Lexikon

Apọstel

[der; griechisch]
Gesandte zur Verkündigung der Botschaft Jesu: 1. von Jesus zu seinen Lebzeiten selbst ausgewählte Apostel; 2. von Jesus nach seiner Auferstehung berufene Apostel; 3. von den Jüngern Jesu bevollmächtigte Missionare; 4. Diener der Kirche.
Jesus bestimmte zur Verkündigung der Heilsbotschaft vom anbrechenden Gottesreich zu seinen Lebzeiten 12 Jünger als „Ausgesandte“, die auch als Apostelkollegium bezeichnet werden. Dazu gehörten Petrus, Andreas, Jakobus Zebedäi, Johannes, Jakobus Alphäi, Philippus, Bartholomäus, Matthäus, Thomas, Thaddäus, Simon und Judas Ischariot (Evangelium des Matthäus 10,3), an dessen Stelle nach seinem Selbstmord Matthias trat (Apostelgeschichte nach Lukas 1, 15 ff.). Auch Paulus nennt sich mit Nachdruck Apostel, weil er sich von Jesus selbst zur Verkündigung des Evangeliums ausgesandt weiß (Römerbrief 11,13).
Diese A. waren Jesu Stellvertreter in Wort und Tat, in Theorie und Praxis. Sie verkündigten nicht nur seine Lehre und das Evangelium, sondern wirkten auch unter den Menschen, indem sie zur Umkehr aufriefen, tauften, neue Gemeinden gründeten und leiteten sowie Wunder vollbrachten (z. B. Apostelgeschichte 9,32). Bereits zu Lebzeiten Jesu wurden zusätzliche Apostel zur Missionsarbeit berufen (Evangelium des Lukas 10,1); zu diesen Neu-Aposteln gehörten u. a. Barnabas und Timotheus. Zur weiteren Ausbreitung des Evangeliums wurden auch nach Jesu Tod immer wieder neue Apostel als christliche Gesandte ernannt. Der ursprünglich auf den engen Kreis der 12 Jünger bezogene Apostelbegriff wurde auf diese Weise erweitert und zunehmend auch allgemein zur Bezeichnung eines kirchlichen Amtes angewandt. Daraus entwickelte sich in der katholischen und der orthodoxen Kirche das Verständnis vom Bischof als Nachfolger der Apostel, ohne dass dieser explizit den Titel „Apostel“ trug. Im Laufe der Geschichte wurden jedoch einzelne Bischöfe mit Ehrennamen wie „Apostel des Nordens (Ansgar), „Apostel Frankens“ (Kilian) oder „Slawen-Apostel“ (Kyrill) belegt.
Aposteldarstellungen haben vor allem seit dem Mittelalter Eingang in die darstellende Kunst gefunden. Dabei wurden ihnen zunehmend individuelle Attribute zugeordnet: Petrus – Schlüssel; Andreas – Schrägbalkenkreuz; Jakobus der Ältere – Pilgertracht; Johannes – Kelch mit Schlange; Jakobus der Jüngere – Walkerstange; Philippus – Kreuzstab; Bartholomäus – Messer; Matthäus – Winkelmaß, Hellebarde; Thomas – Winkelmaß, Lanze; Thaddäus – Keule; Simon – Säge; Judas Ischariot – Geldbeutel; Matthias – Beil, Lanze, Steine; Paulus – Schwert.
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