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Überfischung der Weltmeere

Gibt es einen Rettungsanker für Thunfisch, Kabeljau & Co.? Vor europäischen Küsten sind viele Arten selten geworden, doch die Fischlust der Verbraucher ist ungebremst. Nur zögerlich ringen sich die EU-Länder zu nachhaltigen Fangquoten durch.
wissen.de-Autorinnen Anna Berndt-David und Dagmar Oberndorfer

 

Thunfisch
istockphoto.com/Pavel Aleynikov
Ob Sushi, gebratenes Filet oder Fischsuppe – die Menschen in Deutschland lieben Fisch. Während Fisch in der Vergangenheit lange Zeit nur als "Arme-Leute-Essen" oder Lückenbüßer in der Fastenzeit galt, gelten die geschuppten Schwimmer heute als edel, schmackhaft und gesund.

 

Das Schwinden der Speisefische

Laut einer Untersuchung des Fisch-Informationszentrums e.V. in Hamburg wurden im Jahr 2011 in Deutschland 1,24 Millionen Tonnen Fisch und Meeresfrüchte (Fanggewicht) verzehrt, mehr als 15 kg pro Kopf. Dieser Wert könnte jedoch bald wieder sinken, denn die Zukunft der weltweiten Fischbestände sieht düster aus.

Nicht nur die Wasserverschmutzung stellt eine ernst zu nehmende Gefahr dar – insbesondere die fortschreitende Überfischung gibt Anlass zur Sorge um Thunfisch, Kabeljau und andere Fische. Eine Studie des WWF aus dem Jahr 2012 hinsichtlich der Überfischung der Weltmeere liefert beunruhigende Ergebnisse. Demnach wird ein Drittel der Oberfläche der gesamten Weltmeere so intensiv befischt, dass die dort befindlichen Ökosysteme bereits stark geschädigt sind.

Trawler
Fotolia.com/Eric Gevaert
Geht es nach der Prognose der Naturschutzorganisation, könnte die kommerzielle Fischerei bis zum Jahr 2050 weltweit zum Erliegen kommen. Speisefische wie Thunfisch, Makrele, Lachs und andere Arten sind bereits jetzt in vielen Regionen durch Überfischung gefährdet. Insbesondere in europäischen Gewässern ist die Lage ernst: 82 Prozent der Mittelmeerbestände und 36 Prozent der Atlantikbestände gelten als überfischt – trotz festgelegter Fangquoten.
 

Besserung in Sicht

Mit einer Reform der Fischereipolitik soll dem Fisch-Schwund vor Europas Küsten Einhalt geboten werden. Ende Mai 2013 einigten sich Rat, Kommission und EU-Parlament nach zähen Verhandlungen auf einen Neuentwurf des Fischereiabkommens. Demnach würden die Fangquoten in Zukunft den Empfehlungen von Wissenschaftlern folgen - deren Einschätzung galt bisher eher als lockere Verhandlungsgrundlage.  

Langfristig sollen laut dem Entwurf nur so viele Tiere gefangen werden, dass sich die Bestände erholen, während der Ertrag der Fischerei möglichst groß ist. Die neuen Quoten treten schrittweise von 2015 bis 2020 in Kraft, was der Branche Zeit geben soll, sich auf die geänderten Regelungen einzustellen. Der Einfluss auf den Arbeitsmarkt war einer der Gründe für die langen Diskussionen, denn in Europa hängen etwa 400.000 Arbeitsplätze von dem Geschäft mit den Meeresbewohnern ab. Diese Stellen sind von strengeren Fangquoten, aber auch dem Schrumpfen der Bestände bedroht.

Die Reform begrenzt außerdem den Rückwurf von Beifang: Maximal fünf Prozent der Tiere dürfen über Bord entsorgt werden. Diese Praxis hatte sich für unverkäufliche Exemplare eingebürgert, die meistens aber schon tot sind oder im Meer verenden.

 

Fischgenuss mit gutem Gewissen

Der Verbraucher kann selbst einen Beitrag gegen die Überfischung leisten, indem er die Herkunft der angebotenen Speisefische im Auge behält und sich bewusst für nachhaltig gefangenen Fisch entscheidet. Viele Packungen liefern Informationen über Herstellungsmethode, Fanggebiete und Frische. Die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) empfiehlt als schnelle Orientierungshilfe im Supermarkt das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei (weißer Fisch auf blauem Grund).

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