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Kredit aus dem Ausland: Worauf es zu achten gilt

Mit der Globalisierung der Welt und dem Zusammenwachsen der europäischen Länder eröffnen sich auch auf dem Finanzsektor einige neue Möglichkeiten. Eine davon: Kredite aus dem Ausland. Wofür man sie nutzt, wie sinnvoll sie sind und welche Alternativen man hat, lesen Sie hier.

Wehende schweizer Flagge
Kredite bei ausländischen Banken scheinen wie eine lohnende Alternative. Tatsächlich sind sie jedoch sehr risikoreich.
Was ist das Spezielle daran?

Bankgeschäfte sind, ungleich zu vielen anderen Dingen, nicht an das Heimatland eines der Beteiligten gebunden. Das bedeutet also, es ist rein rechtlich – abzüglich bestimmter Verträge zwischen den Nationen - für einen Staatsbürger der Bundesrepublik völlig legal möglich, sich mit einer im Ausland residierenden Bank in Verbindung zu setzen und dort einen Kredit zu beantragen.

Denn, und das ist das Entscheidende daran: Das Schufa-System, welches hier in Deutschland nicht nur etabliert, sondern von sehr vielen Banken angewandt wird, ist ziemlich einzigartig. Und zwar nicht nur in Europa, sondern weltweit. Und es kommt noch das Gesetz dazu: in der BRD ansässige Kreditgeber sind nach deutschem Recht verpflichtet, die Kreditwürdigkeit zu prüfen – zwar lässt das Gesetz offen, in welcher Form dies geschieht, weil aber eben das Schufa-System so umfangreich ist, vertrauen auch die allermeisten hiesigen Banken darauf. Zwar könnten auch ausländische Banken theoretisch über Dritte darauf zugreifen, jedoch aus Datenschutzgründen nur in erheblich reduziertem Maß und zu wesentlich ungünstigeren Bedingungen (die Schufa lässt sich die Anfragen durch Banken und andere Gewerbetreibende gut bezahlen, das ist ihr Geschäftsprinzip).

Warum ein Kredit aus dem Ausland?

Die Antwort auf diese Frage hat mehrere unterschiedliche Teile. Der erste ist relativ lapidar: Weil einem eine in Deutschland beheimatete Bank aus unterschiedlichen Gründen keinen Kredit gewähren möchte. Das kann, muss aber nicht einmal durch eine finanziell prekäre Situation entstehen – auch Selbstständige, Studenten sowie Angestellte in Probezeit bekommen von vielen Banken bei einer Kreditanfrage oft nur die Tür gewiesen.

Ein weiterer Grund ist Geheimniskrämerei: Zu den Realitäten des Schufa-Prinzips gehört es auch, dass sich eine Kreditanfrage automatisch auf den Schufa-Score niederschlägt. Dabei handelt es sich um eine Art selbsterfüllende Prophezeiung: Alles, was die Schufa über die persönliche Kreditwürdigkeit tangiert, wird dort niedergeschrieben und automatisch zur weiteren Präzisierung des Scores verwendet. Für viele Menschen ist das schon etwas zu viel des Guten. Sie möchten schlicht und ergreifend nicht, dass ein Privatunternehmen – nichts anders ist die Schufa Holding AG ja – derart viel über ihre intimsten Finanzdetails weiß und auch noch darauf Einfluss nehmen kann.

Doch es gibt auch noch einen letzten Hinweis, nämlich Spitzfindigkeit: Es kann sich mitunter lohnen, einen Kredit im Ausland aufzunehmen, weil dort andere Leitzinsen vorherrschen und/oder die jeweilige Landeswährung günstig im Vergleich zum Euro steht. Allerdings ist das in der jetzigen Niedrigzinsphase kaum mehr als „Makulatur“, denn in allen EU-Ländern herrschen die gleichen Kredit-Vorgaben der EZB und die sind derzeit so niedrig, dass sie von kaum einem Drittland unterlaufen werden können.

Welche Länder kommen infrage?

