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Fitnesskurse: ein Wegweiser

Thai Bo, Spinning oder vielleicht doch Rope Skipping? Wer in der Gruppe etwas für seine Fitness tun will, hat zunächst einmal die Qual der Wahl. Das Angebot in den Studios wird immer vielfältiger und damit unüberschaubarer. Erschwerend kommt hinzu, dass sich hinter scheinbar unterschiedlichen Angeboten oftmals ähnliche Inhalte verbergen. Das hat lizenzrechtliche Gründe, denn wer ein neues Programm entwickelt hat, lässt den Namen dafür oft international schützen. Entweder zahlt der Studiobetreiber dann Lizenzgebühren oder er bietet etwas Vergleichbares unter anderem Namen an. Was also steckt hinter der babylonischen Kursvielfalt?
aus der wissen.de-Redaktion

Entscheidungsfindung

Anstrengen, duschen, wohlfühlen: nach dem Sport kommt die Entspannung
thinkstockphotos.de/Getty Images/Stockbyte
Wesentlich wichtiger als der Name eines Kurses sind die Fragen nach der persönlichen Zielsetzung und der aktuellen Leistungsfähigkeit. Bei bereits bestehenden Gelenk- oder Rückenproblemen sollten Kurse, in denen viel gesprungen wird, gemieden werden. Wer spezielle Problemzonen - z. B. die Bein- und Pomuskulatur - in Form bringen möchte, ist in einem Step-Kurs besser aufgehoben als in einem der zahlreichen Aerobic-Kurse. Für alle Anfänger gilt außerdem die Regel: Vor der ersten Stunde nach Möglichkeit von einem versierten Mediziner durchchecken lassen. Seriöse Studios bieten potenziellen Neumitgliedern zudem einen Fitness-Check und ein Probetraining an.

 

Trainings-Bereiche

 

Health Fitness

Nicht generell steht Training für bessere Optik oder der Spaß an der Bewegung im Mittelpunkt. Immer mehr Angebote richten sich an Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun. Dazu gehören Rückenfitness-, Stretching- und Entspannungs-Kurse. So kommen z. B. bei "Bodybalance" Körper und Geist auf ihre Kosten. Atemtechniken und harmonische Bewegungsfolgen zielen darauf ab, Flexibilität, Rumpfstabilität und Körperbalance mit gezielten Entspannungsphasen zu verbinden. Auch Programme mit dem Pezzi- bzw. dem Fitball oder die neuen Yoga-Formen gehören in diesen Bereich.

 

Intervalltraining

Hierzu gehören u. a. die Mixed Impact-Kurse oder das von Alex Athletics entwickelte Effective. Ziel ist die Verbesserung von Kraft und Ausdauer sowie die Ankurbelung der Fettverbrennung. Phasen mit hoher und niedriger Intensität wechseln sich in diesen Kursen ab. Geeignet sind sie vor allem für Teilnehmer, die bereits gut trainiert sind und auch größere Belastungen problemlos verkraften können. Anfänger können Gefahr laufen, sich von der Gruppendynamik mitreißen zu lassen und ihre Leistungsgrenzen zu überschreiten.

 

Kampfsport mit Aerobic-Elementen

Seit der amerikanische Karate-Star Billy Blanks mit seinem TaeBo-System die Welt erobert hat, nimmt das Angebot an Kombinationen aus Kampfsport und Aerobic täglich zu. Kurse wie Fighting Fit, KiBoE, Thairobic oder T.B.O. ziehen die Menschen in die Studios. Die Art der Belastung kann hier von Kurs zu Kurs deutlich variieren. Bevor man sich für ein Angebot entscheidet, sollte man in jedem Fall zunächst eine Stunde testen und den Kursleiter (Instructor) auf eventuell bestehende orthopädische Probleme hinweisen.

 

Sportangebote von A bis Z

 

Aerobic

Ursprünglich Oberbegriff für ausdauernde sportliche Aktivitäten mit niedriger bis mittlerer Intensität, bei denen die Energiegewinnung mittels ausreichender Sauerstoffversorgung (aerob) erfolgt. Populär wurde der Begriff durch das Ende der 1960er Jahre erschienene Buch "Aerobics" des US-Sportmediziners Dr. Kenneth Cooper. Es löste die Jogging- und später die Aerobic-Welle aus. Heute bezeichnet der Begriff "Aerobic" eine Vielzahl von unterschiedlichen Kurs-Angeboten mit und ohne Sportgeräte, bei denen sich die Teilnehmer im Takt rhythmischer Musik nach der Anleitung eines Instructors bewegen.

Abhängig vom Intensitätsgrad des Kurses unterscheidet man verschiedene Formen.

