wissen.de
Total votes: 171
wissen.de Artikel

John Maxwell Coetzee

Porträt eines brillanten Analytikers

John Maxwell Coetzee stelle „in zahlreichen Verkleidungen die überrumpelnde Teilhabe des Außenseitertums“ dar – so lautete 2003 das Urteil des Nobelpreiskommitees, das den südafrikanischen Schriftsteller 2003 mit dem Nobelpreis für Literatur auszeichnete.

J.M. Coetzees Romane zeichnen sich durch verschlagene Komposition, verdichteten Dialog und analytische Brillanz aus. Aber er ist gleichzeitig ein gewissenhafter Zweifler, schonungslos in seiner Kritik der grausamen Vernunft und der kosmetischen Moral der westlichen Zivilisation. Seine intellektuelle Ehrlichkeit zersetzt alle Grundlagen des Trostes und distanziert sich vom billigen Theater der Reue und des Bekenntnisses. Auch wenn seine eigene Überzeugung durchscheint wie in der Verteidigung der Rechte der Tiere, so erhellt er eher die Voraussetzungen dieser Überzeugung, als dass er für sie argumentiert.

Coetzee ist vor allem an Situationen interessiert, in denen sich die Unterscheidung von richtig und falsch als unbrauchbar erweist, obwohl sie kristallklar ist. Wie der Mann in einem bekannten Gemälde Magrittes, der seinen Nacken im Spiegel sieht, stehen Coetzees Gestalten in den entscheidenden Augenblicken unbeweglich hinter sich selbst, unfähig in ihren Handlungen anwesend zu sein. Aber die Passivität ist nicht nur der dunkle Dunst, der die Persönlichkeit verschluckt, sie ist auch das äußerste Mittel, das der Mensch hat, der einer unterdrückenden Ordnung trotzen will, indem er sich vor ihren Absichten unerreichbar macht. Indem er Schwäche und Niederlage erforscht, fängt Coetzee den göttlichen Funken des Menschen.

 

Das Debut

Der Debütroman Dusklands war die erste Probe eines Einfühlungsvermögens, mit dessen Hilfe Coetzee immer wieder unter die Haut des Fremden und Abstoßenden kriecht. Ein Mann, der während des Vietnam-Krieges für die amerikanische Verwaltung arbeitet, träumt davon, ein unüberwindbares System der psychologischen Kriegführung zu gestalten, während sein Privatleben in Trümmer zerfällt. Seine Überlegungen werden mit einem Bericht über eine Entdeckungsreise ins Land der schwarzen Eingeborenen zusammengestellt, der angeblich von einem Buren während der Pionier-Zeit im 18. Jahrhundert aufgezeichnet wurde. Zwei Arten von Menschenverachtung, die eine intellektuell und größenwahnsinnig, die andere vital und barbarisch, spiegeln sich ineinander.

 

... klicken Sie zum Weiterlesen auf den folgenden Button
Total votes: 171