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LEXIKON

Vendig

italienisch Venèzia
Palast
Palast
Palazzo Ducale, Venedig
Venedig
Venedig
Aufriss von San Marco
Hauptstadt der Region Venetien und der Provinz Venedig (2463 km2, 823 000 Einwohner) im Nordosten Italiens. Die Stadt wurde inmitten einer Lagune erbaut, die vom Golf von Venedig durch Nehrungen (Lidi) abgeschlossen ist. Die Großgemeinde mit 271 000 Einwohnern besteht aus der alten Stadt Venedig (mit rund 64 000 Einwohnern), die auf 118 Inseln (durch 400 Brücken verbunden) auf Pfählen errichtet wurde, aus den benachbarten Laguneninseln Murano, Burano, Torcello und einigen kleineren Inseln, aus dem Lido di Venezia (Seebad) und den auf dem Festland liegenden Wohn- und Industrievororten Mestre und Marghera.
Venedig: Satellitenaufnahme
Venedig: Satellitenaufnahme
Satellitenaufnahme der Lagune von Venedig, die durch eine Nehrung vom Meer abgeschlossen ist.
Altvenedig ist seit 1846 durch eine 4 km lange Eisenbahnbrücke und seit 1933 durch eine parallel dazu verlaufende Straßenbrücke mit dem Festland bei Mestre verbunden. In der Stadt spielt sich der Boots- und Gondelverkehr auf 160 Kanälen, besonders dem 3,8 km langen und bis zu 70 m breiten Canal Grande, ab. Die Altstadt ist in zunehmendem Maße von Luft- und Wasserverschmutzung betroffen sowie durch den Anstieg des Meeresspiegels und die Absenkung des Baugrunds von Überflutung bedroht.
Zentrum der Stadt sind der Markusplatz und die anschließende Piazzetta mit dem byzantinisch-venezianischen Markusdom (9. Jahrhundert, vorwiegend 11.13. Jahrhundert), dem 99 m hohen Campanile (9. Jahrhundert, Wiederaufbau 1912), dem Uhrturm (15. Jahrhundert) und dem Dogenpalast (14./15. Jahrhundert) mit der Seufzerbrücke (1603). Den Canal Grande mit der Rialtobrücke (16. Jahrhundert) säumen zahlreiche bedeutende Paläste (darunter Ca'd'Oro, 15. Jahrhundert; beherbergt die Galleria Franchetti) und Kirchen (darunter Santa Maria della Salute; 17. Jahrhundert). Von den mehr als 100 Kirchen Venedigs sind vor allem Santi Giovanni e Paolo, Santa Maria dei Miracoli und die Frari-Kirche (mit dem Grabmal Tizians) kunsthistorisch interessant. Die zahlreichen Museen und Gemäldegalerien mit Exponaten alter venezianischer Meister bis hin zur Moderne finden im archäologischen Museum, Glasmuseum (auf Murano), Jüdischen Museum, Ikonenmuseum u. a. noch eine interessante Ergänzung.
Zu den wichtigsten Bildungseinrichtungen Venedigs zählen Universität (1868), Internationale Universität, Universität für Architektur, ferner die Kunstakademie und das Musikkonservatorium. In Venedig befinden sich die Markusbibliothek (1486) und das Staatsarchiv, außerdem mehrere Theater und Konzerthäuser (Teatro La Fenice u. a.). Alle zwei Jahre finden in Venedig die internationalen Festspiele für zeitgenössische Kunst (Biennale) und jedes Jahr im Sommer das internationale Filmfestival statt.
Die kulturellen Einrichtungen, die Sehenswürdigkeiten und die einzigartige Lage haben Venedig zu einem Anziehungspunkt des internationalen Tourismus gemacht. 1987 wurden die Stadt und die Lagune von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Neben dem Tourismus beruht die Wirtschaft auf der kunsthandwerklichen Verarbeitung von Glas und Textilien, die vor allem in Altvenedig, Murano und Burano angesiedelt ist. Außer dem Hafen der Inselstadt wurde ab 1917 ein neuer Großhafen (Erdölimporte) in Marghera mit Industrieflächen gebaut; hier befindet sich die Großindustrie. An Industriebetrieben gibt es unter anderem petrochemische Fabriken, Raffinerien, Aluminiumhütte, Eisen- und Stahlwerke, Werftindustrie. Der Flughafen Marco Polo liegt auf dem Festland nördlich von Venedig.

