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LEXIKON

Frau

[althochdeutsch frouwa, „Herrin, Gebieterin“]
weiblicher erwachsener Mensch. Die geschlechtsspezifischen körperlichen Merkmale der Frau sind wesentlich geprägt durch ihre biologische Funktion der Fortpflanzung (Geschlecht, Mensch). Ihr zahlenmäßiger Anteil an der Bevölkerung ist länderspezifisch uneinheitlich. In europäischen Ländern besteht Frauenüberschuss, es werden zwar mehr Jungen als Mädchen geboren, jedoch ist ihre Sterblichkeitsrate auch in den späteren Altersstufen höher. Die Stellung der Frau in der Gesellschaft änderte sich in sozialer, rechtlicher, politischer und ökonomischer Hinsicht im Zuge der Frauenemanzipation. Im modernen europäischen Recht errang die Frau in Verwirklichung der Grundsätze der Französischen Revolution und aufgrund der Erfolge der Frauenbewegung nahezu überall und auf fast allen Rechtsgebieten die Gleichstellung mit dem Mann. Dem Frauenstimmrecht, das vor allem von der englischen Frauenstimmrechtsbewegung (Suffragetten) erkämpft wurde, folgte die grundsätzliche Gleichberechtigung im Berufsrecht (Zugang zum Hochschulstudium und zu allen Berufen einschließlich des öffentlichen Dienstes und der Parteipolitik) und im Arbeitsrecht (Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit) sowie später auch im Familienrecht. Besondere Vorrechte genießt die Frau im Hinblick auf die Mutterschaft im Arbeitsschutz-, Kündigungsschutz- und Sozialversicherungsrecht. Der rechtlichen Gleichstellung von Frau und Mann entspricht jedoch nicht die tatsächliche Gleichstellung. Nach wie vor richtet sich auf die Frau ein Bild traditioneller Rollenerwartungen, was entweder zu einer Doppelbelastung der Frau (Haushalt und Beruf) oder zum Verzicht auf Mutterschaft führen kann. Frauenspezifische Berufe haben häufig noch Vorrang bei der Berufswahl. An Hochschulen werden technische und naturwissenschaftliche Fächer von Frauen eher unterdurchschnittlich belegt. Teilzeitarbeit dagegen wird in erheblich höherem Maße von Frauen in Anspruch genommen. In Führungspositionen sind sie noch unterrepräsentiert (besonders in der Wirtschaft und Wissenschaft).
Frauen gelten als „Reservearmee“ des Arbeitsmarktes. In der DDR und in anderen kommunistischen Staaten hatte die Gleichberechtigung auch eine umfassende Gleichverpflichtung der Frau in allen Berufen zur Folge; jedoch änderte sich auch dort die traditionelle Rollenerwartung an die Frau, besonders im Familienleben, kaum.

Geschichte

Die rechtliche Stellung und Wertschätzung der Frau unterliegt in den verschiedenen Zeiten und Kulturen starken Schwankungen. Sie ist sehr hoch in Ackerbaukulturen (weibliche politische Ratgeber, Herrscherinnen, eigenes Vermögen) und erreicht einen Tiefstand etwa bei Hirtenvölkern (Frau als Besitztum des Mannes), aber auch bei bestimmten Hochkulturen (islamische Völker, Japan). Bei Wildbeutern ist die Frau recht angesehen; sie trägt durch Sammeln von Früchten, Pilzen und  Ä. zum Lebensunterhalt der Familie bei. Gradmesser für die Stellung der Frau innerhalb der Gesellschaft sind die Art der Eheschließung und das Erbrecht (Mutterrecht). Die Arbeitsbereiche der Frauen wechseln von Volk zu Volk, umfassen im Allgemeinen aber die Sorge um Kind und Haushalt. Die Stellung der Frau bei Griechen, Römern und Germanen ist gekennzeichnet von rechtlicher Unmündigkeit und Beschränkung auf den häuslichen Bereich; das Christentum änderte nichts daran, es trug vielmehr zur Unterdrückung der Frau bei. In frühchristlicher Zeit hatte die Frau in der Gemeinde zu schweigen, durch den Sündenfall (Eva) galt sie als „Gefäß des Bösen und der Sünde“. Den Höhepunkt bildete im 16. und 17. Jahrhundert die Hexenverfolgung, die unzähligen Frauen den Tod brachte. Das im klassischen Altertum geprägte Frauenbild der stolzen Hausfrau und heroischen Mutter verlagert sich im Mittelalter in einigen wenigen abgeschirmten Bereichen, so trat die Frau auch in wissenschaftlichen Berufen hervor, Frauenklöster und Beginenheime entwickelten sich zu Bildungsstätten. Mit dem Ausgang des Mittelalters verschwand die Frau aus dem öffentlichen Leben; erst im Zuge der Renaissance kehrte sie allmählich in die Öffentlichkeit zurück. Der Beginn des Liberalismus leitete den Kampf um die Selbständigkeit der Frau in rechtlicher, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Hinsicht ein, der auch auf die orientalische Welt übergriff (Türkei, Indien). Feminismus, Frauenarbeit, Frauenbewegung, Frauenforschung, Frauenrechtlerinnen, Frauenverbände.
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