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Vlad, der Pfähler

"Draculas" Leben - Wahrheit und Hirngespinste

Berühmt geworden durch einen schier unstillbaren Durst nach menschlichem Lebenssaft. Berüchtigt für seine nächtlichen Besuche. Und immer auf der Flucht vor einem seiner größten Feinde: Dem Tageslicht. Die Rede ist natürlich von Graf Dracula, dem Inbegriff des Schreckens. Als Vorbild für die Sagengestalt gilt der rumänische Fürst Vlad III. Draculea, der jedoch, entgegen einiger Vorstellungen, keineswegs ein Vampir war.

Was machte diesen Mann dennoch zum Namensgeber des "Oberhaupts aller Blutsauger"? Um die Antwort zu finden, muss man tief in die Geschehnisse seines Daseins blicken. Vieles über ihn ist inzwischen bekannt, einiges liegt noch immer im Dunkeln oder ist nicht hundertprozentig nachgewiesen. In der rumänischen Literatur ist daher häufig das Wort "probabil" - zu deutsch: vermutlich - zu lesen. Ziemlich sicher ist jedoch, dass er im Jahre 1431 in Sighisoara (Schäßburg) in Transsilvanien (Siebenbürgen) als Sohn des adligen walachischen Großgrundbesitzers Vlad II. Dracul auf die Welt kam.

Bereits Anfang der 1440er Jahre erhielt das Leben Draculeas, dem "Sohn des Drachen", eine entscheidende Wendung. Er wurde von den Türken als Geisel genommen, die zu den ärgsten Feinden seines Vaters gehörten. Fortan wuchs er am Hof des osmanischen Sultans Murad II. auf. Historikern zufolge eignete er sich dort seine grausame und menschenverachtende Art an, mit der er späteren Gegnern das Fürchten lehren sollte. Nach Jahren der Gefangenschaft wurde Draculea wieder in die Freiheit entlassen.

Grausame Taten, furchtbares Ende

Im Jahre 1447 verlor Vlad sowohl seinen Vater als auch seinen älteren Bruder Mircea II.. Beide wurden von den Türken ermordet. Ein Jahr darauf gelang es Draculea für kurze Zeit, die Macht in der Walachei an sich zu reißen, ehe ihn sein Vorgänger, Vladislav II., erneut vom Thron jagte. Doch bereits 1456 übernahm er abermals die Führung. Sechs Jahre Schreckensherrschaft folgten, eine Zeit, in der er seinem Beinamen "Tepes" ("der Pfähler"), den er allerdings erst nach seinem Tod verliehen bekam, alle Ehre machte. "Der Pfähler" war eine Anlehnung an Vlads Leidenschaft, Feinde und Kriminelle auf Holzpfählen aufspießen zu lassen. Der Anblick der Toten sollte Gauner und Gegner gleichermaßen abschrecken.

Ebenso wie die Bürger der Walachei bekamen auch harmlose Gesandte und Hofbeamte seinen Zorn zu spüren. So etwa die Mitglieder einer türkischen Gesandtschaft. Als sie bei einem Besuch des walachischen Hofes dem Fürsten persönlich begegneten, fragte sie dieser, warum sie nicht ihre Turbane vor ihm zögen. Sie antworteten, ohne dabei wohl einen bösartigen Gedanken zu hegen, dass man im eigenen Land die Sitte pflege, die Kopfbedeckung selbst vor dem Sultan aufzubehalten. Scheinbar zutiefst über diese Aussage erzürnt, wies Draculea seine Leibwächter an, den Diplomaten die Turbane an den Köpfen festzunageln. Er ließe sich eben keine fremden Sitten aufzwingen, so seine Botschaft an Sultan Mehmed II.

Als gute Sitte verstand es Draculea wohl, in der Nähe der Gepfählten zu speisen. Als ihn eines Tages ein Mundschenk fragte, ob ihm der Leichengeruch beim Essen nicht unangenehm sei, wurde dieser gleichfalls gepfählt.

Seinen Tod fand der gefürchtete Fürst schließlich um die Jahreswende 1476 / 1477. Bis heute streiten sich die Historiker über die genaue Todesursache. Fest steht allerdings, dass er enthauptet und sein Kopf in Honig eingelegt wurde, um ihn zu konservieren und nach Konstantinopel zu bringen. Indessen bleibt der Ort, an dem seine Leiche beigesetzt wurde, noch immer ein ungelüftetes Rätsel.

Viele Autoren nahmen sich seither den Erzählungen um Vlad Tepes an. Wirklich berühmt machte ihn jedoch erst ein Mann namens Abraham "Bram" Stoker. In seinem Roman "Dracula" aus dem Jahre 1897 beschreibt der irische Schriftsteller unter anderem den Wandel Vlads zum blutrünstigen Vampir. Dieser beginnt damit, dass der Fürst in den Krieg gegen die Osmanen zieht. Während Vlad die Schlacht erfolgreich bestreiten kann und überlebt, lassen die Osmanen seiner Frau eine Todesnachricht zukommen. Daraufhin nimmt sie sich das Leben. Als Vlad zurückkehrt und seine Frau tot auffindet, wendet er sich vom Gottesglauben ab und schließt einen Pakt mit dem Teufel. Aus Vlad III. wird Graf Dracula, ein unsterblicher Blutsauger.

von Paul Sklorz, wissen.de
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