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Ebola: Eine Seuche gerät außer Kontrolle

In Westafrika grassiert schon seit Monaten eine tödliche Seuche: das Ebola-Fieber. Das Virus, das diese Krankheit auslöst, ist hochansteckend, in bis zu 90 Prozent der Fälle tödlich und es gibt keine Heilung. Auch in Westafrika breitet sich die Epidemie noch immer weiter aus und ein Ende ist nicht in Sicht. Was aber hat es mit diesem Virus auf sich und warum ist er so gefährlich?
AKR/NPO

Ebola-Virus
CDC/ Frederick Murphy

Das Ebola-Virus gehört zu den tödlichsten Erregern, die man kennt. Hat es einen Menschen infiziert, verursacht es ein sogenanntes hämorrhagisches Fieber. Nach anfänglich noch eher grippeähnlichen Symptomen verschlechtert sich der Zustand der Patienten rapide: Das Virus befällt das Nervensystem und löst Krämpfe und vorrübergehende Lähmungen aus. Gleichzeitig aber zerstört es die Blutgefäße im Körper. Dadurch bluten Erkrankte aus allen Körperöffnungen und haben auch innere Blutungen. In vielen Fällen versagen schließlich lebenswichtige Organe unter dem Ansturm des Virus, der Patient stirbt.

Aktueller Ausbruch ist der bisher schwerste

Zuerst entdeckt wurde das Virus bei einem Ausbruch am namensgebenden Ebola-Fluss in der Demokratischen Republik Kongo im Jahr 1976. Damals forderte die Krankheit 280 Menschenleben. Seitdem kommt es in Afrika immer wieder zu lokalen, meist zeitliche begrenzten Ausbrüchen des tödlichen Ebola-Fiebers. In diesem Jahr jedoch kämpfen Ärzte schon seit Monaten gegen eine Epidemie:

In den westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone wütet bereits seit Ende Februar 2014 die bislang schlimmste Ebola-Epidemie seit der Entdeckung des tödlichen Virus. Nach dem Ausbruch in Guinea griff das Ebola Fieber zunächst im April auf den Nachbarstaat Liberia über, im Mai schließlich auch auf Sierra Leone. Fast 4.500 Tote Hat die Epidemie bis Oktober 2014 gefordert – fast dreimal so viele wie beim ersten und bislang schwersten Ebola-Ausbruch im Jahr 1976.

Ebola-Ausbruch in Afrika
CDC/ Ethleen Lloyd

Todesrate bis zu 90 Prozent

Die ersten Symptome des Ebola-Fiebers treten zwischen zwei und 21 Tage nach der Ansteckung auf. Von diesem Zeitpunkt an dauert es oft nur wenige Tage bis zum Tod. Bei der jetzigen Epidemie in Westafrika überlebte bislang etwas weniger als die Hälfte der über 1.200 Erkrankten. Frühere Epidemien hatten Todesraten von schlimmstenfalls bis zu 90 Prozent. Selbst bei den Ausbrüchen mit der bislang niedrigsten Sterblichkeit starb mindestens jeder vierte Infizierte.

Als Ursprung des Virus gilt sogenanntes Buschfleisch: In Afrika ist es nicht ungewöhnlich, das Fleisch von Tieren wie Antilopen, aber auch Affen oder Fledermäusen zu essen. Besonders die Fledermäuse gelten als Wirte und Überträger des Ebola-Virus, ohne jedoch selbst von der Krankheit betroffen zu sein. Als eine der ersten Maßnahmen im Kampf gegen die momentane Epidemie rieten die Gesundheitsbehörden in Guinea darum vom Verzehr von Buschfleisch ab. Mittlerweile sind Handel und Verzehr von Fledermausfleisch dort verboten.

Angst vor Ansteckung und abgeriegelte Grenzen

Von Mensch zu Mensch übertragen wird das Virus durch den Kontakt mit infizierten Körperflüssigkeiten. Auch vor den ersten Symptomen kann das Virus bereits weitergegeben werden – diese Inkubationszeit dauert bis zu drei Wochen. Die Kontakte eines infizierten Menschen in dieser Zeit zurückzuverfolgen und zu kontrollieren stellt eine der größten Schwierigkeiten der Helfer in Westafrika dar. Die Regierung von Liberia hat darum mittlerweile die Grenzen abgeriegelt und versucht so, das ganze Land unter Quarantäne zu stellen.