Kurze Antwort: Alle außer der BRD. Die etwas ausführlichere Antwort: Alle Länder, deren Kreditgesetze es erlauben, solche Transaktionen auch an im Ausland wohnhafte Ausländer zu überweisen. In der Praxis findet man unter dem Google-Suchbegriff „Kredit aus dem Ausland“ meistens die Schweiz. Tatsächlich stimmt das aber bereits nicht mehr, denn seit geraumer Zeit gibt es bilaterale Verträge zwischen der Schweiz und Deutschland, die eben jenen „Kredit-Tourismus“ hemmen. Die meisten so angebotenen „Schweiz-Kredite“ stammen heutzutage aus Liechtenstein. Ferner Malta und Luxemburg. Vor Beginn der Niedrigzinsphase waren auch japanische Kredite eine gern genommene Alternative.

Gibt es Risiken?

Eine ganze Menge. Tatsächlich sogar so viele, dass sie das System Auslandskredit gehörig ins Wanken bringen – zumindest für Otto Normalverbraucher.

  • Es beginnt damit, dass die allermeisten dieser Kredite über einen in Deutschland ansässigen Finanzvermittler laufen. Hier tummeln sich eine Menge schwarzer Schafe, die einem nicht zwingend einen „optimalen“ Kredit vermitteln möchten, sondern für sich Provision herausschlagen wollen.
  • Zwar prüft eine ausländische Bank nicht den Schufa-Score. Sie wird sich aber in jedem Fall ganz ähnlich umfassende Finanzauskünfte geben lassen. Wenn man also in keiner finanziell guten Lage ist und nur deshalb aufs Ausland ausweichen möchte, wird dies auffliegen
  • Vielleicht sind die Vergaberegeln bei einem solchen Finanzinstitut etwas lascher als hierzulande. Absichern wird sich aber auch eine solche Bank. Und das geht nur durch Geld. Man darf sich also darauf einstellen, dass die Zinsen nicht nur „hoch“ sein werden, sondern mitunter so hoch, dass der Begriff „ Wucherzins“ angebracht ist. Je nachdem, an welchen Vermittler man gerät, können die Zinsen auch jegliches Rückzahlen durch erträgliche Summen verunmöglichen.
  • Nicht wenige Banken berechnen für die reine Kreditanfrage schon Gebühren – selbst wenn kein Vertrag zustande kommt. Entweder, weil man ihn als Kreditnehmer ihn nicht möchte oder die Bank ablehnt. Man zahlt also sogar noch drauf.
  • Maßgeblich ist in jedem Fall das Rechtsystem des kreditgebenden Landes. Und das kann sich u.U. ganz erheblich von dem der EU oder Deutschlands unterscheiden.

Last but not least besteht das ganz große Risiko in der Art solcher Kredite. Sie sind nämlich oftmals sogenannte endfällige Darlehen. Das bedeutet, es werden also keine regelmäßigen kleinen Summen fällig, die Abtragung und Zinsen bedienen, sondern am Ende der Laufzeit wird alles auf einen Schlag fällig – oft das völlige Finanz-KO für Verbraucher.

Gibt es Alternativen?

 Tatsächlich sogar eine Menge – und auch noch in Deutschland angesiedelt. Zum einen gibt es eine erhebliche Zahl von Instituten, die auch trotz eines negativen Schufa-Eintrages Kredite vergeben und das zu nicht mal ausufernden Zinsen. Teilweise sind das auch Banken, die selbst das Schufa-Prinzip nicht weiter befeuern möchten oder einfach eine tragfähige Alternative für die weiter oben genannten Berufsgruppen sein wollen.

Wem es einfach nur um den Schufa-Score geht, der sollte sich auch mit einem Detail dieser Berechnung vertraut machen: Nämlich der Unterschied zwischen Kreditanfrage und Konditionsanfrage. Denn nur ersterer fließt überhaupt in das Schufa-Scoring mit ein. Zwar wird eine Bank, von der man seine persönlichen Kreditkonditionen erfahren will, auch bei der Schufa anfragen. Allerdings wird diese Frage nicht in das Scoring übermittelt – und andere Institute können nur zehn Tage lang sehen, dass überhaupt eine Abfrage gestellt wurde, danach wird das Merkmal wieder gelöscht. 

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