Geschichte

Venedig erhielt seinen Namen nach dem antiken Verwaltungsbezirk Venetia. Bedingt durch das Vordringen der Langobarden im 6. Jahrhundert zog sich die Bevölkerung auf die Laguneninseln zurück. Die Bewohner blieben zunächst unter der Oberherrschaft von Byzanz, die ab dem 8. Jahrhundert allmählich zurückgedrängt wurde. Dadurch gewann das Amt des Dogen (abgeleitet von Dux) an Bedeutung. Nach Beseitigung des Exarchats von Ravenna durch die Langobarden 751 trat Venedig dessen Erbe als Umschlag- und Handelsplatz an. Bereits im 8. Jahrhundert war Venedig Seemacht. 811 wurde die schwer zugängliche Laguneninsel Rialto Regierungssitz, die damit zum politischen und 829 mit der Überführung der Markusreliquien aus Alexandria (daher die spätere Bezeichnung Republik von San Marco) auch zum kirchlichen und kulturellen Mittelpunkt Venedigs avancierte. Die unabhängige Stadtrepublik bildete sich im 11. Jahrhundert unter Führung der Dogen, beraten durch den Großen Rat (Rat der Weisen).
Codex: Vergilius Romanus
Blatt des Vergilius Romanus
Codex: Blatt des Vergilius Romanus; spätes 5 Jahrhundert; Rom, Biblioteca Vaticana
Um 1000 begann Venedig im Interesse seines Orienthandels, die Küsten Istriens und Dalmatiens zu unterwerfen, und während der Kreuzzüge entstand sein Kolonialreich auf dem Balkan bis nach Kleinasien. Unter dem Dogen Enrico Dandolo wurde mit Hilfe der Kreuzfahrer 1203/04 Konstantinopel erobert und das Byzantinische Reich zerstört. Die Konkurrenzmacht Genua wurde nach militärischen Auseinandersetzungen überflügelt und musste im Frieden von Turin 1381 die Vormachtstellung der Venezianer anerkennen.
Venezianische Maske
Venezianische Maske
Venezianische Maske.
1297 wurde die Verfassung im aristokratischen Sinn umgebildet: Der Große Rat wurde auf Mitglieder der 287 im „Goldenen Buch“ verzeichneten Familien beschränkt. Er wählte den Dogen auf Lebenszeit, seine sechs Räte, den Kleinen Rat, aus dem sich seit dem 13. Jahrhundert das eigentlich regierende Gremium entwickelte, sowie den Consiglio dei Pregadi, später Senat genannt. 1310 bildete sich der Rat der Zehn (Consiglio dei dieci), der die anderen Gremien kontrollierte und im Laufe der Zeit immer mehr Befugnisse an sich zog. Im 14. Jahrhundert wurden verschiedene Verschwörungen, u. a. die des Dogen M. Faliero (1355), blutig unterdrückt.
Im Kampf mit Mailand eroberte Venedig in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts die terra ferma (Festlandbesitz), deren Ausdehnung seit dem Frieden von Lodi 1454 kaum noch verändert wurde. Im Frieden von Skutari 1479 musste Venedig erstmals gegen die Osmanen erhebliche Gebietsverluste hinnehmen. Ende des 15. Jahrhunderts wurde Zypern gewonnen (bis 1571). Im 15. Jahrhundert hatte Venedig 200 000 Einwohner und besaß eine riesige Handels- und Kriegsflotte. Seine Bedeutung als Handelsmacht ging durch die Ausdehnung des Osmanischen Reiches und die Verlagerung der Handelswege nach den überseeischen Entdeckungen aber erheblich zurück. Kreta ging nach langem Kampf (16451669) verloren. 1684 gelang es noch einmal, den Peloponnes zu erobern und ihn bis 1715 zu halten. 1718 ging er im Frieden von Passarowitz endgültig verloren.
Die Bedeutung Venedigs im 18. Jahrhundert lag in seiner hoch entwickelten Diplomatie und seinem regen gesellschaftlichen und künstlerischen Leben. 1797 wurde der Staat Venedig durch französische Truppen aufgehoben. 1798 kam er an Österreich, 1805 zum napoleonischen Königreich Italien, 1815 wieder an Österreich (Lombardisch-Venezianisches Königreich); 1866 ging Venedig im Königreich Italien auf.
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