Setzt erst das hämorrhagische Fieber ein, steigt die Ansteckungsgefahr durch die zahlreichen Blutungen stark an. Bei der Pflege von Patienten oder auch der Bestattung von Toten lässt sich naher Kontakt jedoch kaum vermeiden. Dies gilt besonders in der afrikanischen Gesellschaft, wo oft viele Menschen auf engstem Raum zusammen leben. Wirksame Medikamente oder Impfungen gegen das Fieber gibt es nicht. Die einzige Behandlungsmöglichkeit besteht darin, die Infizierten so gut es geht bei Kräften zu halten und auf deren eigene Widerstandskraft zu hoffen. Wer das Fieber jedoch überlebt, der ist anschließend immun.

Aus Angst, sich selbst mit dem Ebola-Fieber anzustecken, haben bereits viele medizinische Angestellte der Krankenhäuser in den Großstädten ihren Dienst verweigert. Dass diese Angst nicht unberechtigt ist, zeigen die Fälle mehrerer Mediziner: In den betroffenen Ländern wächst auch die Zahl der Ärzte und Krankenpfleger, die sich in Kliniken und in den eingerichteten Therapiezentren der Hilfsorganisationen mit dem Virus anstecken.

Misstrauen und Aberglauben erschweren die Arbeit der Ärzte

Hilfskräfte hoffen auf einheimische Helfer, die die Seuche überlebt haben: Sie können in ihren Heimatorten bei der Aufklärung über das Virus und die Arbeit der Ärzte helfen. Denn viele einheimische Menschen begegnen den Mitarbeitern der internationalen Hilfsorganisationen misstrauisch oder sogar feindselig. Sie trauen den fremden Medizinern nicht und beharren auf eigenen Behandlungsmethoden. Eine erkrankte Frau wurde von ihren Familienmitgliedern sogar regelrecht aus dem Krankenhaus entführt.

Im Extremfall wird den Helfern sogar die Schuld an der Epidemie zugewiesen. Die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" beschloss wegen solcher Anfeindungen sogar zwischenzeitlich, ihre Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen aus Westafrika abzuziehen. Mittlerweile haben deren Ärzte die Arbeit jedoch wieder mit aller Kraft aufgenommen.

Vollkommen außer Kontrolle

In amerikanischen und europäischen Krankenhäusern gibt es speziell eingerichtete Isolations-Stationen für Patienten mit hochansteckenden Krankheiten. Aus diesem Grund hielten Experten es zunächst für unwahrscheinlich, dass sich das Ebola-Fieber bei uns ebenso epidemisch ausbreiten könnte wie derzeit in Westafrika. In Spanien und den USA haben sich jedoch mittlerweile mehrere Personen vom medizinischen Personal bei der Pflege von eingeflogenen Ebola-Patienten angesteckt. Schutzvorkehrungen sind zwar vorhanden, offenbar bestanden jedoch Schwachstellen bei der Umsetzung der vorgesehenen Handlungsabläufe.

In Afrika sieht die Lage noch viel schlimmer aus: Bei mittlerweile tausenden von infizierten Menschen und unter wesentlich schlechteren Bedingungen ist es für die Hilfsorganisationen vor Ort ein harter Kampf, die Ausbreitung des Ebola-Virus einzudämmen. Es stehen bei weitem nicht genügend Plätze in den Krankenhäusern zur Verfügung, um alle Infizierten angemessen zu behandeln. Die tatsächliche Anzahl der Ansteckungen und Todesfälle dürfte daher noch viel höher liegen als die bekannten Zahlen.

Mit dem jüngsten Ausbruch erreicht die Krankheit zudem zum ersten Mal auch dicht besiedeltes Gebiet wie die Hauptstädte Conakry und Monrovia. Frühere Epidemien hatten sich auf abgelegene Dörfer beschränkt, wo sich die großflächige Ausbreitung des Virus relativ leicht verhindern ließ. Nun aber sind die Ärzte von Hilfsorganisationen und örtlichen Krankenhäusern nahezu machtlos. Die "Ärzte ohne Grenzen" bezeichneten die Lage bereits im Juni 2014 als "vollkommen außer Kontrolle".

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