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Welcher Antrieb hat zurzeit die beste Klimabilanz?

Noch dominieren auf unseren Straßen Autos mit Diesel- oder Benzinmotoren. Aber schon jetzt ist klar, dass wir klimafreundlichere Alternativen brauchen. Aber welche Antriebe haben die beste CO2-Bilanz? Das hat nun der ADAC von Forschern untersuchen lassen. Im Vergleich standen dabei Diesel, Benziner und Elektroautos, sowie Autos mit Erdgas- oder Wasserstoffantrieb. Die Analyse erbrachte einige durchaus überraschende Ergebnisse.

Tankstellnschild mit Hinwies auf Ladestation und Wasserstoffbetankung
Wie schneiden alternative Antriebstechniken im Vergleich mit den dominierenden Benzin- und Dieselmotoren ab?
Klar ist: Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren wie Benziner oder Dieselfahrzeuge sind in doppeltem Maße eine Belastung für die Umwelt: Ihre Abgase setzen vor allem in Ballungsräumen gesundheitsschädliche Stoffe frei, darunter Feinstaub, Stickoxide und andere Luftschadstoffe. Gerade in vielen deutschen Städten werden dadurch immer wieder die Grenzwerte für Stickoxide überschritten – mit langfristig negativen Folgen für die Stadtbewohner.

Doch wenn man nicht nur die Luftverschmutzung betrachtet, sondern die Klimafreundlichkeit eines Fahrzeugs beurteilen will, muss man weitere Faktoren berücksichtigen. Dann reicht es nicht, nur das berücksichtigen, was aus dem Auspuff herauskommt. Stattdessen muss an sich den gesamten Lebenszyklus anschauen. Denn auch bei der Produktion des Fahrzeugs, bei der Gewinnung und Verarbeitung des Kraftstoffs und beim Recycling des Fahrzeugs wird Energie verbraucht und es werden Treibhausgase frei. Um die Klimawirkung der verschiedenen Antriebsarten ehrlich beurteilen zu können, müssen daher all diese Faktoren mit einberechnet werden.

Erdgas-Autos haben (noch) die Nase vorn

Wie es mit der Klimabilanz aktueller Fahrzeugantriebe aussieht, haben nun Wissenschaftler der der Forschungsgesellschaft Joanneum Research untersucht. Für ihre Vergleichsuntersuchung zogen sie Fahrzeuge in der so genannten "Golfklasse" heran - mittelgroße Autos mit einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern und einer Gesamtlebensdauer von 15 Jahren. Als Antriebsformen verglichen sie dabei Diesel, Benziner, Wasserstofffahrzeuge und Erdgasautos sowie Elektroautos.

Über erste Vorab-Auswertungen dieser Vergleichsstudie berichtet nun der ADAC – mit überraschenden Ergebnissen. Denn im Moment haben Autos mit Erdgas, die flüssiges Erdgas tanken, die beste Klimabilanz aller gängigen Antriebsarten. Rechnet man alle Energieaufwendungen im Lebenszyklus der Fahrzeuge zusammen, schneiden sie besser ab als Benziner, Diesel und sogar als Elektroautos – allerdings nur bei Nutzung der aktuellen in Strommischung in Deutschland.

Infografik zum Treibhausausstoß gängiger Antriebsarten
Der Treibhausgas-Ausstoß eines Autolebens bei verschiedenen Antrieben im Vergleich.

Auf die Herkunft des Stroms kommt es an

Der Grund dafür: Elektroautos sind zwar grundsätzlich im Betrieb sehr klimafreundlich – aber nur, wenn der Strom für ihre Akkus aus erneuerbaren Energien stammt. Beim aktuellen Strommix in Deutschland ist der Anteil von Braun- und Steinkohle aber noch relativ hoch. Dadurch verursacht das Stromtanken indirekt doch noch vermehrte Treibhausgas-Emissionen -zumindest beim heutigen deutschen Strommix.

Erst wenn der Anteil von Solarenergie, Windkraft und anderen erneuerbaren Energieformen weiter zunimmt, wird auch die Ökobilanz der Elektroautos besser. Die Nase richtig weit vorn hat das Elektrofahrzeug der Studie zufolge aber erst, wenn es mit 100 Prozent regenerativem Strom angetrieben wird. Ein Vorteil allerdings kommt schon unmittelbar zum Tragen: Ein Elektroauto stößt im Stadtverkehr keinen Feinstaub, keine Stickoxide oder andere gesundheitsschädliche Schadstoffe aus.

Tabelle mit den Vergleichswerten der gängisten Antriebsarten
Vergleich: Ab wann fahren E-Autos klimafreundlicher?

"Klimaschuld" durch Batterieproduktion

Das Problem bei den Elektroautos ist aber noch ein Handicap: Die Produktion ihrer Batterien ist aufwändig und Treibhausgas-intensiv – zumindest bisher. Dadurch beginnen diese Fahrzeuge ihren Lebenszyklus quasi mit einer "Klimaschuld", die sie erst im Verlauf ihrer Nutzung allmählich wieder ausgleichen können. Für die Vergleichsstudie haben die Forscher errechnet, wie lange dieser Ausgleich beim aktuellen Strommix dauern würde.

Das Ergebnis: Im Vergleich zum Benziner-Pkw kann das mit dem deutschen Strommix betriebene Elektroauto derzeit seine Vorteile erst nach 127.500 Kilometern oder 8,5 Betriebsjahren geltend machen. Beim Diesel ist das Elektroauto erst bei 219.000 Kilometern oder 14,6 Jahren in punkto Klimafreundlichkeit besser. Im Vergleich zu Wasserstoff- und Erdgasantrieben schafft es das Elektroauto sogar überhaupt nicht – beim aktuellen Strommix bleiben beide Antriebe klimafreundlicher als das Stromtanken.

Plädoyer für Erneuerbare

Doch wenn Elektroautos künftig Strom aus erneuerbaren Energien tanken, ändert sich das. Weil sie ihren "Treibhausgas-Rucksack" deutlich schneller abtragen, sind sie dann auf lange Sicht auch klimafreundlicher als Wasserstoff und Erdgasautos. Gegenüber dem Benziner schneiden sie zudem schon nach 37.500 gefahrenen Kilometern besser ab und nach 40.500 Kilometern sind sie auch klimafreundlicher als Diesel-PKW, wie die Forscher ermittelten.

Nach Ansicht des ADAC ist es deshalb umso wichtiger, den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland weiter voranzutreiben. Denn nur dann kann die Elektromobilität auch in Bezug auf die Klimabilanz punkten.

ADAC / NPO, 06.09.2019
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