Lexikon
koreanische Literatur
Seit der Übernahme der chinesischen Kultur einschließlich Konfuzianismus und Buddhismus in den ersten Jahrhunderten nach Chr. bestimmten die Ideale der chinesischen Gebildeten die koreanische Literatur (Kommentare zu den konfuzianischen Schriften, Geschichtswerke, Topographien und Enzyklopädien, ebenso Kunstprosa und Gedichte). Besonders in der Lyrik zeigt sich auch deutlich die Eigenständigkeit des koreanischen dichterischen Empfindens: Höhepunkte sind die Saenaennorae-Dichtung im 6.–10. Jahrhundert und die neuen volkstümlichen Sijo-Kurzgedichte im 15.–19. Jahrhundert.
Mit der Entstehung einer koreanischen Schrift zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine eigene koreanische Literatur abseits der lange bestimmenden chinesischen Kultur und der der Protektoratsmacht Japan. Der erste bedeutende koreanische Autor dieser Zeit war Yisang (1910–1937) mit westlich inspirierten, avantgardistischen Gedichten. Vorherrschendes Thema der koreanischen Literatur ist seit 1950 (Koreakrieg) immer wieder die Teilung des Landes. Pak Kyongni (* 1926) verfasste den 16-bändigen Roman „Land“ (1969–1994), der in Form einer Familiensaga die Geschichte Koreas von der Feudalzeit bis ins 20. Jahrhundert nachzeichnet und als bedeutendstes Werk der koreanischen Moderne gilt. Der Lyriker Hwang Chi-Woo (* 1952) reagiert auf die Militärdiktatur des Landes, indem er traditionelle Gedichtformen aufbricht; von Bedeutung ist auch der in seinem Spätwerk demokratische Ko Un (* 1933). International populär geworden ist der heute im Ausland lebende Hwang Sok-yong (* 1943), der sich mit der aktuellen politischen Situation seines Landes auseinander setzt. Der ebenfalls viel gelesene Yi Munyol (* 1948) zeigt in seinen Romanen die Mechanismen von Machtausübung und Mitläufertum auf. Von den Schriftstellerinnen Koreas ist neben Pak Kyongni besonders Jo Kyung Ran (* 1969) zu nennen, die heute die Orientierungslosigkeit nach der schnellen Industrialisierung und dem Zerbrechen traditioneller Lebensstrukturen beschreibt.
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