikulturellen Gesellschaft ausgemalt. Die Gefahren durch Musliminen mit Kopftuch scheinen beängstigender zu sein, als die schon bekannten, alltäglichen Übergriffe von Neonazis auf Ausländer und Andersdenkende. Die Diskussion um Integration und multikulturelle Gesellschaft wird von der allgemeinen Terrorangst angeheizt und beruht doch vielleicht mehr auf Unwissenheit, Misstrauen und Unsicherheit dem Fremden und Neuen gegenüber - auf allen Seiten.“

Vielen Dank den Teilnehmern an unserer Aktion “Wort des Monats“. Senden Sie uns auch im kommenden Monat wieder Ihren Vorschlag mit einer Begründung an die bekannte E-Mail-Adresse:wortdesmonats@wissen.de. Wie üblich gibt es auch im kommenden Monat einen Wahrig: Deutsche Rechtschreibung zu gewinnen (dafür aber nicht die Begründung vergessen!) wir freuen uns auf Ihre Einsendung und wünschen viel Erfolg!

Dietmar Hefendehl
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