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Geschichte-Deutschland

Woher stammt der Name »Deutschland«?

Der Landesname ist durch eine Bedeutungserweiterung des Wortes »deutsch« entstanden. Dieses, seit dem 8. Jh. belegt, bezeichnete ursprünglich die in einem Teil des Frankenreichs gesprochene germanische Sprache. Im 11. Jh. wurde es auf deren Sprecher (»deutsche Leute«) und ihre Wohngebiete (»deutsche Lande«) übertragen. Das Wort Deutschland ist seit dem 15. Jh. geläufig.

Übrigens: Das Frankenreich brach nach dem Tod Karls des Großen (814) auseinander. Es entstanden ein west- und ein ostfränkisches Reich, die Vorläufer Frankreichs und Deutschlands. Die deutsche Westgrenze, die der Sprachgrenze zwischen Deutsch und Französisch entsprach, war damit fixiert.

Wer trug die erste deutsche Krone?

911 wählte der hohe Adel Konrad I. zum ersten deutschen König. Mit dieser Wahl vollzog sich der Übergang vom ostfränkischen zum Deutschen Reich.

Der Reichsname lautete seit dem 11. Jh. »Römisches Reich«, seit dem 13. Jh. »Heiliges Römisches Reich«, seit dem 15. Jh. mit dem Zusatz »Deutscher Nation«. Dem Königtum standen weitgehend selbstständige Stammesherzogtümer gegenüber (Sachsen, Franken, Bayern, Schwaben). Gegen sie konnten sich erst die Ottonen Heinrich I. und Otto I. durchsetzen. Otto ließ sich 962 in Rom zum Kaiser krönen. Er begründete damit die Anwartschaft des deutschen Königs auf die Kaiserwürde und eine 300-jährige deutsche Herrschaft in Ober- und Mittelitalien.

Der Idee nach war das Kaisertum universal, verlieh die Herrschaft über das ganze Abendland und hatte Vorrang vor dem Papsttum. Dieser Vorrang ging im Investiturstreit unter dem Salier Heinrich IV. verloren. Eine neue Blüte erlebte das Kaisertum unter den Staufern Friedrich I., Heinrich VI. und Friedrich II. Zugleich begann eine territoriale Zersplitterung, die die Zentralgewalt schwächte. Es folgte die Zeit des Gegen- und Doppelkönigtums (Interregnum, 1256–1273). Seit Rudolf I., dem ersten Habsburger auf dem Thron, wurde Hausmachtpolitik das Hauptinteresse jedes Königs.

Welcher Friedensschluss besiegelte die konfessionelle Spaltung?

Der Westfälische Friede, der 1648 den Dreißigjährigen Krieg beendete, brachte die völlige Gleichstellung der katholischen und der protestantischen Konfession.

Aus Unzufriedenheit mit der katholischen Kirche leitete Martin Luther (1483–1546) im Jahr 1517 die Reformation ein, die sich rasch ausbreitete. Hauptnutznießer der Reformation waren die Landesfürsten. Sie erhielten im Augsburger Religionsfrieden 1555 das Recht, die Religion ihrer Untertanen zu bestimmen. Deutschland war damals zu 80 % protestantisch, doch konnte die katholische Kirche in der Folgezeit viele Gebiete zurückgewinnen.

Bald verschärften sich die konfessionellen Gegensätze. Ein lokaler Konflikt in Böhmen löste schließlich 1618 den Dreißigjährigen Krieg aus, der sich von einem deutschen Religionskrieg zu einem europäischen Machtkampf entwickelte.

Welches war das »Jahr der Deutschen«?

Der Herbst 1989 zählt wohl zu den glücklichsten Tagen der neueren deutschen Geschichte. Als Höhepunkt einer friedlichen Revolution in der DDR fiel in der Nacht vom 9. zum 10. November die 1961 errichtete Berliner Mauer. Dies war der Startschuss zur Wiedervereinigung des geteilten Deutschlands.

Die Teilung Deutschlands war eine Folge des Zweiten Weltkriegs, nach dessen Ende die vier Siegermächte (USA, UdSSR, Großbritannien, Frankreich) die Regierungsgewalt in Deutschland übernahmen. Die zunehmenden Gegensätze zwischen den Westmächten und der UdSSR führten schließlich 1949 zur Teilung des Landes. Im Westen entstand die Bundesrepublik Deutschland, im Osten die Deutsche Demokratische Republik.

Versorgungsmängel und der Widerstand der SED-Führung gegen die Reformpolitik des sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow ließen in den späten 1980er Jahren die Missstimmung in der DDR wachsen. In vielen Großstädten kam es zu Demonstrationen für Demokratie, Meinungs- und Reisefreiheit, die schließlich zur Öffnung der innerdeutschen Grenze führten.

Am 18. 5. 1990 schlossen die beiden deutschen Staaten einen Vertrag über die Bildung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion, die am 1. 7. 1990 mit der Einführung der D-Mark als alleiniges Zahlungsmittel wirksam wurde. Am 3. 10. 1990 wurde die Wiedervereinigung in Berlin feierlich vollzogen.

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