Lexikon

Römisches Reich

lateinisch Imperium Romanum

Zeitalter der Revolution (ca. 13327 v. Chr.)

Die Ruhe im Reich ließ nun im Innern die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verwerfungen sichtbar werden, die der außenpolitische Erfolg mit sich gebracht hatte: Der wachsende und bei Einzelnen kumulierte Reichtum gefährdete die Einheit und den lebenswichtigen Konsens der Oberschicht; die ständigen Kriege hatten einerseits den Kern des Heeres, das mittlere und kleine Bauerntum geschwächt, die verbleibenden Bauern aber zudem dem wirtschaftlichen Druck der landhungrigen Großgrundbesitzer und der Konkurrenz billiger Sklavenarbeit ausgesetzt; die militärischen Leistungen der italienischen Bundesgenossen beim Aufstieg Roms zur Weltmacht waren ohne politische Gegenleistungen der Römer geblieben.
Versuche seit Anfang des 2. Jahrhunderts v. Chr., die anstehenden Probleme zu lösen, zielten in erster Linie auf die Erhaltung der Homogenität der Oberschicht (Luxusgesetze, Beschränkung der Okkupation von öffentlichem Land, Regulierung der Ämterlaufbahn, Maßnahmen gegen ungerechtfertigte Bereicherung in den Provinzen) und blieben wirkungslos; die wirtschaftlichen Probleme der Bauern wurden primär als Problem der sinkenden Wehrkraft gesehen, dem man oberflächlich durch Zensussenkung und damit Erweiterung der Wehrdienstfähigen begegnete.
Die letzte Phase der Republik bis zum Prinzipat des Augustus, auch als Späte Republik oder Zeitalter der Revolution bezeichnet, war deshalb geprägt von z. T. gewalttätigen Auseinandersetzungen innerhalb der Oberschicht, und zwar zwischen der konservativen Gruppe der Optimaten, die dem Senat die bestimmende Rolle in der Politik zusprachen, und den reformwilligen Popularen, die mit der Volksversammlung agierten; gleichzeitig führten innere Unruhen und äußere Bedrohung zu einer zunehmenden Konzentration politischer und militärischer Macht bei Einzelnen, die letztlich den Rahmen der republikanischen Verfassung sprengte.
Augustus
Augustus
Eingeleitet wurde diese Krisenzeit durch die Reformen der Gracchen (133121 v. Chr.), die als Volkstribunen mit Hilfe des Volkes versuchten, mit sinnvollen Maßnahmen Missstände zu beseitigen, aber am Widerstand des Senats scheiterten und eine zutiefst gespaltene Gesellschaft hinterließen.
Das Problem der sinkenden Wehrkraft löste Marius, der in den Kämpfen gegen den Numider Jugurtha (111105 v. Chr.) und gegen die Kelten siebenmal zum Konsul gewählt, in seiner Heeresreform auch Besitzlose zum Dienst in den Legionen zuließ und so 102 v. Chr. die Teutonen bei Aquae Sextiae und 101 v. Chr. die Kimbern bei Kimbern schlagen konnte. Das gespannte Verhältnis zu den italienischen Bundesgenossen führte zum Krieg (9189 v. Chr.), an dessen Ende die Verleihung des römischen Bürgerrechts an alle Bundesgenossen stand. Mit der neuen Heeresstruktur hatte Marius auch ein neues Moment in die Politik gebracht, da die nun vom Feldherrn abhängigen Soldaten eine bedeutende politische Klientel ehrgeiziger Generäle bilden konnten.
Sulla nutzte als erster diese neue Form der Bindung, um sich gegen seine Gegner durchzusetzen; er führte 88 v. Chr. ein römisches Heer gegen Marius nach Rom und erneut 82 v. Chr., nach seinem Sieg über Mithridates VI. von Pontos in Kleinasien, gegen die Gefolgsleute Cinnas, der in seiner Abwesenheit ein populares Regiment in Rom geführt hatte.
Die Reformen des zum Diktator mit gesetzgebender Gewalt ernannten Optimaten Sulla zielten auf eine Restauration der Senatsherrschaft und eine fast vollständige Ausschaltung des Volkes und seiner Tribunen aus der Politik, lösten aber keines der drängenden innenpolitischen und sozialen Probleme und wurden nach seinem Tod (78 v. Chr.) auch unter Mitwirkung seiner Gefolgsleute teilweise rückgängig gemacht.
Pompeius, der 71 v. Chr. die restlichen Kräfte des Sklavenaufstandes des Spartacus niedergeworfen hatte, beseitigte 67 v. Chr. das Seeräuberunwesen im Mittelmeerraum, beendete 63 v. Chr. die Kriege mit Mithridates und gliederte Bithynien, Pontos und Syrien dem Reich ein. Bei seiner Rückkehr nach Rom wurde Pompeius der mächtigste Mann im Staat. Mit Cäsar, der Führer der Volkspartei war, und dem reichen Crassus schloss Pompeius 60 v. Chr. das 1. Triumvirat zur Durchsetzung seiner politischen Forderungen. 59 v. Chr. wurde Cäsar Konsul. Als Prokonsul eroberte er 5850 v. Chr. ganz Gallien bis zum Rhein. Als der Senat jedoch aus Furcht, dass Cäsar seine Macht missbrauchen könnte, die Auflösung des Heers befahl und gleichzeitig Pompeius mit diktatorischen Vollmachten betraute, widersetzte sich Cäsar diesem Gebot, überschritt 49 v. Chr. den Rubicon und eroberte Italien. Er konnte sich schließlich gegen Pompeius durchsetzen. 45 v. Chr. wurde Cäsar die Diktatur auf Lebenszeit übertragen. Jedoch wurde er von Anhängern der republikanischen Partei, die unter Brutus und Cassius eine Verschwörung bildeten, schon am 15. 3. 44 v. Chr. (Iden des März) ermordet.
Beginn des Spartacus-Aufstandes
Beginn des Spartacus-Aufstandes
Plutarch schildert den Ausbruch der Gladiatoren-Sklaven in Capua (73 v. Chr.):