  • Low-Impact: keine Sprünge, kein Laufen, ein Bein ist immer am Boden. Ideal für Anfänger.
  • High Impact: Stampfen, Laufen oder Springen sorgen für eine höhere Belastung, aber auch für höheres Risiko.
  • Mixed: High- und Low-Impact-Phasen wechseln sich ab. Die Musikauswahl richtet sich nach der Kursintensität und liegt in der Regel zwischen 130 bis 150 Beats (Low Impact) und 135 bis 160 Beats (High Impact) pro Minute. Jeder Beat entspricht einer Bewegungseinheit.

 

Air Machine Cycle

Auferstehung des klassischen Zirkeltrainings. Ein Geräteparcours wird mit Zeitvorgaben für die einzelnen Geräte und entsprechenden Pausen dazwischen absolviert. Besonders gut geeignet bei chronischem Zeitmangel. Cycle-Training verbessert gleichzeitig Ausdauer und Kraft und strafft das Muskelgewebe.

 

Bauch-Beine-Po, Bauch-Rücken

Problemzonentraining. Die Choreografie der Stunde beinhaltet vor allem ausgewählte Übungen zur Straffung dieser Muskelgruppen. Ein gezielter Fettabbau an den Problemzonen, den sich viele Menschen erhoffen, ist nur schwer möglich. Die Reduktion von Körperfett läuft immer systemisch ab, d. h. der Organismus ist kaum zu beeinflussen, an welchen Körperstellen Fettsäuren zur Energiegewinnung einsetzt. Eine Straffung der Muskulatur kann durch regelmäßiges Training erreicht werden. Um Körperfett abzubauen, ist in den meisten Fällen neben dem Training eine kalorienreduzierte Diät notwendig.

 

Body and Mind

Bei diesem Angebot geht es nicht um Höchstleistung oder Kalorienverbrauch. Die Entwicklung von mehr Körpergefühl und das bewusste Kontrollieren von An- und Entspannung stehen im Vordergrund. Ideal, um mit dem zunehmenden Alltagsstress besser fertig zu werden.

 

Bodybalance

Diese Kurse widmen sich der Verbindung von dynamischen und eher statischen Körperbewegungen, wie sie im asiatischen Raum gelehrt werden. Geschult werden Flexibilität, Gleichgewichtssinn und Rumpfstabilität. Das Bewusstsein für Körperspannung und Entspannung wird geschult.

 

Bodypump

Kombiniertes Aerobic- und Krafttraining, bei dem Langhanteln eingesetzt werden. Stellt einige Anforderungen an die konditionellen Fähigkeiten der Kursteilnehmer. Da es bei Kursen, in denen Zusatzgewichte verwendet werden, in hohem Maße auf die Bewegungsqualität ankommt, ist der Instructor ganz besonders gefordert.

 

Bodyshaping, Bodystyling, Powerstyling

Mit Musik kombinierte Funktionsgymnastik, bei der gezielt bestimmte Körperpartien, z. B. die Rumpf- oder die Beinmuskulatur, gekräftigt werden. Neben dem eigenen Körpergewicht kommen auch kleine Geräte wie Fit- oder Therabänder sowie Kurzhanteln zum Einsatz.

 

Capoeira

Der oft an einen eleganten Tanz erinnernde brasilianische Kampfsport stand Pate bei diesem Angebot. Geschult werden Bewegungsgefühl, Flexibilität, Konzentrationsfähigkeit und vor allem der Gleichgewichtssinn - alles Komponenten, die durch unserem westlichen Lebensstil schon in mittleren Jahren zurückgebildet sind.

 

Core Board

Im Hochleistungssport und in der Physiotherapie weiß man schon lange um die Bedeutung der kleinen dreidimensionalen "Kippelbretter". Bei dem Versuch, die Körperbalance auf dem wackeligen Untergrund aufrecht zu erhalten, werden Strukturen gekräftigt, die bei herkömmlichen Trainingsabläufen nur unzureichend trainiert und somit zu einem Schwachpunkt werden können. Mit dem von Reebok entwickelten Core Board können Kursteilnehmer auf spielerische Weise ihr Kraftpotenzial und die Gelenkstabilität vor allem im Bereich der Beine und Füße trainieren.

 

Cross-Training

Cross-Training bringt Abwechslung in den grauen Trainingsalltag. Cardio- und Krafttraining werden an wechselnden Geräten miteinander kombiniert, z. B. Rudern, Step, Cycling und Maschinentraining.

 

Cycling, Spinning

Gruppen-Action auf stationären Rädern. Es fehlt zwar der kühlende Gegenwind, doch beim Training mit Gleichgesinnten vergeht die Zeit schneller und man ist motivierter. Nach kurzem Aufwärmen können sich die Teilnehmer beim anschließenden Cardiotraining in Intervallen an ihre Grenzen herantasten. Das Cool-down beendet die Trainingseinheit. Der Kurs bedeutet eine intensive Belastung für das Herz-Kreislauf-System und die Beinmuskulatur. Anfänger sollten nach auf sie zugeschnittenen Kursen fragen oder sich erst einmal die nötige Basisausdauer holen.

