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Burg und Kathedrale von Durham

Diese doppelte Sehenswürdigkeit war eine der ersten Stätten Großbritanniens, die den Weltkulturerbestatus erlangte und steht über dem Fluss Wear mit dem beeindruckenden Bischofssitz aus dem 11. Jahrhundert, den der Reisebuchautor Bill Bryson einmal auf den Namen „Schönste Kathedrale der Erde" getauft hat.

Kulturdenkmal: dreigeschossige anglo-normannische Kathedrale mit 2 m dicker Arkadenwand und normannische Burganlage, der spätere Sitz der Bischöfe von Durham
Kontinent: Europa
Land: Großbritannien, Durham
Ort: Durham, oberhalb des River Wear, südlich von Newcastle-upon-Tyne
Ernennung: 1986
Bedeutung: unschätzbares Zeugnis frühen Klosterlebens und des normannischen Kirchenbaus in Verbindung mit der im normannischen Stil erbauten Burg und Residenz des Fürstbischofs von Durham

Geschichte
673-735 Beda Venerabilis, erster bekannter englischer Historiker, Grab in der Kathedrale von Durham 10. Jh.Mönche von Lindisfarne besiedeln "Dunholm" ("Insel mit einem Hügel"), das spätere Durham
1006 und 1038 Angriffe der Schotten auf die Engländer
1071/72 Bau von Durham Castle, zunächst in Form befestigter Schanzen, gegen weitere Angriffe aus dem Norden
1080 Bau der normannischen Kapelle in der Burganlage
1093 Baubeginn der Kathedrale
1133 Fertigstellung des Mittelschiffs
1217-26 Bau der Westtürme
1242-80 Bau des Ostchors und der "Kapelle der neun Altäre" für die Reliquien von St. Cuthbert
14. Jh. erste Laienbegräbnisse in der Kathedrale, Grab der Familie Neville
frühes 15. Jh. Bau des Vierungsturmes und des Kreuzganges
1622 Bau des Renaissancetreppenhauses von Durham Castle
1650 nach der Schlacht von Dunbar Einquartierung von 3000 Gefangenen in der Kathedrale
1657 Gründung der Universität
1724-26 Veröffentlichung von Daniel Defoes "A Tour Through the Whole Island of Great Britain" mit Beschreibung Durhams
seit 1832 Durham Castle Teil des University College Durham

"Halb Kirche Gottes, halb Bollwerk gegen die Schotten"

Auf einer Anhöhe oberhalb einer bewaldeten Schlucht auf einer schmalen Halbinsel, die durch eine Schleife des Wear gebildet wird, thronen die Bischofsburg und die normannische Kathedrale - ein wahrhaft atemberaubendes architektonisches Ensemble. Der stolze Kirchenbau gilt weltweit als das herausragendste Beispiel für normannische Architektur, die, so der durch die "Abenteuer des Robinson Crusoe" bekannt gewordene englische Schriftsteller Daniel Defoe, "das kleine, überaus schmucke Städtchen" beherrscht.

Die Nähe der auf einem Felshügel gelegenen Burg zur Kathedrale erinnert daran, dass der Fürstbischof von Durham nicht nur geistliches Oberhaupt, sondern auch für acht Jahrhunderte weltlicher Herrscher war, dessen Aufgabe darin bestand, den Reliquienschrein des heiligen Cuthbert zu schützen. Der schottische Romanautor und Schöpfer von "Ivanhoe", Sir Walter Scott, beschrieb Durham mit den treffenden Worten: "Halb Kirche Gottes, halb Bollwerk gegen die Schotten". Stadtmauern, die im Laufe des 12. Jahrhunderts verstärkt wurden und bis heute weitgehend erhalten sind, ergänzten den auf Grund der Lage gegebenen natürlichen Schutz.

Der Legende nach sollen Mönche von der Insel Lindisfarne ihre besonders kostbare Reliquie, die sterblichen Überreste des heiligen Cuthbert, aus Furcht vor dem Einfall blutdürstiger Dänen auf das englische Festland gebracht haben. Nach mannigfachen Irrwegen wurden die frommen Männer schließlich durch eine Bäuerin, die auf der Suche nach ihrer verlorenen Kuh war, in das sichere Durham geleitet; das Flachrelief einer Kuh an der Nordwand der Kathedrale erinnert an diese Legende. Der heilige Cuthbert war im 7. Jahrhundert ein bekannter Kirchenmann, dessen Leib auch nach seinem Tode völlig unversehrt erhalten blieb. Dieses Wunder verbreitete sich in Windeseile über das Land, und alsbald mehrten sich die Pilgerscharen zum Schrein des heiligen Mannes.

Den Grundstein für die heutige Kathedrale, die den Schrein des heiligen Cuthbert aufnehmen sollte, legte der erste normannische Bischof, William of St. Carilef. Innerhalb von vier Dekaden, in einer für damalige Verhältnisse recht kurzen Zeit, waren die Hauptwerke des Kirchenbaus abgeschlossen. Diese kurze Bauzeit bedingt auch die einmalige stilistische Geschlossenheit der Kathedrale. Das frühgotische Rippengewölbe, ein Wunderwerk der damaligen Baukunst, ist besonders zu beachten.

Zu den faszinierenden Gestaltungselementen des Kirchenbaus gehört das Nordportal mit einem aus dem 12. Jahrhundert stammenden, aus Bronze gefertigten Türklopfer. Die groteske Fratze am Kopf des Klopfers hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck: eine Löwenmähne und aufgerichtete Katzenohren, eine lange menschliche Nase, hervortretende Wangen und bedrohlich wirkende Zahnreihen. Augen aus farbigem Schmelzglas unterstrichen einst noch den Furcht einflößenden Charakter. Schon beim Eintritt, so scheint es, sollte der Gläubige erschaudernd die Allmacht der Kirche und die Aussicht der ewigen Verdammnis spüren.

Die Gebeine des Gelehrten Beda Venerabilis, der 1899 heilig gesprochene Verfasser von "Historia ecclesiastica gentis Anglorum", der wichtigsten Quelle zum Studium der frühen englischen Geschichte, ruhen in der Galiläa-Kapelle. Wenn auch der Schrein des heiligen Cuthbert während der Reformation zerstört wurde, so blieb doch der Eichensarg des Heiligen erhalten, der nunmehr im Klostermuseum seinen Platz gefunden hat.

Die Burg, abweisend und gewaltig, wurde unter Wilhelm dem Eroberer erbaut und sichert den Hals der Halbinsel nördlich der Kathedrale. Als Bollwerk gegen den Einfall von Schotten und Dänen gedacht, diente sie im Laufe der Zeit als Residenz der Fürstbischöfe, die jahrhundertelang im von ihnen regierten Stadtstaat Durham eine eigene Streitmacht, die Gerichtsbarkeit und das Münzrecht besaßen. Blickfang ist der aus dem 14. Jahrhundert stammende Burgfried, wenn auch die im normannisch-romanischen Stil erbaute Burgkapelle und die im 17. Jahrhundert entstandene Renaissancetreppe bauhistorisch bedeutender sind.

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