Von ihnen... gelang es nur 78..., aus einer Küche Messer und Bratspieße an sich zu nehmen und zu entfliehen. Hierauf besetzten sie einen festen Platz und wählten sich drei Anführer, von denen der erste Spartacus war..., der nicht nur einen stolzen Sinn und große Körperkraft besaß, sondern auch durch Verstand und Herzensgüte besser war als sein Stand...
Zuerst schlugen sie die Leute, die von Capua aus gegen sie ausgesandt wurden, in die Flucht, bekamen so viele Kriegswaffen in die Hand und wechselten sie mit Freuden gegen die Gladiatorenwaffen aus, die sie als entehrend und barbarisch wegwarfen. Als darauf Praetor Clodius mit 3000 Mann von Rom gegen sie geschickt wurde und sie auf einem Berg belagerte, ... schnitten sie die brauchbaren Weinranken ab und flochten sich daraus haltbare Leitern, so lang, dass sie... zum Boden hinabreichten. Die Römer bemerkten nichts davon. Daher umgingen die Sklaven sie und erschreckten sie durch ihren plötzlichen Angriff, schlugen sie in die Flucht und eroberten ihr Lager.
Jetzt liefen ihnen viele der Rinder- und Schafhirten der Gegend zu, handfeste, schnellfüßige Leute, die sie teils mit schweren Waffen versahen, teils als Vorposten und leichte Truppen verwendeten.
Die Ermordung Caesars
Die Ermordung Caesars
Der griechische Historiker Plutarch schildert den Mordanschlag auf Gaius Iulius Caesar in den Iden des März, also am 15. März 44:

Der Senat war nämlich in einem jener Prachtgebäude versammelt, die Pompeius neben seinen Theatern errichtet hatte, und ein Standbild des Pompeius erhob sich an der Stätte, wo das blutige Schauspiel vor sich ging.