 

Fatburner

Bei sportlicher Aktivität bevorzugt der Organismus Kohlenhydrate in Form von Glukose als Energiequelle. Wer vermehrt Körperfett abbauen möchte, ist in einem Fatburner-Kurs gut aufgehoben. Hohe Trainingsumfänge mit niedriger Belastung begünstigen den Abbau von Körperfett. Daher trainieren die Teilnehmer dieser Kurse mit einem Puls von unter 130 Schlägen in der Minute. Die Trainingsbelastung ist gleichmäßig, ohne Intervalle. Das Tragen einer Pulsuhr ist ratsam, um die Belastung ganz nach Bedarf anpassen zu können.

 

Funk

Neben der entsprechenden Musikuntermalung fließen beim Funk auch zahlreiche tänzerische Elemente aus dem Breakdance in die Choreografie ein. Ein wenig Körpergefühl und Interesse an dieser Musikrichtung sollten also vorhanden sein.

 

Latino

Da kommen Urlaubsgefühle auf. Wer südamerikanische Rhythmen liebt und sich die Bewegungen des Mambo oder Samba zutraut, ist in einem der vielen Latino-Kurse wie "Aerobic Brasilian Style" gut aufgehoben. Auch wenn der Schweiß fließt, ist gute Laune vorprogrammiert.

 

Move and Dance

Klassische Aerobic-Elemente werden hier durch Tanzkombinationen ergänzt. Ideal für sportlich Interessierte, die auch Spaß an tänzerischen Bewegungen haben.

 

Power Step, Step

Diese Form des Aerobic verdankt ihren Namen dem Sportgerät, an dem der Puls in den wünschenswerten Trainingsbereich gebracht wird: dem so genannten Step (Schritt oder Stufe). Ähnlich wie beim Treppensteigen kommt es an diesem Trainingsgerät zu einem effektiven Training von Po, Schenkeln und Waden. Während herkömmliche Step-Kurse in den Bereich des Low-Impact-Aerobic gehören, enthalten die Power-Step-Kurse Bewegungen aus dem High-Impact-Aerobic. Trainiert wird am Step mit bis zu 120 Beats pro Minute.

 

Qi Gong

Nach alter chinesischer Vorstellung liegt das Zentrum der Lebensenergie (Qi) zwei fingerbreit unterhalb des Bauchnabels. Beim Einatmen strömt Qi in den Körper und verbreitet sich über die Meridiane. Qi Gong ist die Heilgymnastik, die für freie Meridiane sorgt, damit die Lebensenergie ungehindert fließen kann. Die Bewegungen sind harmonisch und fließend und erfolgen im Wechsel von An- und Entspannung.

 

Rope Skipping

Als Rope Skipping kommt jetzt das Seilchenspringen mit fetziger Musik in die Studios zurück. Natürlich dauert es eine Weile, bis man in der Lage ist, ausreichend lange in Bewegung zu bleiben, um einen Trainingseffekt zu erzielen. Wer diese Hürde überwindet, hat aber eine sportliche Betätigung erlernt, die mehr Kalorien verbraucht als die meisten anderen Bewegungsformen. Ein gewisses Ausdauerniveau sollte allerdings auch beim Rope Skipping erreicht sein, bevor man es in einem Kurs versucht. Dabei kann auch nicht schaden, die ersten Sprünge erst einmal daheim zu versuchen.

 

Rowing

Da beim Rudern die großen Muskelgruppen wie Beine und Rücken im Dauereinsatz sind, ist es zwar etwas anstrengender als Cycling, dafür verbraucht es auch mehr Kalorien und man kräftigt neben den Schenkeln auch den Oberkörper. Bei eventuellen Figurproblemen ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn Muskelgewebe sieht nicht nur besser aus als Körperfett, es hat auch einen höheren Energiebedarf.

 

Stretching

Von Bob Anderson entwickeltes Dehnungsprogramm, das besonders im Fitness- und Breitensport die rhythmische Gymnastik weitgehend ersetzt hat. Beim Stretching wird die Dehnung in der Endposition für einige Sekunden gehalten. Für Anfänger ist der Besuch eines Kurses auf jeden Fall sinnvoll. Später kann auch allein trainiert werden.

 

Thai Bo, Tae Bo

Martial Arts-Kurse erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Unter verschiedenen Namen finden sich bei diesen Angeboten Kampfsport- und Aerobic-Elemente in einem Kurs vereint. Explosive, dynamische Bewegungen warten auf die Teilnehmer dieser Angebote. Sie sind dem Kick-Boxen, Taekwondo und Tai Chi nachempfunden. Neben einem erstklassigen Ausdauertraining schulen diese Kurse auch das Koordinationsvermögen und die Konzentrationsfähigkeit.

 

Yoga Fitness

Yoga ist wieder in. Als Yoga Fitness oder Power Yoga hält die alte indische Körperlehre Einzug in die Sportstudios. Die Stabilisation der Körpermitte und die Verbesserung der Flexibilität stehen im Mittelpunkt. Auch Atemtechniken werden erlernt.

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