Lexikon
Aufklärung
Kulturgeschichte
Frankreich als Zentrum der Aufklärung
Die Aufklärung entfaltete ihre größte intellektuelle, gesellschaftliche und politische Wirksamkeit in Frankreich. Ihre bedeutendsten Vertreter waren Voltaire, Montesquieu, J. J. Rousseau, D. Diderot, P. T. d’Holbach, J. le Rond d’ Alembert. Im Bereich der Staats- und Gesellschaftstheorien entwickelte Montesquieu aus englischen Vorbildern die Theorie der Gewaltenteilung von Exekutive, Gesetzgebung und Justiz unter dem Dach einer konstitutionellen Monarchie. Auch Voltaire hielt am Ideal des aufgeklärten Monarchen fest und forderte politische Rechte nur für die Besitzenden. Dagegen vertrat Rousseau die Idee der Volkssouveränität und der Gleichheit aller Bürger. Daraus ergab sich für ihn die Forderung nach der Republik. Als Abkehr von den Zwängen der feudalen Gesellschaft prägte er die Parole „Zurück zur Natur“, die vor allem für das Erziehungswesen folgenreich wurde.
Die französische Aufklärung verschärfte vor allem den Kampf gegen die christliche Religion und die Kirche, die als Quelle von Aberglaube, Fanatismus und Unterdrückung angesehen wurde (Voltaire); wohlverstandene persönliche Interessen und nicht göttliche Gebote seien Grundlage aller Moral. Darüber hinaus begründete sie neue Wissenschaften: Volkswirtschaftslehre, Statistik, Soziologie, empirische Psychologie. Ihre Prinzipien und Ideen wurden zusammengefasst und verbreitet durch die 35-bändige „Enzyklopädie der Wissenschaften, der Künste und Gewerbe“, dem Standardwerk der Aufklärung, das unter der Leitung Diderots und d’Alemberts und der Mitarbeit von fast 200 Autoren (die sog. Enzyklopädisten) 1751–1780 entstand.
Gegen die merkantilistische Wirtschaftspolitik des Absolutismus richtete sich die an A. Smith anknüpfende Wirtschaftstheorie der sog. Physiokraten (F. Quesnay, Dupont de Nemours, A. R. J. Turgot). Statt reglementierend in das Wirtschaftsleben einzugreifen und die Luxusindustrie und den Außenhandel zu fördern, sollte der Staat die Wirtschaft sich in ihrer „natürlichen Ordnung“ entfalten lassen und die Landwirtschaft als die eigentliche Quelle des nationalen Reichtums wieder anerkennen.
Die staats- und bürgerrechtlichen Vorstellungen der französischen Aufklärung und ihre Forderung nach den Menschenrechten: religiöse Freiheit, Recht auf Leben, auf Freiheit der Person und auf Erfüllung des Glücksstrebens, hatten über Frankreich hinaus zunächst großen Einfluss auf die Führer der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung (T. Jefferson, T. Paine). Sie fanden Eingang in die Unabhängigkeitserklärung der nordamerikanischen Kolonien (1776) und die amerikanische Verfassung (1787). Von dort wirkten sie zurück auf die Französische Revolution.
- Einleitung
- Die Wurzeln der Aufklärung
- Frankreich als Zentrum der Aufklärung
- Die Aufklärung in Deutschland
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