Lexikon
japanische Kunst
Malerei
In der frühen buddhistischen Malerei (butsu-ga) wird das Wirken koreanischer oder chinesischer Malermönche deutlich. 886 übernahm das kaiserliche Bilderamt (edokoro) die Aufgaben der klösterlichen Malschulen. Etwa seit dem 10. Jahrhundert, nach Abbruch der Beziehungen zu China, entwickelte sich in engem Zusammenhang mit einer neuen feudalen Architektur und deren Innenausstattung das Yamato-e (die Japan-Malerei) mit historischen Darstellungen, Landschaften, Figuren – auch für die Illustration höfischer Romane –, deren Stilelemente die Tosa-Schule bis in die neuere Zeit verwendete (Mitsunaga). Aus derselben Epoche stammen die frühesten quasi-naturalistischen Porträts (Takanobu). Seit dem 14. Jahrhundert bildete sich unter dem Einfluss des aus China übernommenen Zen-(chinesisch Chan-)Buddhismus und seiner Tuschemalerei im Sumi-e ein neuer, monochromer Stil, mit dem die ersten großen japanischen Mönchsmaler und Kalligraphen ihre Anonymität aufgaben (Sesshu 1420–1506). Die frühen Meister der nach ihrem Wohnort benannten Kanô-Schule (Masanobu, Motonobu) lösten diese Tuschemalerei aus ihrer Bindung an die buddhistischen Klöster und profanierten sie durch neue Themen und eine dekorative Auffassung so, dass sie besonders als raumausschmückende Malerei (shohekiga) bis in die Neuzeit führend blieb. Von ihr wie vom Yamato-e gleichermaßen angeregt, konnten sich seit dem frühen 17. Jahrhundert freie Künstlerpersönlichkeiten entwickeln und Schulen bilden (Sotatsu, Koetsu, Korin, Kenzan). Neue Auftraggeber aus der reich gewordenen Kaufmannsschicht der großen Städte Edo (Tokyo), Kyoto und Osaka begünstigten die Entstehung einer Genremalerei (Ukiyo-e) und die Entwicklung des eng mit ihr verbundenen Japan-Holzschnitts (Moronobu, Harunobu, Utamaro, Sharaku, Hokusai, Hiroshige, Kuniyoshi, Kunisada). Im 18. Jahrhundert erschienen mit der Literatenmalerei (bunjin-ga) – auch Südschulen-Malerei (nan-ga) genannt – in klassischer chinesischer Literatur gebildete Dichtermaler (Buson, Taiga). Die ersten westlichen, von den allein in Japan Handel treibenden Holländern eingeführten Kupferstiche gaben Anlass zum Naturstudium und zum Experimentieren mit westlichen Kompositionsweisen (Okyo, Kazan, Hokusai), die bis zur Malerei der Gegenwart ein Anliegen der japanischen Malerei geblieben sind. Seit der Meiji-Restauration in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich eine von Europa beeinflusste Ölmalerei (Fujita), doch wurden auch traditionelle Themen und Techniken in zeitgemäßer Abwandlung fortgeführt (Higashiyama).
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