Lexikon
Römisches Reich
lateinisch Imperium RomanumDominat und Spätantike (4.–-6. Jahrhundert)
Diocletian (284–305) zog in seinen Reformen die Konsequenzen aus den Erfahrungen der Krise des 3. Jahrhunderts: Mit dem Aufbau einer Mehrkaiserherrschaft (zwei Augusti als „Oberkaiser“ und zwei als Nachfolger vorgesehene Caesares; Tetrarchie) und festgelegten territorialen Zuständigkeiten versuchte er Usurpationen zu verhindern; zugleich gliederte er Reich und Verwaltung neu, reformierte das Währungssystem und die Steuererhebung und versuchte (vergeblich) wirtschaftliche Stabilität durch minutiöse Festlegung der Preise für Waren und Dienstleistungen zu erreichen; die damit verbundene rigide Kontrolle der Produktion, zu der auch Berufsbindung und Zwangsleistungen gehörten, führte zu einer sprunghaften Vermehrung der Beamtenschaft und einer Erstarrung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Bleibende Bedeutung behielt die Teilung des Heeres in fest stationierte Grenztruppen (limitanei) und ein mobiles Heer (comitatenses), das schnell an Brennpunkte gelangen konnte. Mit seinem Streben nach religiöser Einheit des Reiches, das 298 zur Verfolgung der Manichäer und seit 303 zur letzten reichsweiten Christenverfolgung führte, scheiterte Diocletian letztlich ebenso wie mit dem System der Nachfolgeregelung.
Aus den Kämpfen um den Thron, die kurz nach seiner Abdankung (305) einsetzten, gingen 312 Konstantin der Große und Licinius als Sieger hervor; ab 324 war Konstantin nach dem Sieg über Licinius Alleinherrscher (324–337), der seine Söhne als Caesares an der Herrschaft beteiligte und damit die (zweite) Flavische Dynastie begründete (Konstantin II. 337–340; Constans 337–350; Constantius II. 337–361; Julian 361–363). Konstantin setzte die Politik Diocletians fort, gestand aber (zusammen mit Licinius) dem Christentum den Status einer erlaubten Religion zu, die er bevorzugte, ohne sie zur Staatsreligion zu machen. Die Gründung von Konstantinopel (324, eingeweiht 330) als Residenzstadt ließ Roms Bedeutung sinken und bereitete die spätere Reichsteilung vor. Das letzte Mitglied der Dynastie, Julian (seit 355 Caesar, 361 vom Heer zum Kaiser ausgerufen), versuchte nach dem Tod des Constantius die altrömische Religion nach dem Vorbild der christlichen Kirchenorganisation zu restaurieren, starb jedoch bereits 363 auf einem Feldzug gegen die Perser.
Unter dem Zwang des wachsenden Drucks auf alle Grenzen teilten 364 die Brüder Valentinian (364–375) und Valens (364–378) das Reich. Im Osten fiel Valens 378 bei Adrianopel (heute Edirne/Türkei) gegen die Goten, die, von den Hunnen gedrängt, 376 die Donau im Einverständnis mit den Römern überschritten hatten, aber dann von ihnen betrogen wurden. Doch festigte sich die Lage, als Theodosius der Große (379–395) die Goten 382 als völkerrechtlich autonome Föderaten auf Reichsboden ansiedelte. Unter seiner Alleinherrschaft wurde das Christentum offiziell zur Staatsreligion und das Römische Reich letztmals unter einer einheitlichen Regierungsgewalt zusammengefasst. Nach seinem Tod (395) verfestigte sich die Teilung des Reiches unter seinen Söhnen Honorius (im Westen) und Arcadius (im Osten ) endgültig.
Während Ostrom relativ wenig unter hunnischen und germanischen Abgriffen zu leiden hatte und die Grenze an Euphrat und Tigris bis in das 6. Jahrhundert im Wesentlichen stabil blieb, begann sich der westliche Teil allmählich aufzulösen. 406 konnten die unter dem Druck der Hunnen massenhaft über den gefrorenen Rhein in Gallien eingedrungenen germanischen Stämme nicht mehr zurückgewiesen werden; sie siedelten in geschlossenen Verbänden, meist im Status von Föderaten, in Spanien und Südwestgallien, die Wandalen in Afrika, und gründeten eigenständige Reiche. 410 war Rom von den Westgoten, 455 von den Vandalen geplündert worden; die weströmischen Kaiser, bei Regierungsantritt häufig noch Kinder, wurden zu Marionetten ihrer meist germanischen Heerführer. 476 setzte der germanische Heerführer Odoaker den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus ab und 480 wurde der von Ostrom zum Kaiser eingesetzte Julius Nepos ermordet. Das Oströmische Reich konnte sich dagegen stabilisieren. Kaiser Justinian (527–565) versuchte sogar, das Gesamtreich wiederherzustellen. Mit dem Scheitern dieses Versuchs begann die Sonderentwicklung des Oströmischen Reiches zum Byzantinischen Reich, das erst 1453 mit der Eroberung Konstantinopels durch die Türken sein Ende fand.
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