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Ferdinand Magellan: Aufbruch zur ersten Weltumsegelung

Vor 500 Jahren stach Ferdinand Magellan zu einer weltverändernden Expedition in See: Auf der Suche nach Pfeffer und Nelken entdeckte der Portugiese nicht nur die lang gesuchte Durchfahrt vom Atlantik in den Pazifik. Seiner Flotte gelang schließlich auch die erste Erdumrundung der Geschichte. Magellan selbst erlebte das Ende dieser Reise zwar nicht mehr. Trotzdem gilt er als der erste Weltumsegler - und damit als der Mann, der das Bild der Menschen von ihrer Welt nachhaltig veränderte.

Magellanporträt vor Seekartenausschnitt
Am 20. September 1519 stach Magellan mit seinem Geschwader in See.
Ferdinand Magellan wird in eine Zeit hinein geboren, in der Portugal die führende Seefahrernation ist. So ist es nicht verwunderlich, dass der Sohn eines portugiesischen Adligen schon als junger Mann auf Schiffen anheuert, die ihn nach Afrika und Indien führen. Seitdem Bartolomeu Diaz das Kap der Guten Hoffnung umrundet und Vasco da Gama den Seeweg nach Indien entdeckt hat, werden beide Erdteile regelmäßig von den Portugiesen angelaufen.

1505 steuert der 25-Jährige erstmals auf den bewährten Routen die Molukken an. Der Archipel ist für seinen Reichtum an Gewürzen bekannt. Nelke, Muskatnuss, Pfeffer und viele weitere begehrte Pflanzen gedeihen hier. Reich beladen kehrt die Besatzung an den portugiesischen Hof zurück. Vielleicht keimt in Magellan schon damals die Idee auf, einen neuen Seeweg zu den Gewürzinseln zu erschließen, deren Position auf der Weltkarte damals nur ungefähr bekannt ist: nicht über die Ostroute entlang der afrikanischen und indischen Küste, sondern genau anders herum.

Ein Portugiese zieht nach Spanien

Als Magellan später dem portugiesischen König Manuel I. von diesem Vorhaben erzählt, stößt er jedoch auf taube Ohren. Dafür gibt es zweierlei Gründe: Einerseits kennen die Portugiesen bereits einen Weg zu der Inselgruppe - eine Route, auf der sie das Sagen haben. Denn im sogenannten Vertrag von Tordesillas haben die kastilische und die portugiesische Krone den Globus in zwei Hälften aufgeteilt. Alles im Osten dieser Trennlinie liegt demnach unter dem Einfluss Portugals, alles westlich davon unter dem Spaniens.

Hinzu kommt, dass das Staatsoberhaupt schlecht auf Magellan zu sprechen ist. Es kursiert das Gerücht, er solle sich an der Beute eines Kriegszugs in Marokko bereichert und illegal mit den Mauren gehandelt haben. In seinem Heimatland in Ungnade gefallen, zieht der ehrgeizige Adlige kurzerhand nach Spanien. Dort heiratet er die Tochter eines hohen Beamten und kann sich so den Weg zum König ebnen.

Karte mit der Route der Weltumsegelung von Ferdinand Magellan und Juan Sebastián Elcano
Route der Weltumsegelung von Ferdinand Magellan und Juan Sebastián Elcano

Aufbruch in Richtung Westen

Nur vier Jahre nach der Vermählung bietet Magellan dem einstigen Rivalen seine Dienste an: Er wird für Spanien einen westlichen Seeweg nach Indien und eine möglichst kurze Route zu den Gewürzinseln entdecken - und der Nation damit neue Macht im Handelskampf um Nelken und Pfeffer verschaffen, die damals mit Gold aufgewogen werden.

Im August 1519 setzt der Portugiese seine ambitionierte Idee in die Tat um. Von Sevilla aus legt unter seinem Kommando eine Flotte aus fünf Schiffen ab und fährt den Fluss Guadalquivir hinunter. Nach einem längeren Aufenthalt in Sanlúcar de Barrameda sticht die Crew dann am 20. September in See. Tatsächlich schafft die Mannschaft das, woran Christopher Kolumbus und weitere berühmte Seefahrerkoryphäen zuvor gescheitert sind: Die Männer finden einen Weg vom Atlantik in den Pazifik.

Satellitenbild der Magellanstraße mit rot gefärbter Route
Route durch die nach dem Seefahrer benannte Magellanstraße am Südzipfel Südamerikas.