Bei Caesars Eintritt erhob sich der Senat ehrerbietig. Brutus' Freunde stellten sich zum Teil hinter Caesars Sessel; andere gingen ihm entgegen, als wenn sie das Gesuch des Tillius Cimber unterstützen wollten, der für seinen verbannten Bruder um Gnade bitten wollte, und so geleiteten sie Caesar mit ihren Bitten bis an seinen Platz. Als er saß, lehnte er das Gesuch schroff ab, und da man immer dreister in ihn drang, gab er jedem einzelnen, der vor ihn trat, ärgerliche Antwort. In diesem Augenblick griff Tillius mit beiden Händen nach seiner Toga und riss sie ihm vom Hals. Das war das verabredete Zeichen für den Angriff. Die erste Wunde brachte ihm Casca am Hals mit einem Dolch bei, aber sie war nur leicht und nicht tödlich. Denn bei diesem ersten Stoß war Casca, wie leicht zu verstehen, so aufgeregt, dass Caesar sich sogar umdrehen, nach dem Dolche greifen und ihn festhalten konnte. Da riefen beide im gleichen Augenblick, der Verwundete auf Lateinisch: Casca, du Schurke, was tust du? und Casca rief seinem Bruder griechisch zu: Bruder, hilf! Als der erste Stoß geführt war, packte die Nichteingeweihten Furcht und Schrecken über die Tat; sie wagten nicht zu fliehen oder Caesar zu helfen, keinen Laut zu flüstern. Doch die Verschworenen zogen nun alle das Schwert und drängten sich um ihr Opfer. Wohin er seinen Blick wendete, begegnete er Schwertern, die ihn trafen oder vor seinem Gesicht und seinen Augen hin und her fuhren. So wurde er durchbohrt wie ein Stück Wild, eingekeilt zwischen den Armen seiner Mörder.
Denn es war verabredet, dass jeder einen Streich gegen das Opfer führen und sein Blut kosten sollte. Deswegen brachte auch Brutus ihm wenigstens eine Wunde bei in die Weichen. Einige erzählen, eine Zeit lang habe Caesar sich gewehrt und schreiend den Stößen auszuweichen versucht. Als er aber Brutus mit dem Schwert in der Hand sah, zog er die Toga über den Kopf und brach ... zusammen. An 23 Stellen sollen die Schwerter und Dolche getroffen haben. Auch untereinander sollen die Verschworenen sich verwundet haben.
Der Bürgerkrieg flammte erneut auf. Der von Cäsar in seinem Testament als Haupterbe eingesetzte und adoptierte Octavian (der spätere Kaiser Augustus) sowie Antonius und Lepidus wurden mit der Neuordnung des Staats beauftragt (2. Triumvirat 43 v. Chr.), 42 v. Chr. besiegte Antonius in der Schlacht bei Philippi die Cäsarmörder. 38 v. Chr. wurde das Triumvirat verlängert, aber seit 32 v. Chr. kam es, nachdem Lepidus schon 36 v. Chr. ausgeschieden war, zur entscheidenden Auseinandersetzung zwischen Octavian und Antonius. 31 v. Chr. siegte Octavian in der Schlacht bei Aktium; Antonius beging Selbstmord. Ägypten wurde Provinz. Alleinherrscher über das Römische Reich war nun Octavian. Er gestaltete seine persönliche Herrschaft mit bewusster Rücksicht auf republikanische Traditionen und legte durch seine Rechts- und Verwaltungsreformen die Grundlagen für die gesamte folgende Epoche des Prinzipats.
  1. Einleitung
  2. Aufstieg und Entwicklung der verfassungsrechtlichen Ordnung (8.3. Jahrhundert v. Chr.)
  3. Aufstieg zur Weltmacht (ca. 270133 v. Chr.)
  4. Zeitalter der Revolution (ca. 13327 v. Chr.)
  5. Die Zeit des Prinzipats (1.3. Jahrhundert)
  6. Dominat und Spätantike (4.-6. Jahrhundert)
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