Der Weg zum friedlichen Ozean

Auf der Suche nach der entscheidenden Passage segelt Ferdinand Magellan an der südamerikanischen Ostküste entlang und stößt schließlich auf die Meerenge zwischen Patagonien und der vorgelagerten Inselgruppe Feuerland. Nach 38 Tagen auf der Wasserstraße, die künftig Magellans Namen tragen soll, erreicht die Flotte am 28. November 1520 den Pazifik. Weil das Wetter ruhig ist und die ihn zuvor begleitenden Stürme sich gelegt haben, tauft der Entdecker den neu eroberten Ozean "mare pacifico", friedliches Meer.

Es sind allerdings nur noch drei von den ehemals fünf Schiffen, die im Pazifischen Ozean ankommen und auch bei der Weiterfahrt kommt es zu Verlusten: Wochenlang segeln die Männer über den Pazifik, ohne dabei nur ein bewohntes Fleckchen Land zu sehen. Der Proviant neigt sich dem Ende zu, Ratten werden zur Delikatesse und ein Großteil der Mannschaft erkrankt an Skorbut. Einige Männer sterben.

Buchillustraion zum Tod Magellans
Magellan starb am 27. April 1521 bei dem Versuch die Bewohner der philippinischen Insel Mactan zu unterwerfen.

Gescheiterte Missionierungsaktion

Erst im März 1521 erreicht Magellans Crew mit der Inselgruppe Marianen wieder von Menschen besiedeltes Land. Von dort geht es weiter zu den Philippinen. Ganz im Sinne des damaligen Zeitgeists will Magellan die Bewohner der Inseln zu spanischen Untertanen machen und sie zum Christentum missionieren. Doch nicht überall gelingt das. Als sich auf Mactan Widerstand gegen die fremden Eroberer regt, versucht Magellan, seinen Willen mit militärischer Gewalt zu durchzusetzen. Die Aktion aber scheitert: Sowohl Magellan selbst als auch viele seiner Männer werden von den Inselkriegern getötet.

Trotzdem geht die Fahrt in minimierter Besetzung weiter - und eines Tages erreicht die Mannschaft tatsächlich die Gewürzinseln. Nur eins von Magellans Schiffen kehrt schließlich nach drei Jahren mit mehreren Tonnen Gewürzen an Bord in die spanische Heimat zurück. Auch wenn der Kapitän selbst Europa nicht mehr zu sehen bekommt: Er gilt seitdem als der erste Weltumsegler. Dabei war die Erdumrundung eigentlich nie seine Absicht gewesen.

Nachbau der "Victoria" im Hafen von Nagoya
Nachbau der "Victoria", dem einzigen Schiff Magellans, das diese Weltumseglung vollendete.

Ein ganz neuer Blick auf die Welt

Ferdinand Magellans Wirken hallt bis in die Gegenwart nach: Nicht nur die Magellanstraße, auch Galaxien, Pinguine, Schiffe und Teleskope wurden nach dem Portugiesen benannt, der vor 500 Jahren in Richtung Molukken aufbrach. Doch als lupenreiner Held taugt der Seefahrer nicht mehr. Sein Auftreten als erobernder Eindringling ist zumindest aus heutiger Sicht genauso fragwürdig wie der Umgang mit seinen eigenen Leuten, denen er teilweise bewusst Informationen vorenthielt und ohne Rücksicht auf Verluste unmenschliche Strapazen zumutete.

Der historische Wert von Magellans Leistung ist trotz allem unbestritten: Die erste belegte Weltumsegelung wäre heute ein Fall für das Guinness-Buch der Rekorde. Damals lieferte sie den endgültigen Beweis dafür, dass die Erde eine Kugel ist. Erst dadurch wurde es den Menschen möglich, die wahren Dimensionen ihres Heimatplaneten zu erkennen.

Die Bedeutung dieser Errungenschaft wird oft mit der ersten Mondlandung verglichen. Der spanische Vizeadmiral Ignacio Horcada Rubio wählt einen anderen Vergleich: Anlässlich des 500-jährigen Jubiläums des Aufbruchs zur Weltumsegelung setzte er die Folgen dieser Expedition gegenüber der Presse mit der Bedeutung des Internets gleich. Wie diese technologische Erfindung habe die erste Weltumsegelung damals praktisch alles verändert. "Die Menschen dachten bis dahin, dass sie in einer in jeder Hinsicht kleineren Welt lebten."

DAL, 20.09.2019
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